{"id":1444,"date":"2018-01-14T20:00:26","date_gmt":"2018-01-14T19:00:26","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1444"},"modified":"2018-01-14T20:08:45","modified_gmt":"2018-01-14T19:08:45","slug":"der-mythos-vom-multitasking","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1444","title":{"rendered":"Der Mythos vom Multitasking"},"content":{"rendered":"<p>Als er an der Ampel stand, schaute er dem Stra\u00dfenk\u00fcnstler beim Jonglieren zu. Scheinbar m\u00fchelos hielt der f\u00fcnf B\u00e4lle gleichzeitig in der Luft und er fragte sich: wie viele B\u00e4lle, also Aufgaben, er gerade gleichzeitig jonglierte. Weniger oder mehr als 50?<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float: right; width: 260px; height134px; margin-left: 25px; margin-bottom: 10px; margin-top: 4px;\" src=\"http:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/mythosmultitasking260x134.gif\" alt=\"Zu viele B\u00e4lle in der Luft halten\" \/>Eine der modernen Selbstverbesserungsklassiker ist seit vielen Jahren das Multitasking, also die angebliche F\u00e4higkeit, mehrere Dinge gleichzeitig erledigen zu k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich spart das Zeit, ist also effizient, weil dieses knappe Wirtschaftsgut optimal ausgenutzt wird. Und bei den Besten \u2013 zu denen jeder geh\u00f6ren kann, der die in den Bestsellern vorgeschlagenen Tipps befolgt \u2013 ist die Effizienz mit Effektivit\u00e4t gepaart. Sie arbeiten also zudem auch noch wirkungsvoll. Ein Traum f\u00fcr alle Wirtschafts\u00f6konomen. Aber nur f\u00fcr die kurzsichtigen unter ihnen.<\/p>\n<p>Denn auch nach Millionen Jahren der Evolution ist der Mensch lediglich mit einem Gehirn ausgestattet. Das Multitasking-Denken wird vor allem von der Informationstechnologie inspiriert. Deren Evolution brauchte aber auch gute sechzig Jahre, bis dann 2001 der erste Mehrkernprozessor vorgestellt wurde. Erst zwei oder mehr Denkkerne in einem Elektronengehirn machten echtes Multitasking m\u00f6glich. Davor wurde es lediglich simuliert: die anstehenden Aufgaben wurden in kleine H\u00e4ppchen geteilt und in schneller Abfolge werden diese H\u00e4ppchen nacheinander abgearbeitet: Teil 1 von Aufgabe A, dann Teil 1 von Aufgabe B bevor dann der zweite Teil von Aufgabe A an der Reihe ist. F\u00fcr den Au\u00dfenstehenden war dieses sequenzielle Abarbeiten scheinbar parallel: der Mythos vom Multitasking war geboren.<\/p>\n<p>Doch dieses M\u00e4rchen hatte seine Auswirkung auf das menschliche Leben. Frauen seien besonders zum Multitasking in der Lage und die M\u00e4nner sollten es besser auch lernen, um nicht abgeh\u00e4ngt zu werden. Wer jedoch viele Aufgaben parallel zu erledigen versucht, wird schneller erm\u00fcden, als wenn er sie nacheinander erledigt. Denn jeder Zwischenstand der Aufgabe muss im Ged\u00e4chtnis behalten werden, man muss sich bei jedem Wechsel neu in das Thema hinein versetzen und vom letzten Stand aus weiterarbeiten. Jeder kennt diese Situation, wenn er mit einem Servicecenter telefoniert und der Mensch am anderen Ende der Leitung erst nachlesen muss, was bisher geschah.<\/p>\n<p>Wer sich also am Ende eines Arbeitstages m\u00fcde f\u00fchlt und sich vorwirft, nichts geschafft zu haben, ist vielleicht ein Opfer des Multitasking. Ich empfehle eine Strichliste zu machen: W\u00e4hrend der Arbeit einen Strich zu machen f\u00fcr jedes Thema, in das man sich hineindenken musste, seien es nur zwei Minuten oder eine halbe Stunde. Und am Abend einfach z\u00e4hlen, wie viele Striche zusammen gekommen sind. Dann wei\u00df man, warum man vor lauter Multitasking keine Aufgabe gel\u00f6st bekommen hat.<\/p>\n<blockquote><p>Wenn man Tag und Nacht und sieben Tage in der Woche hinter der Revolution herackert, da wei\u00df man nach sieben Jahren nicht mehr, was Wahn und was Wirklichkeit ist.<\/p><\/blockquote>\n<p>Joschka Fischer (*1948, deutscher Politiker)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als er an der Ampel stand, schaute er dem Stra\u00dfenk\u00fcnstler beim Jonglieren zu. Scheinbar m\u00fchelos hielt der f\u00fcnf B\u00e4lle gleichzeitig in der Luft und er fragte sich: wie viele B\u00e4lle, also Aufgaben, er gerade gleichzeitig jonglierte. Weniger oder mehr als 50? Eine der modernen Selbstverbesserungsklassiker ist seit vielen Jahren das Multitasking, also die angebliche F\u00e4higkeit, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[31,16],"class_list":["post-1444","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-work","tag-abgrenzschu","tag-selbstbashing"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1444","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1444"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1444\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1451,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1444\/revisions\/1451"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1444"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1444"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1444"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}