Personalauswahl mit Bauchgefühl oder Sachverstand?

Die Initiativbewerbung kam gerade recht: fachlich passte der junge Mann perfekt auf die Stelle, die demnächst ausgeschrieben werden sollte. Also lud man ihn zu einem informellen Gespräch ein. Doch sowohl der Chef als auch ein Mitarbeiter konnten sich nicht richtig erwärmen für den Bewerber. Der Eindruck wäre zwar deutlich, aber schwer zu fassen und deshalb solle nun die Personalabteilung über die Einstellung entscheiden. Schlägt Sachverstand wirklich das Bauchgefühl?

Die Auswahl eines Angestellten ist für den Arbeitgeber die Suche nach dem heiligen Gral während der Bewerber den Eindruck hat, nur eine eierlegende Wollmilchsau hätte eine Chance auf den Job. Da gibt es hohe Erwartungen an die fachliche Kompetenz, gepaart mit dem Wunsch nach sozialer Kompetenz und das Ganze natürlich zu einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis. Fachwissen lässt sich leicht abprüfen, doch bei den sozialen Kompetenzen wird es schwierig.

Die Verantwortung wird abgeschobenJeder Bewerber wird sich als „teamfähig“, „leistungsbereit“, „stressresistent“ und „kostenbewusst“ beschreiben. Dem Bewerber saßen der zukünftige Chef und ein zukünftiger Kollege gegenüber. Menschen also, die täglich mit dem Neuen zusammenarbeiten müssen. Sie hatten Zweifel an der Teamfähigkeit des Bewerbers, ohne es genauer beschreiben zu können. Deshalb wurde die Verantwortung abgeschoben an die Personalabteilung. Statt Bauchgefühl sollte Sachverstand die Entscheidung treffen. Die Personaler sind im Alltag jedoch weit weg vom Arbeitsteam.

Das Bauchgefühl, die Intuition, kann wirken, wenn:

  1. es Zeit und Raum gibt. Zwischen „Tür und Angel“, also unter Zeitdruck, lässt sich das Gefühl schwer fassen, da überzeugt ein Sachargument schneller.
  2. Mut vorhanden ist, dem eigenen Empfinden zu trauen. Der Verstand hat einen hohen Stellenwert. Dem ist der Mut entgegen zu setzen, zur Intuition zu stehen.

Wenn zwei Leute unabhängig voneinander ein ähnliches Bauchgefühl haben, dann ist die Entscheidung im Grunde genommen schon getroffen worden. Die Personalabteilung hatte nun die undankbare Aufgabe, diese Entscheidung sichtbar zu machen, abzusegnen und zu vollziehen.

Lassen Sie nicht zu, dass der Lärm fremder Meinungen Ihre eigene innere Stimme übertönt. Und vor allem haben Sie Mut, Ihrem Herzen und Ihrer Intuition zu folgen.

Steve Jobs (1955-2011), Mitgründer und langjähriger CEO von Apple

Share

Wie ich versehentlich ‘mal schwanger war

Die Ankündigung der Elternzeit kam für die Kollegen des IT Helpdesks völlig unerwartet. In vier Wochen beginne der Mutterschutz der schon lang ergrauten Abteilungsleiterin. So stand es in der E-Mail, die die Vergabe von Vertretungsrechten regeln sollte. Und sie fragten sich tagelang, ob es wohl eine Adoption sei, man hätte ja „nichts“ gesehen. Das war auch unmöglich, denn das Kind war nichts anderes als ein Flüchtigkeitsfehler. Wie rettet man Situationen, die im Grunde genommen sehr peinlich sind?

Die Tücken des Büroalltags lauern an jeder Ecke und vor allem in der Bearbeitung von E-Mails. Wer kann nicht ein Lied davon singen, dass zur Weiterleitung bestimmte E-Mails aus Versehen an den Absender zurück geschickt wurden – inklusive deftiger Bemerkungen über dessen Unfähigkeit („Der Depp kann noch nicht mal Zahlen richtig lesen …“). Da wollte man sich beim befreundeten Kollegen durch die Lästerei entlasten und sendet diese stattdessen an den Absender. Peinlicher geht es kaum, es sei denn, man leitet Mails weiter, ohne den Inhalt zu überarbeiten. Abfällige Bemerkungen weiter unten im Text bleiben erhalten oder wichtige Änderungen am Personalpronomen werden vergessen. So wurde die Chefin, die zur Generation 50+ gehört, unverhofft schwanger. Heutzutage ist das mit künstlicher Befruchtung oder Adoption durchaus im Bereich des Möglichen. In Wirklichkeit hatte sie die Detailinfos ihrer schwangeren Mitarbeiterin aber unverändert übernommen, das Kind war ein elektronisches Versehen gewesen.

