{"id":1968,"date":"2021-09-05T19:15:00","date_gmt":"2021-09-05T17:15:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1968"},"modified":"2021-09-05T19:28:15","modified_gmt":"2021-09-05T17:28:15","slug":"der-abgrund-nach-dem-urlaub","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=1968","title":{"rendered":"Der Abgrund nach dem Urlaub"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Tr\u00e4umen lief er noch durch die klare Alpenluft, doch tags\u00fcber war er wieder in der grauen Arbeitsh\u00f6lle gefangen. Der Urlaub, kaum 14 Tage her, erschien endlos weit weg und er biss die Z\u00e4hne zusammen, um alles zu erledigen, was ihm auf den Tisch gelegt wurde. Warum f\u00fchlte er sich nur schon wieder dem Abgrund ganz nah?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe mit vielen Menschen nach ihrem Urlaub gesprochen und auch wenn dies wenig repr\u00e4sentativ ist, so haben doch alle der Aussage zugestimmt \u201eMir geht es mittlerweile wieder wie vor dem Urlaub: ich bin angespannt und ersch\u00f6pft.\u201c Lediglich das Zeitfenster variierte: manchen ging es schon nach dem ersten Arbeitstag so, bei anderen dauert es bis zum Ende der ersten Arbeitswoche. Doch die Entt\u00e4uschung und Hoffnungslosigkeit, die sich in diesen Aussagen ausdr\u00fcckte, war bei allen gleich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was haben wir alle den Sommerurlaub 2021 herbeigesehnt! \u00dcber Monate war unklar, ob er stattfinden k\u00f6nnte, st\u00e4ndig ging es von Hoffen zu Bangen und zur\u00fcck. Dann endlich waren die aktuellsten Pandemieregeln recherchiert, verstanden und umgesetzt und der Ortswechsel war m\u00f6glich. Hinauf in die Berge, rein ins Meer, eintauchen, wegtauchen und aufatmen. Maskenpflicht und 3G-Kontrollen waren ja l\u00e4ngst Routine, doch diese neuen Perspektiven, diese Ruhe (oder das Feiern) \u2013 all das war so wenig Alltag wie schon lange nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><img decoding=\"async\" style=\"width:320px; height:175px; float:right; margin-left:25px; margin-bottom:10px; margin-top:4px;\" src=\"https:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/amabgrund320x175.png \" alt=\"Der Weg in den Abgrund ist nur eine Option\">Dann kam die R\u00fcckkehr und die alte Illusion, dass sich in den Tagen der Abwesenheit ganz viel und vor allem zum Besseren ge\u00e4ndert hatte, platzte wie immer. Es gelten auf der Arbeit die gleichen Pandemieregeln, eine \u00c4nderung ist nicht in Sicht und die Aufgaben haben sich auch dieses Mal wieder nicht auf magische Weise selbst erledigt. Schlimmer als vor dem Urlaub ist nach dem Urlaub, weil die Perspektive \u201ebis zum Urlaub\u201c nun nicht mehr wenige Wochen, sondern viele Monate lang ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht hilft da eine Erfahrung, die so manche beim Reisen machten. Wer den Weg von A nach B plant, sei es digital oder analog, der folgt nicht <em>einem<\/em> Weg, sondern beschreitet eine gro\u00dfe Menge von <em>Teilwegen<\/em>. Navigationssysteme sind darin Meister. Sie bauen einen Weg aus schier unendlichen vielen Teilabschnitten zusammen. An jeder Ecke, an jeder Weggabelung f\u00e4ngt ein neuer Abschnitt an. Der eine Weg endet, der n\u00e4chste beginnt. Denn die Frage ist doch, wo der Weg an einer Gabelung eigentlich weitergeht. Rechts herum? Links entlang? Ist der breitere Weg wirklich die Fortsetzung oder ist es in Wirklichkeit der schmale Pfad, den es weiter zu laufen gilt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcbertrage ich diese Betrachtungsweise, macht sie die Arbeit nicht weniger. Doch sie verhindert, dass gro\u00dfe Aktenberge un\u00fcberwindlich erscheinen und das <em>Tal der Tr\u00e4nen<\/em> (Standardfloskel aller Projektleiter:innen) endlos ist. \u201eTo cut the elephant into pieces\u201c hei\u00dft es im Englischen, um zu beschreiben, dass gro\u00dfe Aufgaben durch mehrere kleine handhabbar werden. Das erm\u00f6glicht das (innere) Feiern von Etappen. So wie auf einer Radtour an jedem Abend der gefahrenen Strecke mit allen ihren Schrecken und Freuden bei Tee, Wein oder Bier nachgeschmeckt wird, kann es auf der Arbeit hei\u00dfen: ich habe heute dieses Mosaiksteinchen, dieses Puzzlest\u00fcck an den richtigen Platz gesetzt und das ist unter Umst\u00e4nden mehr, als ich am Morgen noch erwartet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor allem kann die Betrachtung von Teilerfolgen die Gefahr einer schleichenden chronischen Unzufriedenheit mindern helfen. Diese versuchen manche Menschen durch \u00dcbereifer zu bek\u00e4mpfen. Doch dieser Kampf w\u00e4re der <em>Peter-Weg<\/em>:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Alle arbeiten bis zum Abgrund.<br>Nur nicht Peter, der schafft noch &#8217;nen Meter.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frei nach \u201eABC der Schadenfreude\u201c von Anke Kuhl und Martin Schmitz-Kuhl<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Tr\u00e4umen lief er noch durch die klare Alpenluft, doch tags\u00fcber war er wieder in der grauen Arbeitsh\u00f6lle gefangen. Der Urlaub, kaum 14 Tage her, erschien endlos weit weg und er biss die Z\u00e4hne zusammen, um alles zu erledigen, was ihm auf den Tisch gelegt wurde. 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