Wenn der Chef einen wie Luft behandelt

Der Bereichsleiter war nicht zu sprechen. Absolute Funkstille herrschte von seiner Seite aus, dabei hatte die Abteilungsleiterin dringend mit ihm Budgetfragen zu klären. Noch nicht mal eine Stellungnahme gab es von seiner Seite. Doch schließlich nutze sie die Machtverhältnisse in der Firma zu ihren Gunsten und bekam das, was sie wollte. Weil sie ihn komplett überging. Was war geschehen?

Die Abteilungsleiterin hatte ihr Anliegen sorgfältig in einer E-Mail formuliert. Das persönliche Gespräch wäre ihr lieber gewesen, aber einen Termin wollte der Bereichsleiter nicht vereinbaren. So legte sie ihm dar, was die Umstände waren, sachlich und in der angemessenen Detailtiefe. Damit verbunden war ein Lösungsvorschlag, zu dem sie seine Zustimmung erbat. Und genau an diesem Punkt scheiterte die Kommunikation zwischen beiden.

Wer etwas sagt oder schreibt, vermittelt immer verschiedene Botschaften an den Empfänger. Neben der Sachebene gibt man auch immer etwas über sich selbst preis. Man zeigt auch, wie man zum Empfänger steht und was man von ihm will. In diesem Fall zeigte die Abteilungsleiterin ihre Bedürftigkeit und untergeordnete Stellung, weil sie auf die Hilfe (= Zustimmung) des Bereichsleiters notwendigerweise angewiesen war. Der Bereichsleiter hingegen verweigerte die Antwort und gab damit zu verstehen: „Sie sind mir noch nicht mal die Mühe wert, mich zu äußern. So wenig halte ich von Ihnen, so wenig brauche ich Sie. Sie sind einfach Luft für mich.“

Ober sticht UnterAls die Zeit immer knapper wurde, um ihre Fragen zu klären, half auch alle Empörung und Wut der Abteilungsleiterin nicht weiter. Wenn der Bereichsleiter das alte Spiel „Ober sticht Unter“ spielen wollte: bitteschön, das kann er haben. Sie war sehr gut vertraut mit den Machtverhältnissen in der Firma und wusste genau, zu wem der Bereichsleiter nur ein „Unter“ war. Mit diesem Geschäftsführer besprach sie ihr Anliegen und der bestimmte „per Order Muffti“, dass es genau so zu geschehen habe, wie sie es vorgeschlagen hatte. Der Geschäftsführer hat dafür mit dem Bereichsleiter noch nicht einmal gesprochen, so wenig war er ihm der Mühe wert. Letztendlich wurde der Bereichsleiter Opfer seines eigenen Hochmuts.

Rache ist eine Mahlzeit, die Leute von Geschmack kalt genießen.

Italienisches Sprichwort

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Wenn der Neue seinen Chefsessel zurückerobern muss

Der Abteilungsleiter hatte gekündigt, ein Interimschef war noch nicht mal an Bord – da hatte sich die ehrgeizige Kollegin den Chefsessel schon an ihren Tisch geschoben. Nachdem ihr Titel mehr „Manager“ versprach als die Hierarchie hergab, nutzte sie das Machtvakuum, um eine neue Strategie entwickeln zu lassen. Bevor der „Neue“ anfing, war sein Handlungsspielraum von ihr bereits erfolgreich eingeschränkt. Was sollte er nun tun?

Den Diebstahl der Krone zurückweisenFür eine neue Führungskraft gleichen die Machtverhältnisse im Unternehmen einer Nachtwanderung in einem Moor: Die Landkarte, also das Organigramm, weist auf die Grashügel hin, auf denen man sicher durch das Schlammfeld gelangen kann. Überall erscheinen im Licht der Taschenlampe Hinweisschilder: gute Ratschläge von Angestellten und Führungskräften, die so den Neuen in den Mikrokosmos der Firma einführen. Und das Gegenteil von guten Ratschlägen: die gut gemeinten, aber hinterhältig in die falsche Richtung Weisenden. Die Untergebene beispielsweise, die in der Umbruchzeit von einer Beratungsfirma schon mal eine Strategie hat entwickeln lassen, erklärt: „Es galt, keine Zeit zu verlieren, damit wir den Anschluss an den Markt halten.“ Sehr löblich nach außen hin, doch im Kern, quasi unter der Grasnarbe, steht die abwertende Beziehungsbotschaft: „Auf Dich habe ich nicht gewartet und an mir kommst Du sowieso nicht vorbei!“ Ganz im Stile von Staatsekretären, denen es egal ist, wer unter ihnen Bundesminister ist und die so faktisch die Hierarchie auf den Kopf stellen.