Zugeben ist besser als leugnenWas tun in solchen Fällen? Humor hat bei dieser ungewollten Schwangerschaft geholfen und die Situation geklärt. Doch wenn aus Versehen offensichtlich wird, wie wenig man von einem Kollegen hält, ist einem nicht nach Lachen zumute. Man kann hoffen, dass die peinliche Offenbarung in der Mailflut des Empfängers untergeht. Spätestens bei der nächsten Begegnung auf dem Flur wird einem aber die Schamesröte im Gesicht stehen. Leugnen wird nichts bringen, also bleibt nur: zugeben und sich erklären.

Der Ärger, der in der Lästerei seinen Kanal gefunden hat, wird seinen guten Grund haben. Wie wäre es, genau den zu benennen? Ganz ohne Anklage? Zum Beispiel so: Sachlich die Situation beschreiben („Als ich Ihren Kommentar las …“), dann das ausgelöste Gefühl schildern („… platzte mir der Kragen, denn ich habe drei Stunden Arbeit in diese Auswertung gesteckt, obwohl andere dringende Termine anstanden …“) und das, was Sie gebraucht hätten („… Ich möchte, dass meine Arbeit Ernst genommen wird …“), schließlich folgt noch ein klarer Wunsch („… und da hätte ich mir gewünscht, dass Sie die Zahlen auch in Ruhe anschauen, bevor Sie sie zurückweisen.“) Nun ist es am Anderen, sich zu erklären. So besteht die Chance, aus einem peinlichen Versehen ein echtes Verstehen zu machen.

Siegreich sein wird jener, der weiß, wann er zu kämpfen hat und wann nicht.

Sun Tsu (ca. 544 – 496 v. Chr., chinesischer General, Militärstratege und Philosoph)

Share

Eine höchst willkommene Kündigung

Der Job war langweilig geworden und es fehlten nicht nur Herausforderungen, sondern auch Perspektiven. Seit mehr als einem Jahrzehnt war die Produktentwicklerin in der Firma, aber schon einige Monate lang strebte ihr Herz in neue Gefilde. Doch sie brachte nicht den Mut auf, selbst zu kündigen. Das nahm ihr der Chef ab und wenn es nicht unschicklich gewesen wäre, hätte sie ihn dafür am liebsten umarmt. Denn er hätte der Angestellten keinen größeren Gefallen tun können, als ihr die Kündigung zu überreichen.

Eine Kündigung zu bekommen, ist normalerweise ein herber Tiefschlag. Besonders, wenn man nicht mehr zur begehrten Generation der jungen, einsatzbereiten und günstigen Nachwuchskräfte gehört. Was also tun, nachdem der Job weg ist? Gleich zum Nächsten! Doch diese Frage stellt sich so für Menschen jenseits der 40 nicht mehr ohne Weiteres, denn sind sie auf dem Arbeitsmarkt ja „die Alten“ (= teuer und unbequem). Zum anderen haben sie in ihrem Leben schon viel erfahren und manches davon wollen sie für die verbliebene Hälfte des Arbeitslebens nicht mehr akzeptieren.

Jubel über die KündigungEine formale Kündigung kann das fehlende Puzzlestück sein, um der „inneren Kündigung“ des Mitarbeiters zur Realität zu verhelfen. Wie sagte der Chef noch? Die neuen Besitzer hätten dem Unternehmen eine neue Strategie verpasst. Und da passe sie mit ihren Aufgaben und Fähigkeiten nicht mehr. Was er nicht wusste: das Unternehmen passte mit seinen Aufgaben und Attitüden auch nicht mehr zur persönlichen Strategie der Produktentwicklerin. Er rannte die sprichwörtlich offenen Türen ein und der „goldene Handschlag“ zur Vermeidung lästiger Arbeitsgerichtsprozesse war das Startkapital für das eigene Unternehmen, das die Produktentwicklerin gründen wollte. Der Rauswurf war ihre Chance, ihre Träume zu verwirklichen und ihre Ziele in Angriff zu nehmen.

Übrigens sehen Chefs manchmal mit Sehnsucht und Neid, wie ehemalige Mitarbeiter zu neuen Horizonten segeln. Aber leider, leider kündigt ihnen niemand, sonst könnten sie auch endlich …

Mein Job.
Ein Albtraum von montags bis mittwochs.
Eine Tragödie von donnerstags bis freitags.
Ein erbärmliches Schauspiel, von mir selbst inszeniert.
Das falsche Stichwort zur falschen Zeit am falschen Ort.
Denn das ist meine Rolle: Ich bin Kolumbus. Ohne Schiff.

