{"id":1618,"date":"2019-01-20T20:45:50","date_gmt":"2019-01-20T19:45:50","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1618"},"modified":"2019-01-20T20:54:14","modified_gmt":"2019-01-20T19:54:14","slug":"mit-60-immer-noch-ein-kind","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1618","title":{"rendered":"Mit 60 immer noch ein Kind"},"content":{"rendered":"<p>Der Vater war immer wackeliger auf den Beinen. Auch wenn er sich in ihrem Haus selbst versorgen konnte, war es absehbar, dass er bald mehr Unterst\u00fctzung brauchte. Das brachte den Sohn in Gewissenskonflikte. Obwohl er sein eigenes Leben hatte, f\u00fchlte er sich bei ihm immer noch wie der kleine Pimpf, der er schon lange nicht mehr war. W\u00fcrde das denn nie enden?<\/p>\n<p>Die Eltern sind die pr\u00e4gendste und langfristige Beziehung in unserem Leben, mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringen kann. Nach kindlichen Trotzphasen und revoltierender Pubert\u00e4t gehen die Kinder aus dem Elternhaus, um ihr eigenes Leben in die Hand zu nehmen. Und gleichzeitig kann es dieses s\u00fc\u00dfe Gef\u00fchl der Vertrautheit geben, wenn bei Besuchen \u201ezu Hause\u201c bei den Eltern das Lieblingsessen aus der Kindheit auf dem Tisch steht, ein liebgewonnenes Ritual wie das gemeinsame Schm\u00fccken des Weihnachtsbaums zelebriert wird oder die Eltern einfach tr\u00f6stend in einer Krise zur Seite stehen. Doch sp\u00e4testens beim Satz \u201eDu bist doch unser M\u00e4dchen\/Bub!\u201c stellen sich der Fondsmanagerin, dem Lehrer oder den schon selbst Eltern gewordenen Kindern die Nackenhaare auf. Werden die Eltern auch noch selbst hilfsbed\u00fcrftig, scheint es, als w\u00fcrden sich die Rollen gerade vertauschen. Die Alten werden zum Kind, die Kinder zu den Eltern und alle sind damit \u00fcberfordert.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float: right; width: 320px; height: 185px; margin-left: 25px; margin-bottom: 10px; margin-top: 4px;\" src=\"http:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/mit60nochkind1_320x185.gif\" alt=\"Ungekl\u00e4rte Vergangenheit st\u00f6rt die Gegenwart\" \/>In dieser f\u00fcr alle neuen Zeit kommen leicht alte Konflikte an die Oberfl\u00e4che, Rechnungen wollen beglichen werden, denn es gibt Verletzungen auf beiden Seiten: das Gef\u00fchl, nicht genug Liebe und Anerkennung bekommen zu haben, nicht verheilte Wunden von Streitereien oder Entt\u00e4uschungen \u00fcber den jeweiligen Lebensweg des anderen. Wer will sich schon mit 60 noch f\u00fchlen wie ein Grundschulkind, das Angst vor einem autorit\u00e4ren Elternteil oder eine ungestillte Sehnsucht nach Geborgenheit hat? Jetzt, wo die Vorgeneration die 80 \u00fcberschritten hat, l\u00e4sst sich dieses kindliche Bed\u00fcrfnis nicht mehr stillen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; width: 320px; height: 190px; margin-right: 25px; margin-bottom: 10px; margin-top: 4px;\" src=\"http:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/mit60nochkind2_320x190.gif\" alt=\"Manchmal werden Besuche zur Qual\" \/>Das ist eine denkbar schlechte Basis f\u00fcr den Umgang mit dem Altern der Eltern. Und je weniger die Kinder sich bisher von ihren Eltern abgegrenzt haben, um so st\u00e4rker k\u00f6nnen die Konflikte werden. Pl\u00f6tzlich ist das schlechte Gewissen des \u201eundankbaren Rabenkindes\u201c die Richtschnur des Handelns und nicht mehr der freie Wille. So manches Kind w\u00fcrde aus innerer Not am liebsten fliehen und den Kontakt in die Ursprungsfamilie abbrechen.<\/p>\n<p>Dabei kann das Verh\u00e4ltnis zwischen Eltern und Kindern immer wieder neu verhandelt werden. Man mag es als \u201egegenseitige Abh\u00e4ngigkeit\u201c interpretieren, doch die Eltern-Kind-Beziehung ist vor allem durch \u201eBezogenheit\u201c definiert: \u201eIch bin, weil Du bist!\u201c kann die Grundlage f\u00fcr eine gesunde Balance zwischen Verbundenheit und Abgrenzung sein. <img decoding=\"async\" style=\"float: right; width: 260px; height: 231px; margin-left: 25px; margin-bottom: 10px; margin-top: 4px;\" src=\"http:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/mit60nochkind3_260x231.gif\" alt=\"Gemeinsamkeiten sind ein starkes Fundament\" \/>Der Blick auf die gemeinsam gelebten Werte kann dabei das Fundament st\u00e4rken: verdanke ich meine Neugierde meinen Eltern? Mein Humor? Meine Freude an der Kunst? Meine handwerklichen F\u00e4higkeiten? K\u00f6nnte ich daf\u00fcr \u201eDanke!\u201c sagen anstatt auf dem Verpassten und Verlorengegangenen zu bestehen? Und was w\u00e4re, wenn wir jetzt gegen Ende der gemeinsamen Zeit nur das Spezifische machen, das nur durch mich als Kind und Dich als Vater\/Mutter m\u00f6glich ist? Alles andere, vom Einkaufen \u00fcber Haushalt und Pflege kann von Dienstleistern \u00fcbernommen werden. Denn f\u00fcr diese T\u00e4tigkeiten braucht es nicht die besondere Eltern-Kind-Beziehung.<\/p>\n<blockquote><p>Au\u00dfer Schie\u00dfen, Hunden und Rattenfangen hast Du nichts im Kopf; Du wirst noch zur Schande f\u00fcr Dich selbst und Deine ganze Familie.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Vater von Charles Darwin zu seinem Sohn<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Vater war immer wackeliger auf den Beinen. Auch wenn er sich in ihrem Haus selbst versorgen konnte, war es absehbar, dass er bald mehr Unterst\u00fctzung brauchte. Das brachte den Sohn in Gewissenskonflikte. 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