{"id":435,"date":"2012-09-17T21:00:49","date_gmt":"2012-09-17T19:00:49","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=435"},"modified":"2014-09-21T19:36:41","modified_gmt":"2014-09-21T17:36:41","slug":"schicht-fur-schicht-verschleiere-ich-meine-meinung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=435","title":{"rendered":"Schicht f\u00fcr Schicht verschleiere ich meine Meinung"},"content":{"rendered":"<p>Neulich im Museum h\u00f6rte ich vor einem Kunstwerk: \u201eEigentlich gar nicht mal so \u00fcbel, das Ding hier. Das muss man jetzt mal zugeben.\u201c <strong>Aber hallo, da war ja ein echter Sprachk\u00fcnstler am Werk!<\/strong> Er schmiss eine Burka aus F\u00fcllworten und Abschw\u00e4chungen \u00fcber den Kern der Aussage, bis der nicht mehr zu erkennen war. Einmal darauf aufmerksam geworden fielen mir zu meinem Entsetzen unz\u00e4hlige Verschleierungsworte auch in meinem t\u00e4glichen Sprachgebrauch auf.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float: right; width: 160px; height: 128px; margin-left: 25px; margin-bottom: 10px; margin-top: 4px;\" src=\"http:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/sprachschleier160x128.gif\" alt=\"unz\u00e4hlige Verschleierungss\u00e4tze in meinem t\u00e4glichen Sprachgebrauch\" \/><strong>Ich ertappte mich dabei, dass sich wieder das Wort \u201em\u00fcssen\u201c bei mir breitgemacht hatte.<\/strong> Dabei hatte ich es vor Jahren erfolgreich zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, als eine IKEA Werbekampagne im fiktiven Ort \u201eM\u00fcssen\u201c spielte. Dort herrschten gesellschaftliche Zw\u00e4nge und das echte Leben hatte keine Chance. Vor den Einrichtungsh\u00e4usern gab es Schilder, wie sie am Ortsausgang stehen. Hier endete \u201eM\u00fcssen\u201c, der n\u00e4chste Ort ist \u201eK\u00f6nnen\u201c. Ich begann damals, \u201em\u00fcssen\u201c zu ersetzen durch \u201em\u00f6gen\u201c, \u201ewollen\u201c, \u201ek\u00f6nnen\u201c, \u201evorhaben\u201c, \u201ew\u00fcnschen\u201c \u2013 je nachdem, was ich wirklich zum Ausdruck bringen wollte. Denn der Klang der Worte ver\u00e4ndert etwas im Kopf und im Herzen. \u201eIch muss dringend mal aufr\u00e4umen\u201c klingt <strong>gezwungen und fremdgesteuert<\/strong>. Mit \u201eIch m\u00f6chte jetzt endlich aufr\u00e4umen\u201c habe ich das Heft des Handels noch in der Hand. Wie oft sage ich am Tag \u201eIch muss\u201c?<\/p>\n<p>Durch das Erlebnis im Museum richtete nun mein Augenmerk auf <strong>andere beliebte Schleierworte<\/strong>:<\/p>\n<ul>\n<li>\u201eIch <em>w\u00fcrde<\/em> sagen &#8230;\u201c \u2013 sage ich es nun oder sage ich es nicht?<\/li>\n<li>\u201e<em>Eigentlich<\/em> wollte ich &#8230;\u201c \u2013 und uneigentlich, was will ich?<\/li>\n<li>\u201e<em>Irgendwann<\/em> sollten <em>wir<\/em> das mal angehen &#8230;\u201c \u2013 ich liebe diesen komplexen Klassiker! \u201eIrgendwann\u201c verschiebt das Vorhaben in eine unbestimmte Zukunft und macht es vornherein unwichtig. Und was bedeutet hier \u201ewir\u201c? Ist das ein \u201eDu-wir\u201c (Du machst es), ein \u201eIch-wir\u201c (Ich mache es) oder ein \u201eWir-wir\u201c (Wir machen es und ich \u00fcbernehme die F\u00fchrung)?<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u201eDiese Liste ist nicht \u00fcbel f\u00fcr den Anfang\u201c und meine damit \u201eDiese Liste finde ich f\u00fcr den Anfang gut\u201c. <strong>Das Wort \u201enicht\u201c wird vom Gehirn im \u00dcbrigen schlecht verarbeitet.<\/strong> Probieren Sie es aus und versuchen jetzt eine Minute lang nicht an einen blauen Elefanten zu denken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und? Wie sah er aus, Ihr Elefant? War er blau?<\/p>\n<p>Das Wort \u201enicht\u201c wird vom Gehirn schlichtweg \u201e\u00fcberh\u00f6rt\u201c. Daher empfehlen erfahrene Erzieher, den Kindern statt Verboten positiv besetzte Alternativen zu geben. Statt: \u201eDie F\u00fc\u00dfe geh\u00f6ren nicht auf den Tisch\u201c zu sagen: \u201eDie F\u00fc\u00dfe bleiben auf dem Boden\u201c. Verbote werden nicht funktionieren, wenn die Eltern ihre Vorstellung nicht positiv formulieren. Ist Ihnen dieser Satz zu kompliziert, streichen Sie die beiden \u201enicht\u201c einfach durch.<\/p>\n<p><strong>Sollten Sie es ausprobieren und Camouflage-S\u00e4tze vermeiden, seien Sie gewarnt:<\/strong> Manche Menschen haben solange Versteck mit ihren Aussagen gespielt, dass sie es verlernt haben, eine klare Meinung zu sagen oder zu h\u00f6ren. Schade eigentlich.<\/p>\n<h1>Vorschau<\/h1>\n<p>Es wird Zeit, dass ich Ihnen ein gro\u00dfes Vorbild vorstelle. Sie wohnt unter uns, wird bald 89, ist geistig immer noch topfit und in der Regel sehr vergn\u00fcgt. Einer ihrer Grunds\u00e4tze ist n\u00e4mlich \u201eEs ist nichts so schlecht, dass es nicht f\u00fcr etwas gut w\u00e4re.\u201c Sie gewinnt den Umst\u00e4nden m\u00f6glichst immer noch was Positives ab und mit 88 sind die Umst\u00e4nde oft eine gro\u00dfe Herausforderung. Damit ist sie eine Meisterin im \u201eRe-framing\u201c, einer Methode aus dem systemischen Coaching. Und das, obwohl ihr der Begriff sicher unbekannt ist. Lernen Sie sie kennen, am 30. September, hier auf meinem Blog.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neulich im Museum h\u00f6rte ich vor einem Kunstwerk: \u201eEigentlich gar nicht mal so \u00fcbel, das Ding hier. Das muss man jetzt mal zugeben.\u201c Aber hallo, da war ja ein echter Sprachk\u00fcnstler am Werk! Er schmiss eine Burka aus F\u00fcllworten und Abschw\u00e4chungen \u00fcber den Kern der Aussage, bis der nicht mehr zu erkennen war. 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