Aus der Graphic Novel „Immy and the City” von Mimi Welldirty

Share

Neues wagen mit 35, 45, 55 …

„Habe ich Euch schon erzählt, dass ich meinen Laden aufgebe und daraus ein Restaurant mache?“ Vor einem halben Jahr fielen meine Frau und ich aus allen Wolken, ist doch unsere Freundin schon Ende 50. Aber als wir nun das neu eröffnete Restaurant besuchten, haben wir ein überzeugendes Ergebnis von Lebensenergie erlebt. Trotz oder gerade wegen ihres Alters?

Unabhängig vom Alter öffnen sich TürenEnde Fünfzig kaufen sich manche Menschen ihr letztes Sofa – das letzte, bevor sie sterben. Der zweite Teil des Satzes bleibt unausgesprochen in der Luft hängen. Unsere Freundin plante auch für die vor ihr liegenden Jahren, kam aber zu einem gänzlich anderen Schluss: dass das Leben noch lange nicht Schluss ist. Und dass immer Platz für Neues ist, auch wenn sie mit ihren Kräften haushalten muss. Der Laden bedeutete viele Reisen zu Messen, die setzten ihr immer mehr zu. Doch dank des Restaurants kann sie mehr vor Ort sein und gleichzeitig ihre Freude an schönen Produkten und dem Umgang mit Menschen leben.

Auch Anfang bis Mitte 40 ist ein Alter für einen Neubeginn. Es ist Halbzeit in der Berufstätigkeit, Frauen und Männer können hinter der Elternrolle hervortreten. Das erfordert viel Mut, Altgelerntes und Verlerntes abzuwägen, abzulegen und Neues aufzunehmen. Oft fängt es mit dem Satz an „Was ich schon immer tun wollte …“ und am Ende steht dann mal ein gelaufener Marathon, mal neue Ausbildung oder eine gelebte kreative Leidenschaft. Die Irritationen, die dadurch im unmittelbaren Umfeld ausgelöst werden, lassen sich aushalten.

Oder Mitte 30, nach Ausbildung bzw. Studium und den ersten Berufsjahren, geben manche beispielsweise den sicheren Job für eine lange Reise auf, auf der die Frage lautet: „Was ist wichtiger für mich: der nächste Entwicklungsschritt im Beruf oder in meiner Persönlichkeit?“ Manche haben sich (oder den Eltern, Freunden, Vorgesetzten) genug bewiesen, was sie im Beruf alles leisten können. Neue Länder, neue Sitten kreieren neue Ideen.

Für alle diese Situationen habe ich 2013 Menschen getroffen, die, unabhängig von ihrem Alter, etwas Neues wagten. Und ich bin gespannt, welchen „Neustartern“ ich in diesem Jahr begegnen werde.

„Was immer Du tun kannst oder wovon Du träumst – fange es an. In der Kühnheit liegt Genie, Macht und Magie.“
Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832), Deutscher Dichter

Share

Ich habe größten Respekt vor der Lebensleistung meiner Eltern

Neulich hörte ich folgenden Dialog im Supermarkt: „Was schenken wir denn deiner Mutter zu Muttertag?“ – „Naja, eine Schachtel Pralinen und ein Pfund Kaffee, wie immer.“ Mit einem Augenzwinkern könnte ich das meiner Mutter auch schenken, doch viel mehr möchte ich ihr und meinem Vater Respekt und Anerkennung für ihre Lebensleistung schenken. Denn beides haben sie sich redlich verdient.

Der Muttertag hat für die Blumenhändler eine Sonderstellung, Werbung für Herztonikum aus der Apotheke, Schokoladenherzen oder sogar auch mal für eine Sondergröße eines Waschmittels zu diesem Anlass kenne ich aus meiner Kindheit. Und natürlich die ungeschriebene Regel, die Mutter an jenem Tag zu besuchen. Auf dieses ganze „Brimborium“ legte meine Mutter seit jeher keinen Wert. „Wenn mir das ganze Jahr nicht gedankt wird, kann ich an dem Tag auch drauf verzichten“ sagte sie meiner Schwester und mir. Sie hatte Recht: der Dank gehört in den Alltag. Ein Alltag, den mein Vater und sie sich mühsam erschaffen haben.

