{"id":1894,"date":"2021-02-08T09:30:00","date_gmt":"2021-02-08T08:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1894"},"modified":"2021-02-08T09:40:56","modified_gmt":"2021-02-08T08:40:56","slug":"fuehrungsstil-scheinbar-partizipativ","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1894","title":{"rendered":"F\u00fchrungsstil: scheinbar partizipativ"},"content":{"rendered":"\n<p>Frisch aus dem Onlineseminar \u201eMotivieren durch partizipieren\u201c brachte die Chefin im n\u00e4chsten Teammeeting eine Liste von Projekten mit, aus der sich alle Mitarbeitenden eines aussuchen durften, das sie bearbeiten wollten. Doch so recht kam keine Freude auf. Warum nur, so fragte sich die Chefin, begeisterten sich meine Leute nicht f\u00fcr diese gro\u00dfartige Beteiligung?<\/p>\n\n\n\n<p>Moderne F\u00fchrungskr\u00e4fte, also Menschen, die anderen Menschen im 21. Jahrhundert vorgesetzt werden, finden unz\u00e4hlige Blogs (Texte und Kolumnen im Internet), Podcasts (Aufgenommene Gespr\u00e4che) und Vlogs (Videotageb\u00fccher) zur pers\u00f6nlichen Weiterbildung. Fast alle haben den Grundtenor, dass Empathie und Partizipation die Schl\u00fcsselkompetenzen im Kampf um die besten Talente sind. Fr\u00fcher verstaubten etliche Meter von Management-B\u00fcchern in den in den firmeneigenen Bibliotheken, die ganz \u00c4hnliches propagierten. Doch wenn aktive Einbindung von Mitarbeitenden immer noch ein Thema ist, mit dem sich die Aufmerksamkeit der \u00d6ffentlichkeit auf sich ziehen l\u00e4sst, scheint es mit Empathie und Partizipation nicht weit her zu sein. Zu oft, das melden Mitarbeitende in Jahresgespr\u00e4chen und Umfragen zur\u00fcck, fehlt es ihnen an Anerkennung, Ideenaustausch und echter Mitarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fchrungskr\u00e4fte betonen anschlie\u00dfend regelm\u00e4\u00dfig, dass sie die Nachricht verstanden haben und noch mehr ihre Mitarbeitenden einbinden wollen. Manchmal gar kommt die Standardfloskel aus der Politik zum Einsatz: \u201eWir machen alles richtig, scheinen es aber nicht richtig zu kommunizieren, wenn die Bev\u00f6lkerung \/ Mitarbeitende es nicht versteht.\u201c Vielleicht liegt es aber schlicht auch daran, dass die Beteiligung von Untergebenen oft nur vorget\u00e4uscht wird.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<img decoding=\"async\" style=\" width:620px; height:324x;\" src=\"https:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/scheinbarpartizipativ620x324.png\" alt=\"Drei Mitarbeitende glauben ihrer Chefin nicht\">\n<\/p>\n\n\n\n<p>Um das zu erl\u00e4utern, nehme ich Sie mit in einen Kindergarten. Nein, damit ist jetzt nicht Ihr Arbeitgeber gemeint, sondern eine ganz normale Kita. Partizipation von Kindern ist dort ein gro\u00dfes Thema. Kinder sollen mitentscheiden d\u00fcrfen. Sie sollen lernen, Kompromisse auszuhandeln und erkennen, dass es nicht immer nach ihrem Willen gehen kann. Beliebtes \u00dcbungsfeld ist das Mittagessen. Partizipation sieht dann oft so aus: \u201eM\u00f6chtest Du die rote So\u00dfe (Tomaten) oder die gr\u00fcne (Spinat) auf Deine Nudeln?\u201c Die Botschaft: Schaut alle her, wir fragen das Kind und es darf selbst entscheiden, was es essen will!<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich jetzt auf den Arm genommen f\u00fchlt, hat vollkommen recht. Denn hier wird Beteiligung nur vorgegaukelt, es werden in einem eng gesteckten Rahmen Optionen vorgegeben, aus denen jemand ausw\u00e4hlen muss. Es gilt: Der Rahmen der Erwachsenen und die Vorauswahl der Erwachsenen. Es fehlt: die Sicht der Kinder. Beim Blick auf die Arbeitswelt werden Erwachsene durch Chefs, Kinder durch Angestellte und So\u00dfen durch Projekte ersetzt: \u201eM\u00f6chten Sie dieses oder jenes Projekt \u00fcbernehmen?\u201c Ob ich das Projekt \u00fcberhaupt machen kann, machen will oder gar f\u00fcr sinnvoll erachte, wird genauso wenig ber\u00fccksichtigt wie der Essenswunsch der Kinder, die vielleicht gar keine Nudeln m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu einer echten Partizipation braucht es aus meiner Sicht T-V-M.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>T<\/strong> wie Transparenz. Transparenz \u00fcber den gegebenen Rahmen. Wer Beteiligung verspricht, obwohl alles vorbestimmt ist, demotiviert nur die Anderen. Ich sollte also klarmachen, ob es \u00fcberhaupt Freir\u00e4ume gibt, um etwas zu beeinflussen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als n\u00e4chstes w\u00e4re <strong>V<\/strong> wie Vertrauen hilfreich. Vertrauen in die L\u00f6sungskompetenzen der Anderen. Ich lasse die Vorherrschaft und damit meine eigene Weltsicht los. Wenn ich eine Entscheidung in die H\u00e4nde von weiteren Menschen lege, kann ich das Ergebnis nicht vorhersagen und habe am Ende vielleicht auch eine L\u00f6sung, die ich so nicht wollte. Oder zu der mir der Mut fehlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist die dritte Voraussetzung f\u00fcr wahre Partizipation. <strong>M<\/strong> wie Mut, dem Prozess Raum zu geben; Mut, das Ergebnis zu akzeptieren; Mut, die L\u00f6sung als Teamentscheidung auch nach au\u00dfen zu verteidigen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fchrungskr\u00e4fte, die keine Transparenz herstellen, die nicht vertrauen und \u00e4ngstlich statt mutig sind, k\u00f6nnen daher nur scheinbar partizipativ f\u00fchren. Da helfen auch keine B\u00fccher, Podcasts oder Vlogs.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Den Schl\u00fcssel zum Erfolg kenne ich nicht. Der Schl\u00fcssel zum Scheitern ist der Versuch, es allen recht zu machen.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Bill Cosby (*1937, US-amerik. Schauspieler)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frisch aus dem Onlineseminar \u201eMotivieren durch partizipieren\u201c brachte die Chefin im n\u00e4chsten Teammeeting eine Liste von Projekten mit, aus der sich alle Mitarbeitenden eines aussuchen durften, das sie bearbeiten wollten. Doch so recht kam keine Freude auf. Warum nur, so fragte sich die Chefin, begeisterten sich meine Leute nicht f\u00fcr diese gro\u00dfartige Beteiligung? 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