Die Schwierigkeit für den Chef besteht in der inkongruenten Nachricht: Er empfängt zwei sich widersprechende Botschaften, wobei er dem offiziell Gesagten durchaus zustimmen kann. Sprich: auf die Marktentwicklung muss man in der Tat aufpassen. Er muss jedoch die unterschwellige, weil unausgesprochene Beziehungsdefinition zurückweisen. Die, dass er hier als Chef nicht gebraucht wird. Verpasst er das, bekommt er kaum noch ein Bein auf den Boden. Es hilft, wenn er die Situation ruhig analysiert:

  • Um was geht es in der Sache: wie ist die Faktenlage?
  • Wie geht es mir, wenn ich das jetzt höre?
  • Was hält wohl die Andere von mir? Und was halte ich von ihr?
  • Zu welcher Handlung werde ich jetzt aufgefordert – tatsächlich oder vermeintlich?

[Mehr dazu]

Jede Frage bedarf des Nachdenkens, unter Umständen müssen weitere Informationen eingeholt werden. Doch dann kann der Chef eine stimmige, für ihn passende und der Situation angemessene Reaktion zeigen. Als Neuling in fremder Umgebung ist ihm der Königsweg versperrt, offen den Angriff auf seine Stellung und Autorität anzusprechen; er muss sich in der üblichen Geschäftssprache wehren. Das könnte beispielsweise ausgesprochen so lauten: „Vielen Dank, dass Sie den Prozess der Strategieentwicklung angestoßen haben. Ich gehe davon aus, dass das mit dem Bereichsleiter so abgesprochen war. Ich werde mir die Entwürfe der Berater anschauen und auf meine eigenen Vorstellungen abstimmen. Das Ergebnis stelle ich dann dem gesamten Team vor. Wenn ich noch Fragen habe, wie dies oder jenes hier im Unternehmen gehandhabt wird, würde ich auf Sie zukommen.“ Implizit, unausgesprochen, sagt er auf der Beziehungsebene: „Der Chef bin ich.“

Es stört mich nicht, was meine Minister sagen, solange sie tun, was ich ihnen sage.

Margaret Thatcher (1925 – 2013, britische Premierministerin)

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Was tun, wenn der Chef keine Führungskraft ist?

Der Chef war als Führungskraft nicht zu gebrauchen. Denn trotz ständiger Erreichbarkeit per Smartphone und der Managementliteratur von Steve Jobs auf dem Fensterbrett konnte von „iLeadership“ nicht die Rede sein. Vielmehr vereinte er die sprichwörtlichen drei Affen in einer Person: er sah nicht hin, hörte nicht zu und sagte nichts an. Was ist zu tun, wenn der Chef partout nicht führen will? Statt darüber zu jammern und meckern ergriff das Team die Initiative und organisierte sich selbst.

Der Chef will kein Chef seinVorgesetzte haben schon immer die Aufgabe gehabt, die Untergebenen so zu organisieren, dass ihr Einsatz für das vorgegebene Ziel gebündelt wurde. Basierte das System jahrhundertelang auf herrschaftlichem Befehl und untertänigstem Gehorsam, entstand in den letzten fünfzig Jahren der kooperative Teamstil. Die einzelnen Fähigkeiten werden dabei vom Teamleiter zu einem größeren Ganzen summiert. Dabei setzt dieser Stil voraus, dass das Team sich zu großen Teilen selbst organisieren kann. Denn vorgegeben werden nur noch der Rahmen und das Ziel. Die Motivation und Ausgestaltung der Handlungen kommt aus und von den Teammitgliedern selbst.

Selbstorganisierende Teams kommen mit einem Minimum an Rahmendaten aus, sie nutzen aktiv die ihnen gegebene Freiheit. Wochenlang keine Teambesprechung? Dann werden die Absprachen eben untereinander an der Kaffeemaschine getroffen. Keine Vorgabe zur Herangehensweise? Dann wird dem Chef oder der Chefin einfach ein fertiges Konzept vorgelegt, das er bzw. sie aus Gründen der eigenen Bequemlichkeit im Großen und Ganzen annimmt – auch wenn das kaschiert wird mit Änderungswünschen an diesen oder jenen Kleinigkeiten. Denn der Schein will gewahrt sein: Chef, das ist doch ganz klar nur einer hier im Team. Das sehen die Mitarbeiter zwar völlig anders, aber es ist einfacher, bei der Komödie mitzuspielen und dem Chef sein Selbstbild zu lassen.