Meine Eltern sind einen weiten Weg gegangenMeine Eltern wurden in den letzten Jahren des 2. Weltkriegs geboren, rund 600 Kilometer voneinander entfernt. Sie in der heutigen Tschechischen Republik, damals noch „Sudetenland“ genannt, mein Vater in einer Kleinstadt im Taunus. Mit drei Jahren musste meine Mutter mit ihrer Mutter, Großmutter und ihrem Bruder eine neue Heimat finden. Sie landete in der Stadt meines Vaters, ein streng katholischer Ort, dessen Bewohner die Flüchtlinge geringschätzig aufnahmen. Ein Ort, in dem in den 60er Jahren das Tragen einer Jeansjacke meinen Vater schon zum Rocker machte und der Gottesdienst mit lateinischem Ritus zelebriert wurde. Mein Vater wurde schon früh in die Verantwortung genommen und erzog seine deutlich jüngeren Geschwister. Als er meine Mutter zu Hause vorstellte, tat er es mit den Worten „Das ist das Mädchen, das ich heiraten werde.“ Ein Halbstarker und ein Flüchtlingskind, beide mit zwanzig noch nicht volljährig – das war ungehörig und gehörte verboten. Doch ihre Mischung aus Liebe und Durchsetzungsvermögen durchbrach den Widerstand.

1968 landeten sie dann mit zwei Kleinkindern im Frankfurter Nordend, einem Zentrum alternativer Lebens- und Erziehungsformen. Sie lasen die neuesten Erziehungsratgeber und versuchten erfolgreich, konservativ-katholische Wurzeln mit progressiv-linkem Umfeld zu versöhnen. Das Geld war knapp und die günstige Miete spiegelte sich im schlechten Zustand des Hauses wieder, in dem sie eine Wohnung fanden. Die haben sie dann im wahrsten Sinne des Wortes mit Blut, Schweiß und Tränen zu einem Zuhause gestaltet. Später, als es etwas mehr Geld gab, machten sie Ausflüge und kleine Urlaube mit uns, nahmen uns mit nach Paris, Brüssel, Moskau und gönnten auch sich die eine oder andere kleine Verrücktheit.

Was sie sich in all den Jahren bis heute bewahrt haben, ist ihre Toleranz, die nicht „Frei von Regeln“ bedeutet. Ihre Neugierde, die kein „Trendhopping“ ist. Und ihr Großmut besonders in Situationen, wo jemand wirklich Hilfe benötigt. Wenn ich mir betrachte, wo sie herkamen und wo sie heute mit Anfang 70 stehen, dann kann ich nur den größten Respekt für ihre Lebensleistung haben. Unabhängig davon, ob „Muttertag“ im Kalender steht.

„Unser Leben ist die Geschichte unserer Begegnungen.“
Anton Kner (1911 – 2003, Deutscher Pfarrer und Schriftsteller)

Share

Den Chef mit seinen eigenen Waffen schlagen

Die junge Kollegin hat keine Chance: links ist das Fenster, vor ihr der Schreibtisch, hinter ihr die Wand und rechts – da sitzt ihr Chef. Fast schon auf ihrem Schoß. Und diktiert ihr eine E-Mail in die Tastatur. An Flucht ist nicht zu denken, auch nicht, als er noch rülpst. Sie finden, das klingt erfunden? Nein, leider muss ich Ihnen sagen, das ist der Alltag bei dieser Mitarbeiterin. Sie lässt diese massive Verletzung ihrer Grenzen zu. Wie kommt es eigentlich zu solch einer Situation?

Es ist einfach, in einer solchen Situation dem Chef die Schuld zu geben: „Wie der sich benimmt! Das geht doch gar nicht! Da müsste doch jemand mal eingreifen!“ Dieser jemand ist dann gerne die nächsthöhere Führungsebene oder „die Personalabteilung“. Aber ist es nicht so, dass der Chef nur den Raum ausnutzt, der ihm gewährt wird?

Grenzen ziehen sich nicht von alleineMachtverhältnisse lassen sich gut mit dem Physikunterricht der Mittelstufe erklären. Da wird Mechanik gelehrt und das Prinzip der kommunizierenden Röhren. Wasser verteilt sich gleichmäßig über mehrere Eimer hinweg, wenn diese durch Rohre miteinander verbunden sind. Wasser nimmt sich den Platz, den es braucht. Im Ruhezustand sind die Wasserstände auf einer Höhe.

In der Situation oben sind Angestellte und Chef zwei Eimer, das Wasser ist die Macht. Der Chef drückt nun sein Wasser in den Eimer der Angestellten. Diese setzt keinen Druck dagegen, lässt ihn also gewähren. Warum sollte ein Mensch mit Machtinteresse da freiwillig auf den Raum verzichten, der ihm angeboten wird?

