{"id":1922,"date":"2021-03-28T19:30:00","date_gmt":"2021-03-28T17:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1922"},"modified":"2021-03-28T19:32:57","modified_gmt":"2021-03-28T17:32:57","slug":"von-der-toxischen-sucht-ein-ziel-zu-erreichen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1922","title":{"rendered":"Von der toxischen Sucht, ein Ziel zu erreichen"},"content":{"rendered":"\n<p><em>In jedem Problem steckt eine Chance<\/em> war ihr Motto. So hatte sie es geschafft, trotz aller widrigen Umst\u00e4nde als erste in der Familie zu studieren, eine Wohnung zu kaufen und so wollte sie auch die Pandemie zu ihrem pers\u00f6nlichen Durchhalte-Erfolg machen. Schlie\u00dflich erreichte sie immer ihre Ziele. Doch wie passt da nun ihr aktueller Aufenthalt in der Burnout-Klinik hinein?<\/p>\n\n\n\n<p>Karrieremenschen, Sparf\u00fcchse, Optimisten, Eigenst\u00e4ndige und Lebenshungrige haben eines gemeinsam: Sie alle k\u00f6nnen weit \u00fcber das Ziel hinausschie\u00dfen, das sie urspr\u00fcnglich erreichen wollten. Denn immer wieder passiert es, dass ein Ziel zum Selbstzweck wird. Dann geht es nicht mehr darum, eine besondere Herausforderung oder ein zugrundeliegendes Problem zu l\u00f6sen, sondern nur noch, eine einmal gesetzte Marke zu erreichen und danach immer wieder neu zu \u00fcbertreffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Statt nur gen\u00fcgend Geld f\u00fcr ein ausk\u00f6mmliches Leben zu verdienen, geht es dann um die ersten 50.000, 100.000 oder 500.000 Euro auf dem Konto. Und danach um die n\u00e4chste Stufe, die n\u00e4chste Zahl. Das urspr\u00fcngliche Ziel ist vergessen, so dass selbst unermesslich reiche Menschen immer weiter Geld ansammeln. Nicht nur mit der Gier funktioniert das, sondern auch mit dem Geiz: Pfennigfuchser sparen immer noch mehr (Geld, Strom, Wasser, \u2026) bis hin zur lebensfeindlichen Askese.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer nun glaubt, dass nur Perfektionisten der krankmachenden Zielverherrlichung fr\u00f6nen, sollte sich nicht zu sicher w\u00e4hnen. Alle Menschen k\u00f6nnen Sklaven ihrer selbst werden. Wechselhafte Menschen, die vieles anfangen ohne etwas zu Ende zu bringen, haben den Wunsch, nichts zu verpassen. Sie wollen jede Gelegenheit zu nutzen, etwas noch Attraktiveres finden. Das Gras scheint auf der anderen Seite des Zaunes noch gr\u00fcner zu sein und so wird von Weide zu Weide galoppiert.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<img decoding=\"async\" style=\"width:620px; height:227px;\" src=\"https:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/zielsklave620x254.png\" alt=\"Sich selbst wie ein Teufel von Ziel zu Ziel treiben\">\n<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen, denen besonders an Harmonie gelegen ist, k\u00fcmmern sich um die Bed\u00fcrfnisse von anderen bis hin zur Selbstaufgabe. Oft ist das den Geholfenen selbst schon zu viel Unterst\u00fctzung, doch davon lassen sich selbsterm\u00e4chtigte Samariter nicht abhalten. Menschen, die viel Zeit f\u00fcr sich brauchen, k\u00f6nnen bis hin zur Grantigkeit auf eigene Freir\u00e4ume bestehen. Bis schlie\u00dflich der Schutz der Privatsph\u00e4re zu einem Haus der Einsamkeit wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Optimisten k\u00f6nnen \u00fcber das Ziel hinausschie\u00dfen. Sich auf die Chancen zu konzentrieren, kann zum Handeln motivieren. Doch weil sie die Realit\u00e4t ausblenden, fordern Zwangsoptimisten auch von Verzweifelten \u201eErkenne, wie gut Du es doch hast!\u201c Mit klassischen Ablenkungsman\u00f6vern werden Zusammenh\u00e4nge zwischen Dingen hergestellt, die nichts miteinander zu tun haben. Das wird auch \u201eWhat aboutism\u201c genannt. \u201eWhat about\u201c meint: \u201eUnd was ist mit \u2026?\u201c Beispiel: \u201eUnd was ist mit den Menschen im Jemen? Denen geht es doch viel schlechter als Dir.\u201c Dabei hat der B\u00fcrgerkrieg am Horn von Afrika nichts mit meiner pers\u00f6nlichen Notlage zu tun. Oder Kinder, die fr\u00fcher ihren Spinat nicht essen wollten, bekamen die hungernden Altersgenossen in Biafra vorgehalten. Das sind aus meiner Sicht sinnlose Totschlagsargumente.<\/p>\n\n\n\n<p>All diesen \u00fcbersteigerten Zielverfolgungen liegt ein guter Kern zugrunde, der einmal Ausl\u00f6ser und Motivator f\u00fcr Handlungen war. Dem Kern fehlt dann jedoch eine bremsende, ausgleichende Gegenmotivation. Es ist wie mit jedem Wirkstoff: in geringer Konzentration k\u00f6nnen sie eine gute Medizin sein. Im \u00dcberma\u00df verabreicht wirken sie wie ein t\u00f6dliches Gift.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel: Eine Person, die braun werden will, verbrennt ihre Haut, wenn sie nicht hin und wieder in den Schatten geht. Sie muss das Sonnenbad unterbrechen, damit sie gesund bleibt und nicht an Hautkrebs leiden wird. Wandelt sich das Vorhaben von \u201ebraun werden\u201c zu \u201ebrauner werden als alle anderen\u201c verselbst\u00e4ndigt sich das Ziel. Es braucht als Ausgleich die Erlaubnis an sich selbst, auch mal die Sonne zu meiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Um in die Harmonie zu kommen, sollten sich Gierige als Ausgleich Gro\u00dfz\u00fcgigkeit erlauben, Geizige ein wenig Gro\u00dfmut und Lockerheit, Samariter ein wenig Eigenst\u00e4ndigkeit und Egoisten ein wenig Offenheit f\u00fcr andere Menschen. Optimisten d\u00fcrfen auch mal verzweifelt sein. Denn wer wie ein Sklave sein einmal gefasstes Ziel nur um des Zieles willen verfolgt, endet in der Regel krank und einsam.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Erst wenn man wei\u00df, was Angst ist, bekommt man Mut. Nur der ist wirklich mutig, der seine Angst zu bez\u00e4hmen wei\u00df.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der Druide Miraculix in \u201eAsterix und die Normannen\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In jedem Problem steckt eine Chance war ihr Motto. So hatte sie es geschafft, trotz aller widrigen Umst\u00e4nde als erste in der Familie zu studieren, eine Wohnung zu kaufen und so wollte sie auch die Pandemie zu ihrem pers\u00f6nlichen Durchhalte-Erfolg machen. Schlie\u00dflich erreichte sie immer ihre Ziele. Doch wie passt da nun ihr aktueller Aufenthalt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[21,14,20],"class_list":["post-1922","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-justme","tag-riemann","tag-selbstliebe","tag-weq"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1922","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1922"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1922\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1929,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1922\/revisions\/1929"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1922"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1922"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1922"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}