Es gibt jedoch auch eine andere Lösung für führungsschwache Führungskräfte: manche erkennen ihre Defizite und ihr Unwohlsein und verzichten daher auf die Vorgesetztenrolle. Für sie ist es kein Versagen, wenn sie wieder in die Spezialistentätigkeit wechseln oder in das Projektmanagement, wo sie sich in Problemdetails reinfuchsen können, ohne sich mit den lästigen Personalangelegenheiten oder der Unternehmenspolitik zu belasten.

Man muss sich mit fremden Federn schmücken, so lange man sie hat.

Fabian Reinecke (Chefredakteur des Zweitausendeins Merkheftes 1998 – 2011)

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In der Firma streitet man sich nicht wie im Kindergarten – leider!

In der Sitzung sollte der Projektplan nun endlich verabschiedet werden. Doch statt die monatelangen Gespräche endlich zum Abschluss zu bringen, bekamen sich die beiden Verhandlungsgruppen über eine Kleinigkeit derart in die Haare, dass das gesamte Vorhaben scheiterte. Nach dem Gespräch waren alle der einhelligen Meinung: „Das war ja der reinste Kindergarten!“ Wobei das eine Beleidung war – für den Kindergarten. Denn so manche Firma könnte etwas von Kindergärten lernen. Dort wäre das Projekt nämlich erfolgreich gewesen.

Im Sandkasten wird richtig gestrittenIn der Tat erscheinen manche Sitzungen in Firmen von außen betrachtet besonders kindisch. Die Kontrahenten gönnen einander die Sandförmchen nicht, frei nach dem Motto: „Wenn ich schon meine Sandburg nicht bauen kann, dann sollst auch Du keine haben.“ So offen aussprechen kann man das im Geschäftsumfeld natürlich nicht, stattdessen werden „Budgetzwänge“, „Zuständigkeiten“ oder der „Datenschutz“ ins Feld geführt, um das Vorhaben des anderen zu torpedieren. Da macht es nichts, dass alles in Fachgruppen auf Herz und Nieren geprüft worden war. Mit einem scheinheiligen Lächeln beteuert man einander, wie vertrauensvoll man hier zusammen sitze und dass der andere wertvollen Input liefere. Nur mühsam wird verdeckt, was viele tatsächlich denken: „In meinem Sandkasten will ich Dich nicht haben!“

Wenn es offiziell um Sachinhalte geht, aber ein schwer greifbares Gefühl im Bauch ausgelöst wird, dass hier etwas nicht stimmt, spielt sich die Auseinandersetzung auf der Beziehungsebene ab, direkt an der Gürtellinie. Man will einander beweisen, dass man alles zum Scheitern bringen kann, wenn man es sich in den Kopf gesetzt hat. Wird dieses wahre Thema nicht klar benannt, also auf den Tisch gelegt, dann wird sich der Konflikt nicht lösen lassen und Projekte zum Scheitern bringen.

Ach wie schön wäre es, wenn es wirklich wie im Sandkasten eines Kindergartens zuginge: Da bekommt man sich in die Haare, zeigt dem anderen ganz offen wie blöd man ihn gerade findet, haut ihm die Schaufel auf den Kopf, der andere haut zurück und nach einer kurzen Rauferei ist die Sache erledigt. Eine Viertelstunde später spielt man wieder zusammen. Im Kindergarten wird richtig gestritten und ein Konflikt offen ausgetragen. Daher hat er eine Chance, gelöst zu werden. Das ist kindliches Verhalten, Erwachsene sind kindisch.

Manche Menschen haben einen Gesichtskreis vom Radius Null und nennen ihn ihren Standpunkt.

David Hilbert (1862 – 1943, Mathematiker)

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Vom Umgang mit egoistischen Selbstdarstellern

„Das ist ja alles ganz nett, was Sie sich da ausgedacht haben. Ich habe gestern mal kurz ein Konzept skizziert und der Vorstand hat es bereits abgesegnet.“ Wie vor den Kopf gestoßen war das Projektteam – monatelange Arbeit wurde mit einem Handstreich verworfen. Die Chefin hatte mal wieder einen großen Auftritt als Narzisstin. Wie können die Mitarbeiter ihr nur beikommen?