Was wäre nun, wenn die Angestellte ausweicht, also ihren Eimer vergrößert, damit ihr das Wasser nicht mehr bis zum Hals steht? Das gibt dem Chef noch mehr Raum und er kommt vielleicht auf die Idee, Kontrollanrufe zu machen, wenn er auf Geschäftsreise ist und zu verlangen, dass seine Assistentin allzeit verfügbar am Arbeitsplatz auf seine Anweisungen wartet.

Es wird aus meiner Sicht kein Weg daran vorbeiführen, dass die Mitarbeiterin die Gummistiefel anzieht und das Wasser, also die Macht des Chefs, zurückdrängt. Selbstverständlich lässt sich eine Überflutung mit fremder Macht nicht sofort zurückdrängen, aber eine Kombination aus treuer Pflichterfüllung und passivem Widerstand könnte sehr effektiv sein. Chefs mit Kontrollzwang wollen alles genau so erledigt haben, wie sie es sich vorstellen. Das soll ihnen gegönnt sein. Jede noch so unsinnige Anweisung wird genau befolgt. Aber nur im Rahmen der üblichen Arbeitszeit. Dienst nach Vorschrift: alle 15 Minuten notieren, was ich gerade getan habe? Aber gerne! Alleine das Schreiben eines Berichts dauert fünf Minuten. Die Berichte könnten auch mit der einen oder anderen dringenden Frage an den Chef gespickt sein, auf deren Antwort ich als Angestellter bestehe. Er muss also alle Berichte am gleichen Tag lesen. Kombiniert mit dem Arbeitszeitkorridor legt das früher oder später die komplette Arbeit lahm.

„Wer noch niemals anderen Leuten auf die Füße getreten ist, hat sich vermutlich noch niemals von der Stelle bewegt.“ (Franklin P. Jones, Amerikanischer Schriftsteller)

Vorschau

„Und die Jeans hier, die kommt auch zu Oxfam!“ sage ich zu meiner Frau und stopfe sie in die Tüte, zu den anderen Pullovern, Hemden und CDs die ich gekauft habe, obwohl sie mich von Anfang an nicht wirklich überzeugt haben. Jetzt trenne ich mich endlich von ihnen, ich habe auf diese Art sogar schon mal einen Job entsorgt. Was bringt mich dazu, wider besseres Wissen „Ja“ zu etwas zu sagen? Lesen Sie die Antwort und erfahren Sie die Auflösung des Dilemmas. Am 28. April hier auf meinem Blog.

Share

Statt Creme: Das Geheimnis für Schönheit bis ins hohe Alter

„88 Prozent von 67 Testerinnen bestätigen“ „messbare Ergebnisse mit dem Faltenlineal“ und „empfehlen das Wunschvolumen“, das sogar „besser als eine Laser-Session“ ist. Ich habe gerade mal bis Seite 15 einer Frauenzeitschrift geblättert und bin schon vier Werbeanzeigen für Schönheitsprodukte begegnet. Wer blütenrein ist, ist schön – so die gängige Formel. Um die dreckige Arbeit des Verblühens kümmert sich des Teufels Foltermeisterin: die Zeit. Auch wenn mich die Kosmetikindustrie hassen wird, verrate ich Ihnen meine vier Geheimnisse für Schönheit bis ins hohe Alter. Garantiert Cremefrei.

Schoen faltigWenn ich durch die Straßen laufe und in die Gesichter der Menschen schaue, beeindrucken mich die von strahlender Schönheit am meisten. Mit „Schönheit“ meine ich nicht die Elemente des gängigen Gesichtsideals, nein, ich meine eine tiefer liegende Schönheit. Es gibt junge Menschen, die dank glatter straffer Haut scheinbar gut aussehen, die aber hässlich von Angesicht sind, weil sie, kaum dreißig, schon alt, grau und verbittert wirken. Und dann gibt es betagte Menschen, die runzlig und faltig, aber von solcher Schönheit sind, dass mir der Atem stockt.

Der Volksmund sagt, dass jeder ab dreißig für sein Gesicht selbst verantwortlich ist. Die Kosmetikindustrie unterstützt diese Verantwortung mit Haar- und Hautpflegemitteln sowie dekorativer Kosmetik und setzte damit im letzten Jahr alleine in Deutschland 7,2 Milliarden Euro um. Ich bin mir sicher, dass kein einziges dieser Produkte lang anhaltende Schönheit bis ins hohe Alter erschaffen kann. Denn sie laborieren an der Oberfläche, während meiner Meinung nach die Ursachen für wirkliche Schönheit im Innern liegen:

