{"id":1939,"date":"2021-05-16T19:15:00","date_gmt":"2021-05-16T17:15:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1939"},"modified":"2021-05-16T19:30:42","modified_gmt":"2021-05-16T17:30:42","slug":"zeitlos-am-ausgang-der-pandemie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1939","title":{"rendered":"Zeitlos am Ausgang der Pandemie"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am besten beschrieben ihr aktuelles Zeitgef\u00fchl die zerflie\u00dfenden Uhren auf Salvador Dalis Gem\u00e4lde, denn nichts bekam sie mehr so richtig zu fassen: Wochentage, Monate, welches Jahr haben wir? Die Pandemie hatte ihre innere Uhr weichgekocht. Wann w\u00fcrde diese Zeitlosigkeit enden?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den letzten 14 Monaten wurden durch die Pandemie unsere allt\u00e4glichen Rahmenbedingungen ver\u00e4ndert. Teilweise von heute auf morgen, ohne Zeit, sich auf den \u00dcbergang einzustellen, war Schule nicht mehr Schule, Arbeit nicht mehr pendeln, Freunde nicht mehr zu treffen. Kunst, Musik, Sport \u2013 kein Kurs war mehr m\u00f6glich. All das f\u00fchrte bei manchen Menschen zu einem gest\u00f6rten Zeitempfinden, denn Routinen fielen als haltgebende Orientierung weg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wochenrituale entfielen wie der sonnt\u00e4gliche Tanzkurs, freitags kegeln, dienstags Yoga, Chor am Donnerstag. Diese wiederkehrenden Ankerpunkte gaben eine Struktur, die oft durch den Wechsel aus Werktagen mit einem Weg zu au\u00dferh\u00e4usigen Arbeit und den freien Tagen mit Einkaufen und Freizeit verst\u00e4rkt wurden. Nun aber waberten f\u00fcr viele Menschen die Tage nahezu unterschiedslos ineinander. F\u00fcr viele, wenn auch nicht alle, blieb wenigstens das monatliche Ritual einer Gehalts\u00fcberweisung erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die gewohnten Abl\u00e4ufe innerhalb eines Tages wurden neu geformt. F\u00fcr Eltern gab es dank \u201eHomeschooling\u201c einen Crashkurs in P\u00e4dagogik, Vermittlung von Lehrstoff und IT-Support mit gleichzeitigem Turbolernen in Sachen Multitasking, Reorganisation und Voraussehen von neuen Corona-Verordnungen. Kurzarbeit oder erzwungenes komplettes Nicht-Tun in \u201e100%iger Kurzarbeit\u201c brachten viele aus dem Konzept. Das Mitnehmen von Masken wurde zur Gewohnheit, Einkaufsplanung auf die gr\u00f6\u00dferen Bedarfe zu Hause zur Herausforderung und erholsamer Schlaf eine innig ersehnte Rarit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><img decoding=\"async\" style=\"width:320px; height:214px; float:right; margin-left:25px; margin-bottom:10px; margin-top:4px;\" src=\"https:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/zerfliessendezeit320xy214.png\" alt=\"In der Corona-Pandemie ist die Zeit nicht zu fassen\">Hinzu kommt der ungl\u00fcckselige Corona-Ma\u00dfnahmen-Dreisprung aus \u201eHoffen \u2013 Bangen \u2013 Entt\u00e4uschung\u201c, wenn sich die angek\u00fcndigte, die ersehnte Wiedereinsetzung von Grundrechten ein um das andere Mal verschoben wurde. Wer kann schon noch mitz\u00e4hlen, wie oft sie oder er \u201enoch ein letztes Mal\u201c durchgehalten hat? Und noch einmal. Und noch mal. Auch das l\u00e4sst Zeit haltlos erscheinen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenigstens blieben die Jahreszeiten erhalten. Wir sahen das Ende des Winters, Fr\u00fchjahr, Sommer, Herbst, Winter und nun ein beginnendes Fr\u00fchjahr in der Natur. Was fehlte, waren die Feste, die damit verbunden sind. Seien es religi\u00f6se, kulturelle oder schlicht materielle: Ostern\u00e4chte, Fr\u00fchlingsm\u00e4rkte, Sommerfestivals, Weinfeste, Weihnachtsm\u00e4rkte. Was fr\u00fcher ein \u201eMust do\u201c war mutierte zum \u201eCan\u2019t do\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Folge: manchen kam es vor, als fl\u00f6sse die Zeit durch sie hindurch. Welcher Wochentag ist heute nochmal? Wir haben schon Monatsende? In zwei Monaten ist schon Silvester? Oft h\u00f6rte ich diese Fragen in Gespr\u00e4chen und stellte sie mir zunehmend selbst. Mir schien, dass sich mein innerer Kalender vom \u00e4u\u00dferen, realen Kalender abgekoppelt hatte und eine Synchronisierung m\u00fchsam war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun jedoch scheinen \u00e4u\u00dfere Fixpunkte im Leben wieder erreichbar zu sein und sehr wahrscheinlich werden es manche alten Gewohnheiten nicht mehr in das \u201eneue Jetzt\u201c schaffen, daf\u00fcr haben sich neue Verhaltensweisen entwickelt, auf die so manche:r nicht mehr verzichten m\u00f6chte. Alte Lieben, neue Entdeckungen, gibt es auch bei Gewohnheiten. So k\u00f6nnen wir die verlorengegangene Zeit wieder zu fassen bekommen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Wer hat an der Uhr gedreht?<br>Ist es wirklich schon so sp\u00e4t?<br>Stimmt es,<br>dass es sein muss?<br>Ist f\u00fcr heute wirklich Schluss?<br><br>Heut ist nicht alle Tage, ich komm wieder keine Frage!<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlusslied aus der Fernsehserie \u201eDer rosarote Panther\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am besten beschrieben ihr aktuelles Zeitgef\u00fchl die zerflie\u00dfenden Uhren auf Salvador Dalis Gem\u00e4lde, denn nichts bekam sie mehr so richtig zu fassen: Wochentage, Monate, welches Jahr haben wir? Die Pandemie hatte ihre innere Uhr weichgekocht. Wann w\u00fcrde diese Zeitlosigkeit enden? In den letzten 14 Monaten wurden durch die Pandemie unsere allt\u00e4glichen Rahmenbedingungen ver\u00e4ndert. 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