Die Geschäftswelt ist voll von Menschen, die sich immer in den Vordergrund spielen, zu allem immer das Richtige zu sagen haben, die die anderen klein machen und denen allgemein das Etikett „Kotzbrocken“ angehängt wird. Bedauerlicherweise finden sich solche Menschen in hohem Maße in den Führungsebenen der Firmen. Doch da gehören sie auch hin.

Der Narzisst tut größer als er istSo schwer es fällt: Narzissten sind in der Regel schlau (aber vielleicht nicht immer intelligent). Sie wissen die Gunst der Stunde zu nutzen – für sich und ihre Ziele. Dabei leisten sie mitunter Dinge, die als undenkbar oder unerreichbar gelten. Dass sie innerlich Getriebene sind, die wie Süchtige nach Lob gieren und auf ständigem Entzug leben, wissen sie gut zu verbergen.

Narzissmus speist sich aus dem Hunger nach Anerkennung. Narzissmus ist wie ein Krug, der ein Loch hat und der ständig mit frischem Wasser nachgefüllt werden muss. Ein Narzisst muss sich natürlich besonders präsentieren, um aufzufallen. Die Mehrzahl macht sich besonders groß und die anderen klein („Den besten hausgemachten Kaffee von New York bekommen Sie ja übrigens bei Grumpy’s in der 23. West zwischen 9. und 10. Avenue“). Es gibt aber auch die besonders Kleinen („Nein, nein, die Torte war doch nur ein einfacher kleiner Kuchen, gar nicht der Rede wert“). Beide haben das Ziel, mit einer bewundernden Replik eine Anerkennung zu bekommen, weil sie sich in Wirklichkeit ganz klein fühlen.

Der Königsweg ist unangenehm für das Umfeld. Der Anfang ist das Lob – Lob für eine tatsächlich erbrachte Leistung. Danach, wenn das Bedürfnis des Narzissten erfüllt ist, ist die Bereitschaft für Kritik viel eher gegeben, als wenn man damit gleich einsteigt. Gewürzt mit einer Prise Humor bricht das weiche Wasser aus Lob plus direkt angeschlossener Konfrontation mit den entstandenen Kollateralschäden den harten Stein der gnadenlosen Selbstdarstellung. Denn gnadenlos ist ein Narzisst nicht nur zu anderen, sondern auch und besonders gegenüber sich selbst. Dass Burn-out dabei eine sehr spezielle Form der Anerkennung ist, kann ihnen jeder Narzisst bestätigen.

„Mach Dich doch nicht so groß, so klein bist Du doch gar nicht!“
Hans Jürgen Wirth (* 1951), Psychoanalytiker und psychologischer Psychotherapeut

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Den Chef mit seinen eigenen Waffen schlagen

Die junge Kollegin hat keine Chance: links ist das Fenster, vor ihr der Schreibtisch, hinter ihr die Wand und rechts – da sitzt ihr Chef. Fast schon auf ihrem Schoß. Und diktiert ihr eine E-Mail in die Tastatur. An Flucht ist nicht zu denken, auch nicht, als er noch rülpst. Sie finden, das klingt erfunden? Nein, leider muss ich Ihnen sagen, das ist der Alltag bei dieser Mitarbeiterin. Sie lässt diese massive Verletzung ihrer Grenzen zu. Wie kommt es eigentlich zu solch einer Situation?

Es ist einfach, in einer solchen Situation dem Chef die Schuld zu geben: „Wie der sich benimmt! Das geht doch gar nicht! Da müsste doch jemand mal eingreifen!“ Dieser jemand ist dann gerne die nächsthöhere Führungsebene oder „die Personalabteilung“. Aber ist es nicht so, dass der Chef nur den Raum ausnutzt, der ihm gewährt wird?

Grenzen ziehen sich nicht von alleineMachtverhältnisse lassen sich gut mit dem Physikunterricht der Mittelstufe erklären. Da wird Mechanik gelehrt und das Prinzip der kommunizierenden Röhren. Wasser verteilt sich gleichmäßig über mehrere Eimer hinweg, wenn diese durch Rohre miteinander verbunden sind. Wasser nimmt sich den Platz, den es braucht. Im Ruhezustand sind die Wasserstände auf einer Höhe.

In der Situation oben sind Angestellte und Chef zwei Eimer, das Wasser ist die Macht. Der Chef drückt nun sein Wasser in den Eimer der Angestellten. Diese setzt keinen Druck dagegen, lässt ihn also gewähren. Warum sollte ein Mensch mit Machtinteresse da freiwillig auf den Raum verzichten, der ihm angeboten wird?