  • Lebensumstände: Bin ich von ihnen umsorgt?
    Dazu gehören Fragen wie: Wo lebe ich? Womit ernähre ich mich (körperlich, geistig, seelisch)? Wer sind meine Familie und Freunde? Was ist meine Arbeit?
  • Lebenshaltung: Sorge ich wirklich für mich?
    Fragen wie: Wie viel Ärger habe ich in mir, wie viel Freude? Ist mein Lebenstempo mir gemäß? Wie groß ist mein Vertrauen in mich? Spüre ich meine Bedürfnisse? gehören zu einer schönheitsfördernden Lebenshaltung.
  • Glück: Was begegnet mir?
    Darauf habe ich einen indirekten Einfluss, denn folgender Satz von Curt Goetz öffnet den Handlungsspielraum: „Man soll die Dinge so nehmen, wie sie kommen. Aber man sollte auch dafür sorgen, dass die Dinge so kommen, wie man sie nehmen möchte.“
  • Gene: Was habe ich mitbekommen?
    Komme ich aus einer Familie, die glücklich im Leben steht? Welcher Teil einer Familiengeschichte bin ich (z.B. Flucht und Vertreibung)? Übersprang eine Erbkrankheit meiner Großeltern eine Generation direkt zu mir? Neueste Forschungen zeigen, dass Gene sich im Laufe des Lebens aufgrund der Lebensumstände beeinflussen lassen.

Ich habe mich dafür entschieden, im Innern anzufangen und das Äußere nicht so stark zu beachten.

Ich habe mich dafür entschieden, mit der Lebenshaltung und den Lebensumständen das Gegebene anzunehmen und zu entwickeln und für mein Glück zu sorgen.

Ich habe mich dafür entschieden, schön faltig zu werden.

Ich freue mich auf die Lachfalten, die mein Gesicht zeichnen werden und schaue, dass Sorgenfalten wenig Chancen haben, sich einzugraben.

Vorschau

Vor kurzem habe ich meine Coachingrechnung aufgegessen und ich muss Ihnen sagen: Selten habe ich so etwas Köstliches im Mund gehabt! Jeder Biss ein Genuss und ein anhaltendes Glücksgefühl, das sich vom Bauch her in mir ausbreitete. Statt Geld zu verlangen hatte ich mich bewirten lassen und dieser Essenslohn war mir mehr wert, als wenn ich mit dem Geld der bezahlten Coachingrechnung ins Restaurant gegangen wäre. Und ich fragte mich: wäre das nicht mal ein alternatives Geschäftsmodell? Der Frage gehe ich am 23. Dezember nach, hier auf meinem Blog.

Share

Da hat doch jemand tatsächlich Spaß auf der Arbeit!

Flughafen Frankfurt, Terminal 1. Kurz vor der Sicherheitskontrolle noch schnell auf die Toilette. Ein fröhliches „Hallo! Guten Tag!“ reißt mich aus meinem Trott. Ich drehe mich um: Die Putzfrau lächelt mich an – die meint das wirklich ernst! Beim Rausgehen wünscht sie mir noch „Guten Flug!“ und ich bin so verdutzt, dass da jemand Spaß auf der Arbeit hat, dass ich sprachlos bin. Wer hat das heute noch: Spaß auf der Arbeit? Ein paar von diesen Menschen möchte ich Ihnen vorstellen.

Die meint das Ernst mit dem Spass bei der ArbeitDas Erschreckende an der obigen Begegnung ist ihre Seltenheit. Hören Sie nicht auch ständig, es sei viel zu viel Arbeit, zu wenige Leute, wie unvorhersehbar die Ereignisse seien und das alles eher schlimmer als besser werden wird? Diese Gespräche, gerne in der Kaffeeküche, ziehen mich in einer Negativspirale nach unten. Doch es gibt da einen Fahrradmechaniker im Frankfurter Ostend, der mich letztens mit einem öligen Händedruck begrüßte und strahlte, als sei die Sonne in seinem Gesicht aufgegangen. Stolz und glücklich übergab er mir mein Fahrrad, frisch gefettet, justiert und bereit, die „nächste Mittelmeerumrundung“ anzugehen. Dieser Mann arbeitet im Souterrain und bei seinen Preisen kann er nicht reich werden. Aber glücklich, das scheint er zu sein.

Es gibt auch eine Architektin, die ihren Job an den Nagel gehängt hat und heute in Frankfurt ein Atelier für köstliche Tartes↗ ihr Eigen nennt. Süße Tartes, herzhafte Tartes, nach französischen Rezepten, denn ihre Mutter kommt aus Frankreich. Davon kann man nicht leben? Nun, es kommt auf die eigenen Ansprüche an. Sie beliefert mit ihrem Bäckerfahrrad Cafés, macht Catering für Veranstaltungen und bietet einen festen Mittagstisch an.

