{"id":266,"date":"2012-03-18T12:30:22","date_gmt":"2012-03-18T11:30:22","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=266"},"modified":"2012-03-19T10:03:31","modified_gmt":"2012-03-19T09:03:31","slug":"nachhilfeunterricht-in-bangladesch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=266","title":{"rendered":"Nachhilfeunterricht in Bangladesch"},"content":{"rendered":"<p>Anfang M\u00e4rz begleitete ich eine Gruppe von IKEA Mitarbeitern nach Bangladesch. Dort besuchten wir Bildungsprojekte f\u00fcr Kinder und Jugendliche von Save the Children, die durch eine Spendenaktion unterst\u00fctzt werden. <strong>Statt Betroffenheits-Tourismus erlebte ich, wie ich reich beschenkt nach Hause zur\u00fcckkehrte.<\/strong> Ich hatte Nachhilfeunterricht in der Schule des Lebens bekommen.<\/p>\n<p>Bangladesch: eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt, rund acht Millionen Kinderarbeiter und \u00dcberschwemmungen in der Monsunzeit, Malariagebiete und hohe Tollwutrate, Slumviertel und zahllose Textilfabriken \u2013 was wir \u00fcber das Land zwischen Indien und Myanmar (Birma) wissen, klingt eher nach Depression als nach Inspiration. Stattdessen landete ich mitten in einem emsigen Bienenstock, in dem die Menschen mit allen Mitteln versuchten, die Schw\u00e4chen der Infrastruktur und die Probleme der Wirtschaft auszugleichen, um ihr Gl\u00fcck zu machen. <strong>Bunt wie Indien mit einer Melange aus hinduistischer Pr\u00e4gung und tolerantem Islam entzieht sich Bangladesch einfachen Urteilen.<\/strong><\/p>\n<p>Wir fuhren in <a href=\"http:\/\/maps.google.com\/maps\/ms?ie=UTF&amp;msa=0&amp;msid=212393532774215694805.0004bae6b644061c54957\" target=\"_blank\">die Berge bei Khagrachari&#x2197;<\/a>, um dort Vorschul- und Grundschulprojekte zu besuchen. Irgendwann wurde mir klar, dass ich auf der Landstra\u00dfe in der letzten Stunde jede Minute eine Gruppe oder Paare von Schulkindern gesehen habe, die in adretten Schuluniformen, die B\u00fccher unter den Arm geklemmt, mit Stolz und Freude kilometerweit zur Schule laufen. Da in dieser Region traditionelle Stammessprachen gesprochen werden, lernen die Kinder in der Vorschule ihre eigene Sprache zu lesen und zu schreiben und parallel die offizielle Landessprache Bangla, die in den weiterf\u00fchrenden Schulen unterrichtet wird. Bildung, das wird schnell klar, ist der einzige Weg, um aus dem Teufelskreis Armut \u2013 keine Schule \u2013 keine qualifizierte Arbeit \u2013 Armut herauszukommen.<\/p>\n<p>In der Hauptstadt Dhaka trafen wir Jugendliche, die neben ihrer Arbeit in Haushalten, Fabriken oder L\u00e4den eine Schulausbildung und eine Berufsausbildung machten. Durch diese Qualifizierung bekamen sie einen anst\u00e4ndig bezahlten Job oder machten sich selbst\u00e4ndig. <strong>Ich rede hier von Kindern, die arbeiten mussten, weil ihre Familien auf die Einkommen angewiesen waren, die sich aber quasi am eigenen Schopf aus der Armut herauszogen und eine langfristig stabile Perspektive aufbauten.<\/strong> Als Deutscher ist man schnell geneigt, moralisch \u00fcberheblich zu werden und solche Projekte als \u201eTropfen auf den hei\u00dfen Stein\u201c zu bezeichnen. Dort, in Bangladesch, ist die Schule, die Berufsausbildung f\u00fcr die Kinder ein \u201eSechser im Lotto\u201c. Dass ein Prozent der Stra\u00dfenkinder sogar einen Universit\u00e4tsabschluss schaffen, zeigt das enorme Potential, das in den Kindern liegt.<\/p>\n<p>Und dann ist da noch das Selbstwertgef\u00fchl. Das steigt automatisch durch das Lernen, durch die Entwicklung. Kinder verwalten einen Freizeitclub selbst und setzen sich pers\u00f6nlich f\u00fcr die Kinderrechte bei Firmen und Dienstherren ein, wenn sie erfahren, dass Kinder schlecht behandelt wurden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float: right; width: 160px; height: 131px; margin-left: 25px; margin-bottom: 10px; margin-top: 4px;\" src=\"http:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/bangla160x131.gif\" alt=\"Bangladesch beschenkte mich reich\" \/><strong>Nach f\u00fcnf Tagen in Bangladesch f\u00fchle ich mich reich beschenkt:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Mit der unb\u00e4ndigen Freude und Energie am Lernen, die die Kinder haben.<\/li>\n<li>Mit Respekt vor ihrer Leistung und ihrem Willen.<\/li>\n<li>Mit selbstgemachten Geschenken, die von Herzen kamen und die wertvollsten Teile meines Reisegep\u00e4cks wurden.<\/li>\n<li>Mit Demut und Dankbarkeit f\u00fcr meine privilegierte Lebensumst\u00e4nde.<\/li>\n<li>Und mit der Erkenntnis, dass es immer irgendwie weiter geht, auch wenn die Umst\u00e4nde \/ Stra\u00dfen \/ Finanzen wie un\u00fcberwindbare Hindernisse wirken.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wer mehr \u00fcber die Reise wissen will, kann in einem <a href=\"http:\/\/blog.ikeafoundation.org\/tag\/bangladesh\/\" target=\"_blank\">Blog der IKEA Foundation&#x2197;<\/a> nachlesen. Wer sich engagieren will, schreibe mir eine E-Mail.<\/p>\n<h1>Vorschau<\/h1>\n<p>Bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen werden intimste Geheimnisse offenbar. Ich meine weder den Inhalt des Kulturbeutels noch W\u00e4schedetails, sondern die pers\u00f6nlichen Dinge, die Menschen auf eine Reise mitnehmen. Warum mag wohl ein gestandener Gesch\u00e4ftsmann einen Teddyb\u00e4ren in seinem Samsonite Rollkoffer dabei haben? Mehr dazu am 31. M\u00e4rz, hier in meinem Blog.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang M\u00e4rz begleitete ich eine Gruppe von IKEA Mitarbeitern nach Bangladesch. Dort besuchten wir Bildungsprojekte f\u00fcr Kinder und Jugendliche von Save the Children, die durch eine Spendenaktion unterst\u00fctzt werden. Statt Betroffenheits-Tourismus erlebte ich, wie ich reich beschenkt nach Hause zur\u00fcckkehrte. Ich hatte Nachhilfeunterricht in der Schule des Lebens bekommen. 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