Was wäre nun, wenn die Angestellte ausweicht, also ihren Eimer vergrößert, damit ihr das Wasser nicht mehr bis zum Hals steht? Das gibt dem Chef noch mehr Raum und er kommt vielleicht auf die Idee, Kontrollanrufe zu machen, wenn er auf Geschäftsreise ist und zu verlangen, dass seine Assistentin allzeit verfügbar am Arbeitsplatz auf seine Anweisungen wartet.

Es wird aus meiner Sicht kein Weg daran vorbeiführen, dass die Mitarbeiterin die Gummistiefel anzieht und das Wasser, also die Macht des Chefs, zurückdrängt. Selbstverständlich lässt sich eine Überflutung mit fremder Macht nicht sofort zurückdrängen, aber eine Kombination aus treuer Pflichterfüllung und passivem Widerstand könnte sehr effektiv sein. Chefs mit Kontrollzwang wollen alles genau so erledigt haben, wie sie es sich vorstellen. Das soll ihnen gegönnt sein. Jede noch so unsinnige Anweisung wird genau befolgt. Aber nur im Rahmen der üblichen Arbeitszeit. Dienst nach Vorschrift: alle 15 Minuten notieren, was ich gerade getan habe? Aber gerne! Alleine das Schreiben eines Berichts dauert fünf Minuten. Die Berichte könnten auch mit der einen oder anderen dringenden Frage an den Chef gespickt sein, auf deren Antwort ich als Angestellter bestehe. Er muss also alle Berichte am gleichen Tag lesen. Kombiniert mit dem Arbeitszeitkorridor legt das früher oder später die komplette Arbeit lahm.

„Wer noch niemals anderen Leuten auf die Füße getreten ist, hat sich vermutlich noch niemals von der Stelle bewegt.“ (Franklin P. Jones, Amerikanischer Schriftsteller)

Vorschau

„Und die Jeans hier, die kommt auch zu Oxfam!“ sage ich zu meiner Frau und stopfe sie in die Tüte, zu den anderen Pullovern, Hemden und CDs die ich gekauft habe, obwohl sie mich von Anfang an nicht wirklich überzeugt haben. Jetzt trenne ich mich endlich von ihnen, ich habe auf diese Art sogar schon mal einen Job entsorgt. Was bringt mich dazu, wider besseres Wissen „Ja“ zu etwas zu sagen? Lesen Sie die Antwort und erfahren Sie die Auflösung des Dilemmas. Am 28. April hier auf meinem Blog.

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Beim Lästerfasten kann ich nicht schummeln

Die zweite große Gute-Tat-Saison des Jahres läuft. Seit Aschermittwoch wird wieder gefastet: kein Alkohol (zumindest keine harten Sachen), keine Süßigkeiten (wenigstens keine Schokolade ab 10 Uhr morgens), kein Fleisch (Wurst ist ok) – dem (Selbst-) Betrug sind Tür und Tor geöffnet. Ich kenne das von mir selbst, doch jetzt faste ich „Lästern“. Wie sieht meine Halbzeitbilanz aus?

Zwei Klassiker der Termine für gute Vorsätze gibt es im Jahr: den 1. Januar und Aschermittwoch. Der Anlass mag verschieden sein, doch es gibt oft genug Überschneidungen in den Vorsätzen. Und ebenso gemeinsame Betrugstechniken. Vor Jahren probierte ich, in der Fastenzeit keine Süßigkeiten zu essen. Die ersten zwei, drei Tage fiel es mir schwer, weil ich zu bestimmten Anlässen ganz automatisch zu Schokolade griff. Sie sind mir erst dadurch bewusst wurden, dass ich eben nicht zugreifen durfte: die Kaffeepausen, die Belohnung aus dem Kühlschrank für einen anstrengenden Tag, … Dann kam ich in den „Flow“: drei, vier Wochen lang lief es gut. Doch in der zweiten Hälfte fiel es mir zunehmend schwerer, mich an meinen Vorsatz zu halten. Ich hatte doch schon so viel erreicht, ich könnte doch ein Stück Kuchen essen (Käsekuchen, denn da ist ja keine Schokolade drin). Und je näher Ostern rückte, die Schokoladenpräsentationen allgegenwärtig wurden, umso schwerer hielt ich durch. Kurz und gut: geschafft hatte ich es nie. Ich habe mich jedes Jahr um den Fastenerfolg gebracht. Die Konsequenz: ich hängte zukünftig mein Ziel weniger hoch. Im nächsten Jahr nahm ich mir lediglich vor: keine Schokolade, aber Kekse sind erlaubt. Eine Kollegin erzählte: das Nutellabrot zum Frühstück sei vom Fastenvorsatz natürlich ausgenommen.

