{"id":1520,"date":"2018-06-03T11:30:13","date_gmt":"2018-06-03T09:30:13","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1520"},"modified":"2018-06-03T12:13:34","modified_gmt":"2018-06-03T10:13:34","slug":"schwache-ist-eine-frage-des-kontexts","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1520","title":{"rendered":"Schw\u00e4che ist eine Frage des Kontexts"},"content":{"rendered":"<p>Sie qu\u00e4lte sich durch die Pr\u00fcfungszeit: Texte lesen, Inhalte erfassen und dann in einer Hausarbeit strukturiert wiedergeben, das war nicht ihre St\u00e4rke. Sie konnte gut mit Kindern umgehen und schnell ihr Vertrauen gewinnen, doch f\u00fcr ihren P\u00e4dagogen-Job brauchte sie nun mal diesen Hochschulabschluss. Kann man an seinen Schw\u00e4chen scheitern, so dass man seine St\u00e4rken nicht einsetzen kann?<\/p>\n<p>Jede Lebensform hat ihre St\u00e4rken und Schw\u00e4chen, beides sind zwei Seiten der gleichen Medaille namens \u201eTalente und F\u00e4higkeiten\u201c. Ein Lavendel vertr\u00e4gt k\u00fchles und feuchtes Klima nicht, daher ist er nicht in Irland zu finden. Ein Pinguin kann W\u00e4rme und ausgedehnte Sandstr\u00e4nde nicht vertragen, deshalb lebt er nicht in der Karibik. Denn konsequent sind die Schw\u00e4chen an dem einen Ort die St\u00e4rken an einem anderen: das trockene und hei\u00dfe Klima S\u00fcdfrankreichs ist f\u00fcr den Lavendel ebenso ideal wie arktische K\u00e4lte und das raue Meer f\u00fcr den Pinguin.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float: right; width: 260px; height: 120px; margin-left: 25px; margin-bottom: 10px; margin-top: 4px;\" src=\"http:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/schwaechenueberwinden260x120.gif\" alt=\"Schw\u00e4chen \u00fcberwinden f\u00fcr das Ziel\" \/>Den Menschen geht es wie den Leuten: eine vorgebliche Schw\u00e4che ist \u2013 nur in einem anderen Zusammenhang betrachtet \u2013 eine St\u00e4rke. Ich habe in meinem Zivildienst mit blinden Menschen zusammengearbeitet. Weil sie den Sehsinn nicht zur Verf\u00fcgung hatten, konnten sie mit gut trainiertem Geruchssinn die B\u00e4ckerei riechen lange bevor ich sie sah. Und sie wussten, dass wir gerade an einer Hecke vorbeiliefen, weil der Klang unserer Schritte ihnen zeigte: das hier ist keine Mauer. Ein Mensch, dem es schwer f\u00e4llt, Texte zu lesen oder Zahlen zu erfassen, nimmt ganz andere Informationen auf: Mimik, Gestik und Schwankungen in der Stimme. So bekommen sie viel mehr die Gef\u00fchlslage des Gegen\u00fcbers mit als ein Mensch, der auf das geschriebene Wissen fixiert ist. Menschen, denen es an empathischem Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen fehlt und klare Strukturen lieben, sind ein Gewinn f\u00fcr alle technisierten und prozessorientierten Aufgaben.<\/p>\n<p>So lassen sich die Schw\u00e4chen ins Gegenteil verkehren, wenn ich den Betrachtungspunkt und den Kontext \u00e4ndere. Dass es auf dem Weg zum idealen Lebensumfeld Abschnitte gibt, wo ich meine Schw\u00e4chen trotzdem einsetzen muss, ist wie ein Regenperiode f\u00fcr den Lavendel: auszuhalten.<\/p>\n<blockquote><p>Man wei\u00df nie, vor welchem gr\u00f6\u00dferen Ungl\u00fcck einen das Pech bewahrt hat.<\/p><\/blockquote>\n<p>Cormac McCarthy (*1933, US-amerik. Schriftsteller)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie qu\u00e4lte sich durch die Pr\u00fcfungszeit: Texte lesen, Inhalte erfassen und dann in einer Hausarbeit strukturiert wiedergeben, das war nicht ihre St\u00e4rke. Sie konnte gut mit Kindern umgehen und schnell ihr Vertrauen gewinnen, doch f\u00fcr ihren P\u00e4dagogen-Job brauchte sie nun mal diesen Hochschulabschluss. 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