{"id":1855,"date":"2020-11-08T19:15:00","date_gmt":"2020-11-08T18:15:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1855"},"modified":"2020-11-08T19:24:01","modified_gmt":"2020-11-08T18:24:01","slug":"die-luft-ist-raus-und-nun","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1855","title":{"rendered":"Die Luft ist raus \u2013 und nun?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Statt Vorfreude auf den Advent mit seinem Lichterzauber und Gl\u00fchweinduft gab es nun wieder mal Einschr\u00e4nkungen im t\u00e4glichen Leben. Sie hatte die Nase voll und sah kopfsch\u00fcttelnd, wie andere jetzt erst recht aufdrehten und \u00fcbereifrig aktiv wurden. Waren die denn nicht so pandem\u00fcde wie sie?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch auf die Gefahr hin, langweilig zu erscheinen: es geht mal wieder um das, was der Umgang mit dem #Coronavirus mit uns macht. Ich sp\u00fcre eine gro\u00dfe M\u00fcdigkeit. Nicht nur bei mir, sondern \u00fcberall: der Familie, den Freunden, Menschen auf der Arbeit. Im Fr\u00fchling halfen l\u00e4nger werdende Tage noch, auf geschlossene Freizeit- und Kulturorte mit Ausweichen in Parks und G\u00e4rten zu reagieren. Dann kamen die Lockerungen, der Sommer war da, Urlaub war teilweise wieder m\u00f6glich geworden und wir alle atmeten tief durch. Tief im Innern ahnten vielleicht manche, dass der Herbst noch einmal ganz neue Herausforderungen bringen w\u00fcrde. Und so kam es ja dann auch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig nehme ich zwei unterschiedliche Reaktionen darauf wahr: da gibt es diejenigen, die jetzt so richtig aufdrehen. Die sich in die Arbeit st\u00fcrzen, \u00dcberstunden machen und weit \u00fcber ihre Ersch\u00f6pfungsgrenzen hinaus aktiv sind. Nicht alle m\u00fcssen das, weil ihr Beruf oder ihr Gesch\u00e4ft das jetzt erfordert. Diejenigen, die das freiwillig machen, scheinen zu hoffen, dass alles so viel schneller vorbeigeht. Dabei zeigt der K\u00f6rper deutlich, dass es besser w\u00e4re, einen Gang zur\u00fcckzuschalten statt hochzuschalten. Je nach Veranlagung melden sich R\u00fccken, Kopf, Magen oder Haut mit Beschwerden. Der Schlaf wird l\u00f6chrig wie ein Schweizer K\u00e4se. Doch nichts bringt diese Menschen dazu, auf ihren zu K\u00f6rper zu h\u00f6ren. Denn wer st\u00e4ndig in Aktion ist, kann nicht zuh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><img decoding=\"async\" style=\" width:320px; height:170x; float:right; margin-left:25px; margin-bottom:10px; margin-top:4px;\" src=\"https:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/runningrabbit320x170.png\" alt=\"Ein Hase ist am Rennen\">\u201eKeine Zeit! Keine Zeit!\u201c ruft der Hase in \u201eAlice im Wunderland\u201c und \u201eIch bin zu sp\u00e4t! Ich bin zu sp\u00e4t!\u201c Wohlfeile Ratschl\u00e4ge \u201eDu solltest mal mehr auf Deinen K\u00f6rper h\u00f6ren!\u201c prallen an den Leuten ab, die wie der wei\u00dfe Hase im Kinderbuch durch das Leben hoppeln. Damit ich h\u00f6ren kann, muss ich h\u00f6ren wollen, meine Ohren \u00f6ffnen und lauschen. Die Benediktiner-Regel \u201eOra et labora et lege, Deus adest sine mora\u201c l\u00e4sst sich mit \u201eBete und arbeite und lies, Gott ist da ohne Verzug\u201c \u00fcbersetzen. Es geht um einen Wechsel aus k\u00f6rperlicher, geistiger und spiritueller T\u00e4tigkeit, aus \u00e4u\u00dferlichem Aktivismus und innerer Kontemplation (Versenkung). Wird die Regel auf \u201eOra et labora\u201c verk\u00fcrzt, scheint es, als ob ein gerechtes Leben nur durch harte Arbeit und beten (um Beistand) zu erreichen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beten ist ein Gespr\u00e4ch mit einer Gottheit und bis auf wenige Mystiker haben die meisten Menschen eine g\u00f6ttliche Stimme nie laut geh\u00f6rt. Zum Beten geh\u00f6rt also notwendigerweise das H\u00f6ren: h\u00f6ren auf ungesagte Worte. Diesen Gedanken scheint die zweite Gruppe von Menschen ernst zu nehmen, die ich beobachte. Sie konzentrieren sich auf sich und ihre Liebsten, r\u00e4umen der Ungewissheit \u00fcber die zuk\u00fcnftige Pandemie-Entwicklung Raum ein und suchen in der Natur, der Meditation oder vielleicht auch im Gebet den Weg, auf dem sie gesund durch den Winter kommen. Schlie\u00dflich sind November und Dezember die Zeit, in der die Natur zur Ruhe kommt. Also warum nicht auch wir Menschen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn auch wenn vielen Leuten klar ist, dass es erst im Fr\u00fchjahr wieder wirklich \u201ebesser\u201c wird, haben viele jedoch keinen Plan, wie sie bis dahin durchhalten wollen. \u201eAnhalten\u201c statt \u201edurchhalten\u201c w\u00e4re also meine Empfehlung, ein \u201edurchrennen\u201c wird meiner festen \u00dcberzeugung nach einfach nur krankmachen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Ich habe immer gedacht, die Zeit w\u00e4re ein Dieb, die mir alles stiehlt, was ich liebe. Aber jetzt wei\u00df ich, dass sie gibt, bevor sie nimmt und jeder Tag ist ein Geschenk. Jede Stunde. Jede Minute. Jede Sekunde.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus: Lewis Carroll \u201eAlice im Wunderland\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Statt Vorfreude auf den Advent mit seinem Lichterzauber und Gl\u00fchweinduft gab es nun wieder mal Einschr\u00e4nkungen im t\u00e4glichen Leben. Sie hatte die Nase voll und sah kopfsch\u00fcttelnd, wie andere jetzt erst recht aufdrehten und \u00fcbereifrig aktiv wurden. Waren die denn nicht so pandem\u00fcde wie sie? 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