Mir fiel aber auf, welche Gewohnheit hinter dem Schokoladenkonsum steckte. Manchmal wollte ich mich – zu Recht – belohnen, oft war es einfach nur Sucht. Da ich mir die Belohnung nicht versagen wollte, aber das Suchtpotential entlarven wollte, suchte ich nach einem neuen Fastenziel. Und fand es in einer Verhaltensweise, die sich hauptsächlich im Kopf abspielt: dem Lästern. Bei der Kaffeepause mit Kollegen (mit oder ohne Schokolade) geht es doch oft um das Lästern über einen gemeinsamen „Feind“, eine ungeliebte Abteilung oder eine einzelne Person. Da gibt ein Wort das andere, wie in einer sich selbst verstärkenden Spirale schraubt man sich von Bösartigkeit zu Bösartigkeit. Damit wollte ich Schluss machen.

Laesterfasten ohne schummelnOh, wie schwer das ist! Denn nur ein Bruchteil dessen, was in meinem Kopf ist, kommt auch durch meinen Mund nach draußen. Auch wenn ich schwieg, lästerte ich im Stillen mit. Diese innere Kakophonie wollte und musste ich beruhigen. Zum Schweigen verdammt fiel mir irgendwann auf, dass ich hin und wieder die Position des potentiellen Lästeropfers einnahm. Außerdem fragte ich mich: geht es mich überhaupt etwas an, worüber hier gerade gelästert wird?

So manchen Knallerspruch habe ich runtergeschluckt, aber im Laufe der Fastenzeit wurde ich innerlich ruhiger. Friedlicher, positiver, gelassener. Jetzt ist Halbzeit und ich stelle mir die Frage, wo Lästern eigentlich beginnt. Lästern macht mir gar nicht so viel Spaß, wie ich dachte. Vergiftet Lästern gar mein Herz?

Ich versuche das mit dem Lästerfasten mittlerweile seit drei Jahren und merke, dass es mir von Jahr zu Jahr leichter fällt. Das ist übrigens ein Erfolg, der sich beim Schokoladenfasten nie eingestellt hatte.

Vorschau

Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen und nun sieht man sie wieder in den Bars oder Straßencafés eifrig nach der Bewunderung und der Aufmerksamkeit des Gegenübers fischen: Menschen auf der Balz. Manchmal wirkt das wie ein Eroberungsfeldzug, bei dem er sie, sie ihn, er ihn oder sie sie überrollt mit selbstzentriertem Geschwätzdonner. Dabei geht es doch um Gefühle, nicht um Ländereien wie bei den Konquistadoren – oder habe ich da etwas missverstanden? Folgen Sie meiner Entdeckungstour am 24. März, hier auf meinem Blog.

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Problemzone Prioritätenliste

priolisten sind für viele Menschen ein quell der frustrationPrioritätenlisten sind wie Cellulite: viele haben sie, kaum jemand bekommt sie weg. Alles fängt mit leichter Orangenhaut in Form von To-Do-Listen an und wächst sich aus zu Prioritätenlisten mit „Haupt-, Unter- und Nebenprioritäten“, klassifziert in „1a“, „1b“, usw. To-Do und Prioritätenlisten sind für viele Menschen ein nicht versiegender Quell der Frustration.

„Wie setzt Ihr Prioritäten?“ fragte neulich ein Teilnehmer in der Supervisionsgruppe. Wir schwiegen und überlegten – das war eine gute Frage.

Für den einen können Prioritäten nur gesetzt werden, wenn alte Gewohnheiten aufgegeben werden und am Ende der Priorisierung ein gutes Gefühl oder schönes Erlebnis steht. Für mich ist die Sehnsucht der Wegweiser. Nach was ich mich wirklich sehne, ist mir so wichtig, dass ich dem alles andere unterordne. Eine Frau fasste es in der Frage „Wofür?“ zusammen: Wer Prioritäten setzen will oder muss verfolgt ein Ziel, wofür braucht er oder sie mehr Raum, Zeit, Freiheit?

