{"id":283,"date":"2012-03-31T19:00:37","date_gmt":"2012-03-31T17:00:37","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=283"},"modified":"2012-03-31T19:15:51","modified_gmt":"2012-03-31T17:15:51","slug":"alleine-in-fremden-hotelbetten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=283","title":{"rendered":"Alleine in fremden Hotelbetten"},"content":{"rendered":"<p>Sicherheitskontrolle am Flughafen: Ein Herr, die Haare so anthrazitgrau wie sein Anzug, muss sein Handgep\u00e4ck \u00f6ffnen. Routiniert zieht er den Rei\u00dfverschluss seines Samsonites auf und da quillt auch schon das mokkabraune Kuschelfell eines abgeliebten Teddyb\u00e4ren heraus. <strong>Ich beneidete ihn um seine Souver\u00e4nit\u00e4t<\/strong>, denn die Situation war ihm mitnichten peinlich.<\/p>\n<p>Es gab eine Zeit, da sah man meinem Hotelzimmer kaum an, dass ich darin wohnte. Sobald ich das Zimmer morgens verlie\u00df, war der Kulturbeutel im Koffer verstaut ebenso wie meine pers\u00f6nliche Habe, Kleidung und Schuhe. Nur das schon halb von mir gemachte Bett zeigte: hier lebt ein Mensch. <strong>Von au\u00dfen betrachtet schien ich auf der Flucht zu sein.<\/strong> Dabei ist ein Hotelzimmer f\u00fcr die Dauer des Aufenthaltes mein ganz pers\u00f6nlicher R\u00fcckzugsraum, mein Refugium, in dem ich mich von Seminaren, Sitzungen und Smalltalk erholen kann. Weil ich auch selten gut in Hotelzimmern schlief, wurden die Hotelzimmer und ich nie gute Freunde. Neben den \u201eFl\u00fcchtlingen\u201c scheint es jedoch auch eine andere Spezies von Hotelg\u00e4sten zu geben: die \u201eNomaden\u201c. Sie verteilen sofort alles Wichtige im Zimmer und machen daraus ihre Wohnstatt auf Zeit. Die an und f\u00fcr sich immer identischen Hotelzimmer strahlen dadurch die Pers\u00f6nlichkeit des Gastes aus. Diese Leute scheinen nachts auch besser zu schlafen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float: right; width: 160px; height: 190px; margin-left: 25px; margin-bottom: 10px; margin-top: 4px;\" src=\"http:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/fremdeshotel160x190.gif\" alt=\"Aus einem Hotelzimmer wird mein Hotelzimmer\" \/>Irgendwann begann ich, beim Beziehen eines Hotelzimmers meine Haltung zu \u00e4ndern. Ich sagte mir: <strong>\u201eDas wird mein Raum sein f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage und ich will ihn so f\u00fcr mich gestalten, dass ich mich abends darauf freue, dort hinein zu gehen.\u201c<\/strong> Es fing an mit Musik und einem Lautsprecher f\u00fcr den MP3-Spieler, es folgte ein Teelicht f\u00fcr lebendiges Licht, kleine Dinge, die mich an zu Hause und meine Frau erinnern. Und schlie\u00dflich auch mein Teddyb\u00e4r, den mir meine Schwester zum 18. Geburtstag mit den Worten schenkte: \u201eAuch wenn Du jetzt erwachsen bist, brauchst Du jemanden, der Dich begleitet.\u201c<\/p>\n<p>Der Erfolg stellte sich schnell ein: ich f\u00fchle mich wohl an Orten, an denen sonst nichts Herzerw\u00e4rmendes zu finden ist. Ich erhole mich besser an den Abenden und gehe morgens geerdet und gest\u00e4rkt in den Tag. Ich schlafe besser.<\/p>\n<p><strong>Vor\u00fcbergehend schlage ich mein Zelt woanders auf, mein Zelt und nicht irgendein Zelt.<\/strong><\/p>\n<p>Manchmal jedoch schafft es der B\u00e4r nicht in den Koffer, weil ich auch f\u00fcr drei Tage nur Handgep\u00e4ck mitnehmen mag. Freunde wandten ein, ich k\u00f6nne den B\u00e4ren doch auch im Arm tragen, dem w\u00fcrde das gefallen. Das geht mir dann doch ein bisschen zu weit. Meine Pers\u00f6nlichkeit blo\u00dflegen bei der Sicherheitskontrolle: sch\u00f6n und gut. Aber nicht in aller \u00d6ffentlichkeit am Abfluggate. Obwohl: damit ergeben sich bestimmt spannende Gespr\u00e4che beim Boarding &#8230;<\/p>\n<h1>Vorschau<\/h1>\n<p>Das Arbeitsleben gleicht einem Schuhladen. Da wird einem laufend angetragen, sich doch bittesch\u00f6n diesen oder jenen Schuh anzuziehen. Die meisten Schuhe passen nicht, trotzdem enden viele Tage mit einem Sack von Schuhen, die zu gro\u00df oder zu klein sind, f\u00fcr jemanden anderen bestimmt oder vergiftet sind. Kommen Sie mit zur Anprobe, am 14. April, hier auf meinem Blog.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sicherheitskontrolle am Flughafen: Ein Herr, die Haare so anthrazitgrau wie sein Anzug, muss sein Handgep\u00e4ck \u00f6ffnen. Routiniert zieht er den Rei\u00dfverschluss seines Samsonites auf und da quillt auch schon das mokkabraune Kuschelfell eines abgeliebten Teddyb\u00e4ren heraus. Ich beneidete ihn um seine Souver\u00e4nit\u00e4t, denn die Situation war ihm mitnichten peinlich. 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