{"id":1719,"date":"2019-10-06T18:00:06","date_gmt":"2019-10-06T16:00:06","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1719"},"modified":"2019-10-06T18:15:05","modified_gmt":"2019-10-06T16:15:05","slug":"das-schwarze-schaf-der-familie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1719","title":{"rendered":"Das schwarze Schaf der Familie"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Familiengeburtstage liefen schon immer so ab: Kaffee,\nKuchen, Kartoffelsalat, W\u00fcrstchen, Bier und Schnaps bis zur v\u00f6lligen\nTrunkenheit der G\u00e4ste. Alle machten mit, bis auf einen Cousin, der eisern\nn\u00fcchtern blieb. Er war halt der Sonderling und manch einer fragte sich: \u201eDer\nist so anders, geh\u00f6rt der \u00fcberhaupt zur Familie?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aus guten Gr\u00fcnden gibt es bei Herdentieren bei jeder\/jedem Individuum die Tendenz, sich anzupassen. Auch Menschen sind Herdentiere. Wer zur Gruppe geh\u00f6rt, ist bei einem Angriff gesch\u00fctzter, kann auf Anerkennung oder Unterst\u00fctzung hoffen und gew\u00e4hrt im Gegenzug Hilfe f\u00fcr andere Gruppenmitglieder. Dazu passt man sich einander an, allzu gro\u00dfe Abweichungen im Verhalten oder Aussehen werden vermieden. <\/p>\n\n\n\n<p>Doch pers\u00f6nliche Vorlieben oder Eigenschaften lassen sich nicht beliebig glattschleifen und so entsteht mitunter Ausgrenzung. \u201eDas ist das schwarze Schaf in unserer Familie\u201c kann genauso gut f\u00fcr die einzige studierte Person im b\u00e4uerlichen Familienkreis gelten wie f\u00fcr die einzige Handwerkskraft im akademischen Umfeld; den einzigen Vegetarier im Metzgersclan oder die Oldtimerfreundin in der \u00d6ko-Kommune.<\/p>\n\n\n\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float:right; width:320px; height:210x; margin-left:25px; margin-bottom:10px; margin-top:4px;\" src=\"http:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/schwarzesschaf320x210.gif \" alt=\"Als schwarzes Schaf l\u00e4sst es sich gut leben\"><p>Diese Individualisten, diese \u201enicht Passenden\u201c stehen vor\neiner schweren Entscheidung: beuge ich mich dem Gruppendiktat um den hohen\nPreis, dass ich mich innerlich \u201efalsch\u201c f\u00fchle, meine W\u00fcnsche, Talente oder\nSehns\u00fcchte unterdr\u00fccke \u201eum des lieben Friedens willen\u201c? Oder trage ich den\nKonflikt nach au\u00dfen, anstatt ihn in mir selbst auszutragen? Manchmal kann man\nsich einfach nicht passend machen. Und aus einem Trotz heraus kann eine mutige\nEntscheidung entstehen: \u201eWenn ihr mich sowieso anders wollt, dann bin ich eben\nanders \u2013 aber so, wie ich will und nicht so, wie Ihr es wollt!\u201c Denn die Leute\nreden sowieso, egal was ich mache. Als schwarzes Schaf nehme ich mir daher Freiheiten\nheraus, von denen die anderen nur tr\u00e4umen. So l\u00e4sst es sich prima leben!<\/p><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Weg, zu sich und zur eigenen Individualit\u00e4t zu stehen, kann auch einen Preis fordern: den des Ausschlusses aus der Gemeinschaft. Gleichzeitig er\u00f6ffnet er die Chance, die Energie in die F\u00f6rderung der eigenen Talente zu investieren anstatt in ihre Unterdr\u00fcckung. Entwicklung ist nie durch Anpassung alleine m\u00f6glich, es braucht immer auch eine Konfrontation, eine Auseinandersetzung mit dem Gegebenen. <\/p>\n\n\n\n<p>Unerf\u00fcllte Bed\u00fcrfnisse und W\u00fcnsche lassen sich zwar tief vergraben, doch im Untergrund leben sie weiter und revoltieren fr\u00fcher oder sp\u00e4ter. Letztendlich wird damit das von au\u00dfen vergebene Stigma des \u201eschwarzen Schafes\u201c erf\u00fcllt: die Ausbr\u00fcche aus den fremden Gef\u00e4ngnismauern gelten geradezu als Beweis f\u00fcr die Absonderlichkeit dieses Familienmitgliedes. <\/p>\n\n\n\n<p>Doch scheint mir der individuelle Weg der einzig Gangbare zu\nsein, da er vielf\u00e4ltige M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet, w\u00e4hrend das Unterdr\u00fccken der pers\u00f6nlichen\nEntwicklung das Leben einengt. Einen Kampf muss ich nun mal ausfechten: entweder\nin mir drinnen gegen mich selbst oder ich bin im Reinen mit mir und k\u00e4mpfe gegen\ndas Umfeld. Bevor ich mir meinen Willen brechen oder mein Seelenheil gef\u00e4hrden\nlasse, suche ich pers\u00f6nlich lieber meinen Weg, mein eigenes Leben zu leben.\nNotfalls im Exil.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Woanders wei\u00df man selber, wer man ist, hier wissen es die anderen. Das ist Heimat.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Aus dem Roman \u201eSommerfest\u201c von Frank Goosen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Familiengeburtstage liefen schon immer so ab: Kaffee, Kuchen, Kartoffelsalat, W\u00fcrstchen, Bier und Schnaps bis zur v\u00f6lligen Trunkenheit der G\u00e4ste. Alle machten mit, bis auf einen Cousin, der eisern n\u00fcchtern blieb. 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