Als untauglich haben sich für uns alle große weiße Blätter erwiesen, auf denen die Listen angelegt werden. Lange Kolonnen von abzuarbeitenden Tätigkeiten sind einfach nur demotivierend. Keine einzeige dieser Listen hat je dafür gesorgt, dass das Problem „Zu viele Aufgaben für zu wenig Zeit“ gelöst wurde. Aber da jeder Ratgeber aus der Kategorie „So bekomme ich alles geregelt“ nun einmal solche Listen empfiehlt haben wir die Idee der To-Do Liste weitergesponnen. Um die Prioritäten richtig zu strukturieren bräuchte es getrennte Listen für Studium/Arbeit, Freizeit, Haushalt, Freunde/Familie und natürlich eine Master-Liste, die die Einzellisten priorisiert. Oder wie wäre es, eine To-Do Liste zu schreiben und gleich anschließend wegzuwerfen? Denn wie oft wurden Listen geschrieben, die dann im allgemeinen Durcheinander verloren gingen. Tauchten sie Wochen später wieder auf, waren alle Punkte darauf entweder abgearbeitet oder ihre Umsetzung war überflüssig geworden. Am besten gefiel uns der Gedanke, auf eine „To-Do Karte“ nur ein einzigen Punkt zu schreiben. Auf den kann man sich dann konzentrieren, ihn erledigen, stolz abhaken und ein Erfolgserlebnis für sich selbst verbuchen. So wäre die Prioritätenliste auch endlich von ihrem inneren Widerspruch befreit. Das Wort „Priorität“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Vorrang“, auch im Sinne von „Erster, Vorderer“. Es kann nur Einen geben, der ganz vorne, ganz oben steht. Eine Liste von „ganz oben Stehenden“ – das ist semantischer Unsinn.

Ich reserviere mir übrigens jeden Morgen 25 Minuten meiner kostbaren Zeit für das Wertvollste, das ich besitze: mich selbst. In dieser Frei-Zeit schaue ich, wie es mir geht, zentriere mich und begrüße den Tag. Das hat ganz klar „Prio Eins“ für mich, besonders um sieben Uhr in der Früh’.

Vorschau

Neulich im Museum hörte ich „Eigentlich gar nicht mal so übel, das Ding hier. Das muss man jetzt mal zugeben.“ Oh wow, da war ein echter Sprachkünstler am Werk! Er schmiss eine Burka aus Füllworten und Abschwächungen über den Kern der Aussage, bis er nicht mehr zu erkennen war. Einmal darauf aufmerksam geworden fielen mir zu meinem Entsetzen auch unzählige Verschleierungssätze in meinem täglichen Sprachgebrauch auf. Machen Sie mit bei der Entschleierung am 17. September, hier auf meinem Blog.

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Ein Hoch auf Kaffee und Schokolade, die Friedensstifter

In der heimischen Arena geht es zu wie in einem Hexenkessel. Die Kontrahenten haben sich gnadenlos ineinander verbissen. Für die Gladiatoren geht es um Leben und Tod. Mancher Streit zwischen Paaren erinnert an den Circus Maximus in Rom. Ein Hoch auf Kaffee und Schokolade – die können den Frieden wiederherstellen. Wie soll das gehen?

Eine Unterbrechung bevor der Streit endlos wirdWenn ich an manche Streitigkeiten in unserer Ehe zurück denke, dann erinnere ich mich nur noch an das Porzellan, das wir (auch im wörtlichen Sinn) zerbrochen haben. Und an die Erschöpfung, wenn sich der Rauch über dem Schlachtfeld verzogen hat. Doch beim besten Willen kann ich mich nicht erinnern, worum es bei dem Streit eigentlich ging. Oder wie er angefangen hat. Doch irgendwann kam ein Punkt, an dem es kein Zurück mehr gab. Wie zwei Kampfhunde haben meine Frau und ich uns ineinander verbissen und bis weit über die Erschöpfung hinaus nicht mehr losgelassen. Doch seit vielen Jahren haben wir ein Ritual, um wieder zu Sinnen zu kommen.

Kurz bevor wir uns hoffnungslos zerstreiten stellt einer von uns beiden die Frage: „Hast Du Lust auf einen Kaffee und Schokolade?“. Das Angebot ist zu verlockend:

  • Da bietet mir mein „Gegner“ an, etwas für mich zu tun!
  • Ich liebe den Duft von Kaffee, dessen bitteren Geschmack, den zarten Schmelz von Schokolade – welch sinnliche Vorfreude!
  • Einer muss in die Küche gehen, den Kaffee aufsetzen, die Schokolade aus dem Schrank holen – zwischen uns Streithähnen entsteht eine räumliche Distanz.
  • Jeder kann sich für sich selbst beruhigen. Sich klar werden, wo sein Standpunkt ist und wo der des anderen. Wir lieben uns doch, wo wollen wir eigentlich hin?
  • Wenn dann nach fünf Minuten der Kaffee blubbert, der Duft durch die Wohnung zieht, das Schokoladenpapier raschelt, haben sich in der Regel die Gemüter schon deutlich beruhigt.
  • Dann tun Koffein und Zucker ihre Arbeit: der Körper bekommt Energie, das Hirn wieder Sauerstoff und die Gedanken werden klar.

