{"id":1556,"date":"2018-10-14T23:15:27","date_gmt":"2018-10-14T21:15:27","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1556"},"modified":"2018-10-14T23:21:01","modified_gmt":"2018-10-14T21:21:01","slug":"so-gelingt-die-geruchtekuche","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1556","title":{"rendered":"So gelingt die Ger\u00fcchtek\u00fcche"},"content":{"rendered":"<p>Im Unternehmen blieb wohl kein Stein mehr auf dem anderen. Eine Umstrukturierung machte die Runde, ganze Betriebsteile sollen geschlossen werden. Doch offiziell war das alles nicht. Die Chefetage war abgetaucht und die Mitarbeitenden waren ratlos: welchem der Ger\u00fcchte sollten sie denn nun glauben?<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig vom Alter eines Unternehmens gibt es immer wieder Anpassungen der Strategien, Strukturen und Personalst\u00e4rke. F\u00fcr die Betroffenen ist das eine Zeit der Unsicherheit, denn schlie\u00dflich h\u00e4ngen Familien, Wohnorte und Zukunftspl\u00e4ne daran, ob es weiterhin einen Job gibt oder nicht. Also ist der Informationsbedarf in der Belegschaft hoch, w\u00e4hrend in der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Informationswille niedrig ist: Zum einen will sich keiner in die Karten schauen lassen. Zum anderen sind viele Fakten auch noch nicht klar. Diese ergeben sich erst im Laufe des Prozesses.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float: right; width: 260px; height: 234px; margin-left: 25px; margin-bottom: 10px; margin-top: 4px;\" src=\"http:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/geruechtekueche260x234.gif\" alt=\"In der Ger\u00fcchtek\u00fcche brodelt es\" \/>Doch wer die Ger\u00fcchtek\u00fcche richtig hochkochen lassen will, f\u00e4ngt an dieser Stelle an mit Informationen zu geizen, macht sich rar und bleibt alles in allem im unnahbaren Ungef\u00e4hren. Das kann auch als Illoyalit\u00e4t gegen\u00fcber den Angestellten interpretiert werden. So entsteht ein leerer Raum voll entt\u00e4uschter Erwartungen. Dieser Raum beginnt sich langsam mit Ger\u00fcchten zu f\u00fcllen. Bei diesen Ger\u00fcchten ist oft weniger der Inhalt interessant, als das, was mittlerweile f\u00fcr m\u00f6glich oder wahr gehalten wird: \u201eDie ganze Personalabteilung hat Rechtsschutzversicherungen abgeschlossen!\u201c, \u201eJeder muss sich auf seine Stelle erneut bewerben!\u201c, \u201eEs werden 25 Prozent von uns entlassen!\u201c Egal, ob sich das als richtig herausstellen wird, die Qualit\u00e4t der Ger\u00fcchte sagt viel \u00fcber die Stimmung im Unternehmen aus.<\/p>\n<p>\u201eWir k\u00f6nnen doch noch gar nichts sagen. Denn es ist noch nicht fertig geplant \/ entschieden \/ genehmigt.\u201c Mit diesem Argument wird oft der Wunsch nach Gespr\u00e4chen zur\u00fcckgewiesen. Dabei verlangt auch die Belegschaft nicht nach ultimativen Fakten. Bl\u00f6d sind die Angestellten ja nicht (sonst w\u00e4ren sie auch nicht eingestellt worden), jeder wei\u00df, dass sich im Laufe der Umstrukturierung neue Dinge ergeben k\u00f6nnen. Gleichzeitig gilt: Je l\u00e4nger die Unsicherheit, desto gr\u00f6\u00dfer die Entt\u00e4uschung und desto h\u00f6her die Gefahr, dass gerade jene freiwillig k\u00fcndigen, die doch eigentlich f\u00fcr die Zukunft gebraucht werden. Und eine demoralisierte Mitarbeiterschaft muss sp\u00e4ter m\u00fchevoll wieder an Bord geholt werden. Daher sollte es doch wenigstens ein Dialogangebot geben.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen Dialog, in dem ich als Angestellter sagen kann, was das Ganze mit mir macht, mit meiner Familie, mit meinen Zukunftspl\u00e4nen. Ein Dialog, in dem die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung oder von ihr beauftragte Personen vor allem zuh\u00f6ren, Verst\u00e4ndnis zeigen und die Stimmung aufnehmen. Ein Dialog, der entlastet, alleine dadurch, dass er stattfindet. Dieser Dialog ist prozessorientiert, nicht l\u00f6sungsorientiert. Wer fertige L\u00f6sungen verlangt oder anbieten will, untersch\u00e4tzt die motivierende Kraft des Zuh\u00f6rens und Miteinander-Redens. Denn wer wei\u00df, wen ich von einer K\u00fcndigung abhalte und welch gute Ideen in einem solchen Gespr\u00e4ch entstehen k\u00f6nnen \u2013 zu beiderseitigem Nutzen.<\/p>\n<blockquote><p>Man kann nicht nicht kommunizieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Paul Watzlawick (1921 \u2013 2007, \u00f6sterreichisch-amerikanischer Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeut, Soziologe, Philosoph und Autor)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Unternehmen blieb wohl kein Stein mehr auf dem anderen. Eine Umstrukturierung machte die Runde, ganze Betriebsteile sollen geschlossen werden. Doch offiziell war das alles nicht. Die Chefetage war abgetaucht und die Mitarbeitenden waren ratlos: welchem der Ger\u00fcchte sollten sie denn nun glauben? 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