Und dann gibt es noch, versteckt zwischen einem Gewürzhaus und einer Shishabar in der City eine Buchhandlung, die als eine der letzten ihrer Art von einem Inhaber geführt wird↗ und wo Menschen so viel Freude an ihren Büchern und kleinen Geschenkideen haben, dass diese Ausstrahlung eine Atmosphäre schafft, in der ich mich als Kunde wohl fühle und gerne einkaufe.

All diese Menschen haben Spaß auf der Arbeit und wer keinen hat, kann ja mal schauen, was sie oder er von ihnen lernen kann. Ich bin mir sicher – Menschen, die Spaß auf der Arbeit haben, findet jeder. Aber vielleicht nicht dort, wo sie / er sie vermuten würde.

Vorschau

Auf der Zugfahrt zu meinem Patenkind kam ich mit einer Soziologin ins Gespräch, die Langzeitstudien mit Kindern macht, die außerhalb der gesellschaftlichen Norm sind. Das Wort „behindert“ will mir nicht über die Lippen, denn so wie diese Kinder mit ihren körperlichen Einschränkungen umgehen, hinterließ bei mir die Frage, ob ich der tatsächlich „Behinderte“ bin – nämlich in der Wahrnehmung meines Umfeldes. Sie öffnete mir die Augen für eine Welt, in der es kein „Warum?“ gibt. Wie es sich in dieser Welt lebt, erfahren Sie am 25. November, hier auf meinem Blog.

Share

Weg von, hin zu und das Zwischendrin.

„Oh ich habe auf das alles keine Lust mehr! Warum tue ich mir das nur an? Ich will nur weg!“ Ich denke diesen Satz hin und wieder, manchmal platzt er auch richtig aus mir heraus. Schön und gut wenn ich weiß, was ich nicht will. Aber das ist nur die halbe Miete und damit ist die Gefahr groß, dass alles so bleibt, wie es ist.

Mal Hand auf’s Herz: wie oft waren Sie schon „so kurz davor“ in der Firma zu kündigen oder die Partnerschaft zu beenden? „Können die doch alle sehen, wie sie ohne mich klarkommen“. Das erinnert ein wenig an die Ausreißfantasien kleiner Kinder, die sich mit 5,30 Euro Gespartem und mit einem Rucksack voller Kekse auf in die weite Welt machen wollen.

Wegwollen alleine reicht nichtEs wäre allerdings hilfreich, ein Ziel zu haben. Etwas, worauf ich hinarbeiten kann. Auf das ich mich freuen kann. Das all die Mühen lohnt, die das Verlassen des Gewohnten mit sich bringen. Wenn ein Kapitän nicht weiß, an welche Küste er will, ist kein Wind für ihn der Richtige. Ohne Ziel ist die Gefahr sehr groß, einfach im Alten herum zu dümpeln.

Doch was ist, wenn es noch kein Ziel gibt? Dieses „elendige“ Zwischendrin, diese ausgedehnte Zone des verhassten Stillstands? Bei einem Coaching hat neulich eine Frau genau diese Zwischenzeit als „Entwicklung“ bezeichnet. Es würde sich doch gerade entwickeln, wie es weitergeht. Sie wüsste, was sie nicht mehr will, das Neue sei noch nicht klar, das wird sich zeigen und von daher ist das doch kein Stillstand, sondern eine Zeit des Wartens, während sich alles entwickelt. Warten heißt für sie nicht Stillstand. Es ist wie im Labyrinth: ich stehe vor einer Mauer, einer Biegung, aber weil ich im Moment nicht weiß, wo es weiter geht, finde ich auch die Richtung nicht, in die der Weg weitergeht. Aber ich kann darauf vertrauen, dass sich etwas Neues gerade jetzt entwickelt und zum richtigen Zeitpunkt sichtbar wird – wenn ich nur offen dafür bin.

Dass Geduld, Vertrauen und Offenheit nicht ganz oben auf der Liste der Eigenschaften steht, die ich in der Frustration über die aktuelle Situation habe, ist mir schon klar. Aber ich kann es mir wenigstens mal in’s Gedächtnis rufen…

Vorschau

Die Sonne steht an einem wolkenlosen Himmel, das Meer schimmert türkis und die erloschenen Vulkane erheben sich machtvoll am Horizont. Doch statt urlaubsgemäßer Hochstimmung herrscht bei mir Niedergeschlagenheit und ich würde mich am liebsten in eine Ecke verkriechen und heulen. „Schuld“ daran sind zwei Katzen und ein Hund, denen ich am Mittag begegnet bin. Lesen Sie die ganze Geschichte ab dem 29. Juli, hier auf meinem Blog.

