{"id":1964,"date":"2021-07-11T20:00:00","date_gmt":"2021-07-11T18:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1964"},"modified":"2021-07-11T19:59:40","modified_gmt":"2021-07-11T17:59:40","slug":"spuren-am-strand-statt-spuren-im-netz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1964","title":{"rendered":"Spuren am Strand statt Spuren im Netz"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Haben Sie schon vom H\u00f6hlensyndrom (Cave Syndrome) geh\u00f6rt? Es beschreibt den inneren Zustand von Menschen, die Angst vor den Lockerungen haben, die nun nach und nach in unseren Alltag einziehen. Das normale Leben, das wir vor den Einschr\u00e4nkungen durch die Pandemie f\u00fchrten, erscheint unvorstellbar. Feiern mit Freunden, Ausgehen in volle Restaurants und Clubs, eng an eng in Bus und Bahn. Dabei geht es weniger um Infektionsschutz als um Kontaktvermeidung, reale Menschen zu treffen wird zur sozialen \u00dcberforderung. Vom H\u00f6hlensyndrom berichten Geimpfte, Genesene und Ungeimpfte gleicherma\u00dfen. Dabei bezeichnet Syndrom ein psychisches Leiden, doch sind diese Menschen wirklich krank oder einfach nur \u00fcberfordert? Vielleicht \u00fcberdenken manche schlicht, was von dem Leben vor der Pandemie in die viel zitierte \u201eNeue Normalit\u00e4t\u201c mitgenommen werden soll. Schlie\u00dflich gab es immer schon und immer noch den sozialen Druck, gesellschaftlich zu \u201eperformen\u201c, sich also erfolgreich entlang vorgegebener Wertema\u00dfst\u00e4be zu verhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie in der legend\u00e4ren Sparkassenwerbung \u201eMein Haus! Mein Auto! Mein Boot!\u201c geht es jetzt zus\u00e4tzlich um \u201eMeine Party! Mein Urlaub! Mein Foto!\u201c. Ein erfolgreiches Leben f\u00fcr Instagram, Facebook, TikTok, diese sogenannten sozialen Netzwerke, zu f\u00fchren, ist scheinbar die W\u00e4hrung, die viele f\u00fcr Anerkennung zu zahlen bereit sind. Mit weitreichenden Folgen: so musste k\u00fcrzlich der K\u00f6nigssee-Wasserfall im Bayerischen Nationalpark Berchtesgaden f\u00fcr Besucher gesperrt werden. Als Geheimtipp f\u00fcr besonders sch\u00f6ne Fotomotive setzten, stellten, legten sich dort immer mehr \u201eInfluencer\u201c in Szene, um auf Instagram besonders viel Bewunderung zu bekommen. Der Einfluss der Influencer war immens. Der Aussichtspunkt \u00fcber dem Wasserfall wurde bei Nachahmern immer beliebter bis schlie\u00dflich Trampelpfade und M\u00fcllberge drohten, das Naturschutzgebiet zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><img decoding=\"async\" style=\"width:320px; height:152px; float:right; margin-left:25px; margin-bottom:10px; margin-top:4px;\" src=\"https:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/cavecyndrome320x152.png\" alt=\"Raus aus der H\u00f6hle und am Strand einander begegnen\">Viele Menschen f\u00fchren ein Leben, dass sich an den Moden von Instagram und TikTok orientiert, es ist \u201einstagramable\u201c. Auf den aufwendig bearbeiteten Fotos sieht alles super nat\u00fcrlich und super cool aus. Das gilt besonders f\u00fcr die Generation \u201eEasy Jet\u201c, f\u00fcr die dank Billigflugtickets Clubn\u00e4chte in Como, M\u00e4delstreff in Mailand oder Shopping in Stockholm eine nat\u00fcrliche Erweiterung ihres Hinterhofes darstellte. W\u00e4hrend der h\u00e4uslichen Isolation wurden Home Office, Home Schooling und Home Clubbing verst\u00e4rkt Themen, um sich in der Pandemie zu pr\u00e4sentieren. Digital verbunden mit Millionen Menschen auf der ganzen Welt entsteht so leicht das Gef\u00fchl einer Gemeinschaft, die mit Herzchen, Likes und Daumen-hoch zwischenmenschliche Begegnung simuliert. Das einzige, was meiner Meinung nach von der Illusion einer globalen Verbundenheit als dauerhafte Erinnerung zur\u00fcckbleibt, sind digitale Spuren bei GAFAM, den f\u00fcnf gro\u00dfen Tech-Konzernen Google, Amazon, Facebook, Apple, Microsoft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Scheinbar verbunden mit der ganzen Welt zu sein ist jedoch keine COVID-19 Folge, es gab bereits \u201edavor\u201c solche Szenen: In einem beliebigen Stra\u00dfencaf\u00e9 teilen Menschen lediglich ein M\u00f6bel, aber keine Gemeinschaft miteinander. Sie fotografieren sich selbst und\/oder ihr Essen und schicken das Bild in die \u201eCloud\u201c. Oder sie chatten mit Menschen am anderen Ende des Kontinents, unterhalten sich aber nicht mit ihren unmittelbaren Tischnachbarn. Diana Kinnert beschreibt solche urbanen Orte als \u201eInseln zwischenmenschlicher Begegnungslosigkeit\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Monatelang gab es pers\u00f6nliche Treffen nur sehr begrenzt und so ist es wenig verwunderlich, dass bei einigen ein Gef\u00fchl der \u00dcberforderung eintritt. Die Zeit der H\u00f6hlenmenschen ist vorbei! W\u00e4hrend vielfach erwartet wird, dass wir uns jetzt alle freudig um den Hals fallen, sind echte Begegnungen zwischen realen Menschen voller widerspr\u00fcchlicher Gef\u00fchle, vielf\u00e4ltiger \u00dcberraschungen und manchmal auch Verletzungen. Der digitale Ersatz taugt daf\u00fcr nicht als Vorbereitung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich werde jetzt lieber Spuren im Sand statt Spuren im Netz hinterlassen, Muscheln sammeln, auch Menschen \u201elive und in Farbe\u201c treffen und pausiere mit dem Blog bis Ende August. Denn die Sommerferien stehen vor der T\u00fcr (auch wenn sie in Sturm und Regen verkleidet sind) und ich mache Urlaub. Weil ich weder auf Instagram, Facebook oder TikTok bin, wird das einfach sch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Anti-Einsamkeit ist nicht nur loser, fl\u00fcchtiger Kontakt.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diana Kinnert, (*1991, Publizistin und Unternehmerin)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haben Sie schon vom H\u00f6hlensyndrom (Cave Syndrome) geh\u00f6rt? 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