{"id":1809,"date":"2020-06-21T20:11:33","date_gmt":"2020-06-21T18:11:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1809"},"modified":"2020-06-21T20:11:35","modified_gmt":"2020-06-21T18:11:35","slug":"das-vollbrachte-werk-will-bewundert-werden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1809","title":{"rendered":"Das vollbrachte Werk will bewundert werden"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als er ins Bett ging, probierte er etwas Neues aus: er hielt R\u00fcckschau auf den Tag. Er begann am Abend und schaute langsam bis zum Morgen zur\u00fcck. Er war \u00fcberrascht, wie viel er erlebt hatte, wie viele kleine Freuden darin steckten und schlief selig dar\u00fcber ein. Warum war er nicht fr\u00fcher auf diese Idee gekommen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer von uns kennt das nicht: Mit letzter Kraft gehen wir durchs Bad, ein letzter m\u00fcde pr\u00fcfender Blick durch die Wohnung und dann fallen wir wie ein Stein ins Bett. Doch obwohl die M\u00fcdigkeit scheinbar grenzenlos gro\u00df ist, will sich der Schlaf einfach nicht einstellen. Der Tag spult sich wie ein endloser Film vor unserem inneren Auge ab und der Geist will sich einfach nicht beruhigen. Zu viel will noch verarbeitet, beurteilt und in die inneren Schubladen abgelegt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine kleine Intervention kann da gro\u00dfe Wirkung haben: \u00dcber den Tag hinweg Momente f\u00fcr eine R\u00fcckschau finden. Sie k\u00f6nnen verborgenes Gl\u00fcck sichtbar machen. Manche Gl\u00fccksr\u00fcckschauen sind ganz f\u00fcr mich selbst da:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Das gesp\u00fclte Geschirr steht blitzsauber zum Trocknen auf der Sp\u00fcle. Wann schaue ich mir das bewusst an?<\/li><li>Die W\u00e4scheleine ist voll mit sauberen Anziehsachen. Wann rieche ich den Geruch des Frischgewaschenen?<\/li><li>Der Garten ist von Unkraut befreit und hat wieder Platz f\u00fcr neue Pflanzungen. Verschnaufe ich kurz auf der Bank und lasse den Blick \u00fcber das Gr\u00fcn schweifen?<\/li><li>Die Pr\u00e4sentation hat einen Spannungsbogen und ist optisch ansprechend. Nehme ich in der Foliensortierung noch einmal wahr, welche Leistung darin steckt?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anderes ist ein Gemeinschaftserlebnis: F\u00fcr manche Paare geh\u00f6rt \u201edie Zigarette danach\u201c zu jenen Momenten, in denen beide noch einmal genussvoll auf das gemeinsam Erzauberte zur\u00fcckblicken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\n<img decoding=\"async\" style=\" width:620px; height:173px; margin-bottom:10px; margin-top:4px;\" src=\"https:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/zeitdichteschotten620x173.png\" alt=\"Eines zu Ende \u2013 Pause \u2013 Neues beginnen\">\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr alle diese Momente braucht es kein Bier (\u201eHeute ein K\u00f6nig \u2026\u201c), Weinbrand (\u201eWenn einem Gutes widerf\u00e4hrt \u2026\u201c) oder Schokoriegel (\u201eMorgens halb zehn in Deutschland \u2026\u201c). Es sind Augenblicke, die das Eine vom Anderen trennen und so den einzelnen Zeitabschnitten am Tag ihre Bedeutung geben. Denn oft genug verschwimmen die T\u00e4tigkeiten. Kaum ist die eine beendet, wird schon die n\u00e4chste in Angriff genommen und gehetzt fragen sich so manche am Abend: \u201eWas habe ich heute eigentlich gemacht? Habe ich \u00fcberhaupt etwas auf die Reihe bekommen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da hilft eine Technik aus dem Schiffbau. Der Rumpf eines Schiffs ist l\u00e4ngs und quer durch wasserdichte Trennw\u00e4nde unterteilt. Der Raum dazwischen wird als \u201eSchott\u201c bezeichnet. L\u00e4uft bei einem Leck eine dieser Schotten voll, so ist das Schiff trotzdem noch man\u00f6vrierf\u00e4hig. Denn ein Schott verhindert, dass sich das Wasser ungehindert ausbreitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch ein Tag l\u00e4sst sich in Schotten unterteilen, die eine Zeit von der anderen trennen: das Eine ist beendet, ich w\u00fcrdige es und dann lasse ich es los. Mit frischem Geist kann ich mich dann der n\u00e4chsten Aufgabe widmen. So mache ich die Schotten dicht und die Arbeit schwappt zum Beispiel nicht mehr in die freie Zeit. Am Ende eines Tages voll bewusst erlebter Zeitabschnitte wird die ganze F\u00fclle und der Reichtum der kleinen Alltagsdinge sichtbar. Denn auch wenn etwas zwischenzeitlich nach Misserfolg aussieht, kann der R\u00fcckblick auf das Ergebnis mit Milde schauen: es ist gelungen, so gut es eben gelingen konnte.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Leben Sie in \u201ezeitdichten Schotten\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus: \u201eSorge Dich nicht \u2013 lebe!\u201c von Dale Carnegie (1888 \u2013 1955, US-amerik. Kommunikationstrainer und Autor)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als er ins Bett ging, probierte er etwas Neues aus: er hielt R\u00fcckschau auf den Tag. Er begann am Abend und schaute langsam bis zum Morgen zur\u00fcck. Er war \u00fcberrascht, wie viel er erlebt hatte, wie viele kleine Freuden darin steckten und schlief selig dar\u00fcber ein. Warum war er nicht fr\u00fcher auf diese Idee gekommen? 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