Und so werden beim Schlürfen und Schmatzen die Friedensverhandlungen begonnen. Statt zu kämpfen, bis alles zu spät ist, können wir nach tragfähigen Kompromissen suchen. Uns wieder als liebendes Ehepaar entdecken. Oder mit Erschrecken feststellen: wir hatten uns einfach nur missverstanden.

Vorschau

Durch meine Kindheit schallte an Schlagernachmittagen Bill Ramseys tiefe Stimme aus dem Radio und sein Ohrwurm „Souvenirs, Souvenirs!“ geht mir bis heute nicht aus dem Kopf. Jetzt beginnt die Urlaubssaison und ich bin gespannt, welche Souvenirs ich mitbringen werde, die „wie das Salz in der Lebenssuppe“ sind. Mein Leben ist glücklicherweise reich an Souvenirs. Kommen Sie! Ich nehme Sie mit auf eine Reise, die Ihnen bestimmt ein Lächeln ins Gesicht zaubern wird! Ab dem 1.7. hier auf meinem Blog.

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Warum sollte ich Deinen Schuh anziehen?

Das Leben stellt mir immer wieder „Schuhe“ hin, die mir nicht passen – und die ich dennoch anziehe. Ich stolpere mit ihnen durch die Gegend oder reibe mir abends meine wunden Füße. Warum nur ziehe ich sie überhaupt an?

Jede E-Mail ist für mich wie ein Aufforderung: „Öffne mich!“ „Nimm mich wichtig!“ „Bearbeite mich!“ Ich reagiere sehr feinfühlig auf solche Signale, weil mein „Apellohr“ sensibel ist [mehr dazu]. Sätze wie „Wir sollten Frau X und Herrn Y die Schwierigkeiten des Projektes noch einmal darlegen.“ oder „So eine Ungerechtigkeit! Da müsste man doch mal was gegen tun!“ setzen meine Hilfsbereitschaft in Gang.

Wie oft bin ich losmarschiert, habe Frau X und Herrn Y das Projekt und seine Schwierigkeiten beschrieben oder habe gegen die offensichtliche, aber nicht sanktionierte Ungerechtigkeit protestiert. Das hat mich unzählige Male in Teufels Küche gebracht. Dabei waren dies gar keine Aufforderungen, die direkt an mich gerichtet waren. Manchmal ging das E-Mail an einen großen Verteiler, ein anderes Mal stand ich nur „zur Kenntnisnahme“  im ausgedehnten cc:-Feld.

Ich ziehe nur noch Schuhe an, die mir passenIch musste etwas tun. Mittlerweile stelle ich mir vor, ich würde in einem Schuhladen sein, wo nur noch die Ladenhüter rumstehen, die keiner will. Ein einfacher Satz hilft mir: „Wenn Dir der Schuh passt – zieh ihn Dir an!“ Spüre ich in mir eine Aufforderung zum Handeln, sehe also ein paar Schuhe vor mir, die jemand loswerden will, frage ich mich: „Passt mir dieser Schuh? Ist er mir zu klein? Ist er mir zu groß? Ist es überhaupt der richtige Schuh für den Weg, den ich gehen will?“

Und siehe da: die Schuhprobe fiel überraschend oft negativ aus und ich antwortete: „Nein danke, dieser Schuh passt mir nicht!“. Mir geht es sehr gut damit und diejenigen, die ihre Schuhe loswerden wollen, haben einen nützlichen Idioten weniger, der ihnen ihre Arbeit abnimmt.

Vorschau

Mit Erstaunen (und Amüsement) beobachtete ich in der letzten Zeit meinen Inneren Zauderer, der mich davon abhielt, notwendige Aufgaben anzupacken. Angefangen hatte alles, als ich mich ertappte, wie ich mit Ausreden meine Untätigkeit kaschierte. Ein Lustprogramm für Aufgaben musste her. Mehr dazu ab 20. Mai, hier auf meinem Blog.

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