{"id":1631,"date":"2019-02-17T18:30:16","date_gmt":"2019-02-17T17:30:16","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1631"},"modified":"2019-02-17T18:39:59","modified_gmt":"2019-02-17T17:39:59","slug":"befreiung-aus-einem-selbstgebauten-gefangnis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1631","title":{"rendered":"Befreiung aus einem selbstgebauten Gef\u00e4ngnis"},"content":{"rendered":"<p>Die Abschiedsrede der Kollegin fiel kurz aus: \u201eDas Leben ist zu kurz f\u00fcr sp\u00e4ter!\u201c Damit traf sie den Nerv vieler Anwesenden, denn im Anschluss gab es viele Gespr\u00e4che, die alle um die gleiche Frage kreisten: \u201eWelchen Spielraum habe ich f\u00fcr mein Handeln, auch wenn es scheinbar keinen gibt?\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float: right; width: 320px; height: 1013px; margin-left: 25px; margin-bottom: 10px; margin-top: 4px;\" src=\"http:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/selbstgebautesgefaegnis320x1013.gif\" alt=\"Das eigene Leben aus der Hand geben\" \/>So manche Lebenssituation scheint verfahren zu sein. Auf der Arbeit sieht es so aus, als ob es keine Entwicklungsm\u00f6glichkeiten mehr g\u00e4be, alle Wege nach oben oder vielleicht auch in eine andere Abteilung sehen versperrt aus. In der Beziehung ist scheinbar alles gesagt, alles ausprobiert worden und die Partner f\u00fchlen sich ungl\u00fccklich aneinander gekettet. Von einem Freund\/einer Freundin h\u00f6re ich immer nur die gleiche Leier \u00fcber das ungerechte Leben, das einfach nur Pech und Schwefel bereit halten w\u00fcrde. Kurz und gut: Alles ist grau und schwarz und man nehme am besten einen Strick und erschie\u00dfe sich.<\/p>\n<p>Allen Beispielen gleich ist der Eindruck, einer Situation hilflos ausgeliefert zu sein. Es (was immer dieses \u201ees\u201c auch ist) macht etwas mit mir und ich bin zu arm an Kraft und M\u00f6glichkeiten, um selbst etwas zu tun. Willf\u00e4hrige Opferhaltung ist manchmal das Mittel der Wahl, um mit komplizierten und komplexen Situationen fertig zu werden. Diese Opferhaltung vereinfacht das Leben: Ich bin nicht verantwortlich f\u00fcr mein Leben, weil nicht ich Regie im Film meines Lebens f\u00fchre. Es ist der Weltengeist, der Partner, der Chef, etc. Weil der so ist, wie er ist, bin ich an der Entfaltung meiner M\u00f6glichkeit gehindert. Ich k\u00f6nnte mein Ziel erreichen, wenn \u2013 ja wenn der Weltengeist, der Partner, der Chef, etc. nur anders w\u00e4re! Die Schuld liegt daher nie bei mir selbst, sondern immer bei Dritten.<\/p>\n<p>Dabei \u00fcbersehe ich, was ich tats\u00e4chlich tun k\u00f6nnte. Einmal angenommen, ich bek\u00e4me den Auftrag, einen neuen K\u00fchlschrank zu entwickeln. Der einfachste Weg w\u00e4re dieser: ich recherchiere die Standardma\u00dfe und die technischen Vorgaben. Daraus denke ich mir dann in diesem freiwillig eingeschr\u00e4nkten Rahmen einen neuen K\u00fchlschrank aus. Wenn ich jedoch einmal versuche, eine Stufe tiefer zu gehen, dann w\u00e4re die erste Frage: \u201eWas muss ein K\u00fchlschrank k\u00f6nnen?\u201c. Er muss Lebensmittel frisch halten. Das kann auf diese und jene Arten erfolgen, die jeweils ganz andere Voraussetzungen brauchen und vor allem ganz unbekannte Dimensionen der Umsetzung erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float: right; width: 320px; height: 461px; margin-left: 25px; margin-bottom: 10px; margin-top: 4px;\" src=\"http:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/selbstgebautesgefaegnis320x461.gif\" alt=\"Meister*in des eigenen Lebens werden\" \/>\u00dcbertragen auf mein Leben w\u00e4ren tiefergehende Fragen zum Beispiel: Welche Dinge, die mich einschr\u00e4nken und die ich als gegeben hinnehme, sind wirklich unver\u00e4nderlich? Worauf k\u00f6nnte ich verzichten, sei es auch nur vor\u00fcbergehend? Was wollte ich schon immer mal in mir leben, mit mir erreichen? Was sind meine absoluten Grenzen?<\/p>\n<p>Diese Fragen weiten den Horizont und lenken den Blick auf bisher nicht wahrgenommene Freiheiten. Sie k\u00f6nnen mich aus meiner passiven Haltung herausholen und mich aktiv werden lassen. Manchmal steht am Ende der \u00dcberlegungen eine K\u00fcndigung, manchmal eine Scheidung, manchmal vielleicht aber auch ein Projektauftrag oder ein neuer Umgang in der Partnerschaft.<\/p>\n<p>Ich werde Meister*in meiner Geschicke, wenn ich mich meine Opferhaltung aufgebe.<\/p>\n<blockquote><p>Man kann die eigenen Grenzen nur feststellen, indem man sie gelegentlich \u00fcberschreitet. Das gilt f\u00fcr jene, die man sich selbst setzt, ebenso wie f\u00fcr jene, die einem andere setzen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Josef Broukal (*1946, \u00f6sterreichischer Journalist)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Abschiedsrede der Kollegin fiel kurz aus: \u201eDas Leben ist zu kurz f\u00fcr sp\u00e4ter!\u201c Damit traf sie den Nerv vieler Anwesenden, denn im Anschluss gab es viele Gespr\u00e4che, die alle um die gleiche Frage kreisten: \u201eWelchen Spielraum habe ich f\u00fcr mein Handeln, auch wenn es scheinbar keinen gibt?\u201c So manche Lebenssituation scheint verfahren zu sein. 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