{"id":1806,"date":"2020-06-07T21:45:00","date_gmt":"2020-06-07T19:45:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1806"},"modified":"2020-06-07T21:55:55","modified_gmt":"2020-06-07T19:55:55","slug":"zulassen-dass-es-nicht-perfekt-wird","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1806","title":{"rendered":"Zulassen, dass es nicht perfekt wird"},"content":{"rendered":"\n<p>F\u00fcr die Vorstellungsrunde im Seminar sollten alle ein Bild von sich malen. \u201eNa super\u201c, dachte sie. \u201eWieder so was Kreatives. Und ich kann nicht zeichnen. Damit blamiere ich mich doch gleich zu Beginn.\u201c Warum hatte sie sich hierf\u00fcr blo\u00df angemeldet?<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Kinder w\u00e4re diese Seminaraufgabe ein Klacks. Die malen einfach drauf los \u2013 zumindest bis zu dem Alter, in dem sie von Erwachsenen gesagt bekommen, wie etwas auszusehen habe. \u201eSo sieht doch aber kein Haus aus!\u201c oder \u201eDie Omi hat doch ganz andere Haare!\u201c Mit jedem dieser S\u00e4tze wird ein St\u00fcck Freiheit und Kreativit\u00e4t erstickt. Kinder lernen, dass sie bestimmte Dinge und Formen aufs Blatt bringen sollen. Und weil sie bei einigen Bildern auch gelobt werden (\u201eDas ist aber sch\u00f6n geworden!\u201c), lernen sie diese fremden Erwartungen besonders gut zu erf\u00fcllen. Das ist die Geburtsstunde des kleinen Perfektionisten in ihnen. Der wird sie von nun an ihr ganzes Leben begleiten und peinlichst genau darauf achten, alles gut zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht erinnern sich manche an \u201eDie kleine Hexe\u201c von Ottfried Preu\u00dfler. In diesem Kinderbuch will eine kleine Hexe zur Walpurgisnachtfeier der gro\u00dfen Hexen. Weil sie gerade mal 127 Jahre alt ist (und das ist ja f\u00fcr eine Hexe noch gar kein Alter), darf sie noch nichtfeiern. Heimlich schleicht sie sich auf den Blocksberg und wird erwischt. Die gro\u00dfen Hexen verlangen eine Bestrafung, doch wenn sie in einem Jahr eine gute Hexe geworden ist, darf sie mit ihnen um das Hexenfeuer tanzen. Ihr treuer Rabe Abraxas erinnert sie nun bei vielen Gelegenheiten daran, dass sie eine \u201egute\u201c Hexe werden muss. Also hilft sie armen M\u00e4dchen, frierenden Marktleuten und alten Frauen gegen herzlose Oberf\u00f6rster oder grobe Bierkutscher. Doch das ist leider genau das Gegenteil von dem \u201eGut\u201c, das die alten Hexen meinten: Statt zu helfen, h\u00e4tte sie gemein zu den Leuten sein sollen.<\/p>\n\n\n\n<p><img decoding=\"async\" style=\" width:320px; height:198px; float:right; margin-left:25px; margin-bottom:10px; margin-top:4px;\" src=\"https:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/kreativitaetzulassen320x198.png\" alt=\"Kreativit\u00e4t will Freiheit vom Perfektsein\">Es geht mir um Erwartungen an die zu erbringenden Leistungen. Wenn der Trainer an den Seminarbeginn ein Bild setzt, dann will er unter den Teilnehmenden keine Da Vincis oder Frida Kahlos entdecken, sondern er will Raum geben f\u00fcr Freiheit. Die Surrealisten hatten daf\u00fcr den Begriff des \u201eautomatisierten Zeichnens\u201c oder \u201eautomatisierten Schreibens\u201c gepr\u00e4gt: etwas auf Papier zu bringen, ohne sich den Vorgaben von Proportionen oder Orthographie zu unterwerfen, um so den kreativen Prozess ungest\u00f6rt laufen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch f\u00fcr den Seminarleiter geht es vom M\u00fcssen hin zum D\u00fcrfen: Er l\u00e4dt die Teilnehmenden ein, zuzulassen, dass etwas nicht perfekt wird. Er will Freude am Ausprobieren wecken und Lust am Entdecken. Dabei entstehen durch Zufall Erkenntnisse, die im dr\u00f6gen Lehrstoff zwar theoretisch enthalten sind, die aber nur durch Erleben gelernt werden. Und erst in dieser Freiheit des Erlebens und Tuns kann Kreativit\u00e4t leben und es ein gelungenes Seminar werden.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Kindheit und Genialit\u00e4t haben denselben Grundimpuls: Neugier<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Sprichwort<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die Vorstellungsrunde im Seminar sollten alle ein Bild von sich malen. \u201eNa super\u201c, dachte sie. \u201eWieder so was Kreatives. Und ich kann nicht zeichnen. Damit blamiere ich mich doch gleich zu Beginn.\u201c Warum hatte sie sich hierf\u00fcr blo\u00df angemeldet? F\u00fcr Kinder w\u00e4re diese Seminaraufgabe ein Klacks. 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