Share

Nachhilfeunterricht in Bangladesch

Anfang März begleitete ich eine Gruppe von IKEA Mitarbeitern nach Bangladesch. Dort besuchten wir Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche von Save the Children, die durch eine Spendenaktion unterstützt werden. Statt Betroffenheits-Tourismus erlebte ich, wie ich reich beschenkt nach Hause zurückkehrte. Ich hatte Nachhilfeunterricht in der Schule des Lebens bekommen.

Bangladesch: eines der ärmsten Länder der Welt, rund acht Millionen Kinderarbeiter und Überschwemmungen in der Monsunzeit, Malariagebiete und hohe Tollwutrate, Slumviertel und zahllose Textilfabriken – was wir über das Land zwischen Indien und Myanmar (Birma) wissen, klingt eher nach Depression als nach Inspiration. Stattdessen landete ich mitten in einem emsigen Bienenstock, in dem die Menschen mit allen Mitteln versuchten, die Schwächen der Infrastruktur und die Probleme der Wirtschaft auszugleichen, um ihr Glück zu machen. Bunt wie Indien mit einer Melange aus hinduistischer Prägung und tolerantem Islam entzieht sich Bangladesch einfachen Urteilen.

Wir fuhren in die Berge bei Khagrachari↗, um dort Vorschul- und Grundschulprojekte zu besuchen. Irgendwann wurde mir klar, dass ich auf der Landstraße in der letzten Stunde jede Minute eine Gruppe oder Paare von Schulkindern gesehen habe, die in adretten Schuluniformen, die Bücher unter den Arm geklemmt, mit Stolz und Freude kilometerweit zur Schule laufen. Da in dieser Region traditionelle Stammessprachen gesprochen werden, lernen die Kinder in der Vorschule ihre eigene Sprache zu lesen und zu schreiben und parallel die offizielle Landessprache Bangla, die in den weiterführenden Schulen unterrichtet wird. Bildung, das wird schnell klar, ist der einzige Weg, um aus dem Teufelskreis Armut – keine Schule – keine qualifizierte Arbeit – Armut herauszukommen.

In der Hauptstadt Dhaka trafen wir Jugendliche, die neben ihrer Arbeit in Haushalten, Fabriken oder Läden eine Schulausbildung und eine Berufsausbildung machten. Durch diese Qualifizierung bekamen sie einen anständig bezahlten Job oder machten sich selbständig. Ich rede hier von Kindern, die arbeiten mussten, weil ihre Familien auf die Einkommen angewiesen waren, die sich aber quasi am eigenen Schopf aus der Armut herauszogen und eine langfristig stabile Perspektive aufbauten. Als Deutscher ist man schnell geneigt, moralisch überheblich zu werden und solche Projekte als „Tropfen auf den heißen Stein“ zu bezeichnen. Dort, in Bangladesch, ist die Schule, die Berufsausbildung für die Kinder ein „Sechser im Lotto“. Dass ein Prozent der Straßenkinder sogar einen Universitätsabschluss schaffen, zeigt das enorme Potential, das in den Kindern liegt.

Und dann ist da noch das Selbstwertgefühl. Das steigt automatisch durch das Lernen, durch die Entwicklung. Kinder verwalten einen Freizeitclub selbst und setzen sich persönlich für die Kinderrechte bei Firmen und Dienstherren ein, wenn sie erfahren, dass Kinder schlecht behandelt wurden.

Bangladesch beschenkte mich reichNach fünf Tagen in Bangladesch fühle ich mich reich beschenkt:

  • Mit der unbändigen Freude und Energie am Lernen, die die Kinder haben.
  • Mit Respekt vor ihrer Leistung und ihrem Willen.
  • Mit selbstgemachten Geschenken, die von Herzen kamen und die wertvollsten Teile meines Reisegepäcks wurden.
  • Mit Demut und Dankbarkeit für meine privilegierte Lebensumstände.
  • Und mit der Erkenntnis, dass es immer irgendwie weiter geht, auch wenn die Umstände / Straßen / Finanzen wie unüberwindbare Hindernisse wirken.

Wer mehr über die Reise wissen will, kann in einem Blog der IKEA Foundation↗ nachlesen. Wer sich engagieren will, schreibe mir eine E-Mail.

Vorschau

Bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen werden intimste Geheimnisse offenbar. Ich meine weder den Inhalt des Kulturbeutels noch Wäschedetails, sondern die persönlichen Dinge, die Menschen auf eine Reise mitnehmen. Warum mag wohl ein gestandener Geschäftsmann einen Teddybären in seinem Samsonite Rollkoffer dabei haben? Mehr dazu am 31. März, hier in meinem Blog.

Share