{"id":453,"date":"2012-10-01T21:00:49","date_gmt":"2012-10-01T19:00:49","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=453"},"modified":"2012-10-01T21:31:49","modified_gmt":"2012-10-01T19:31:49","slug":"die-meisterin-auf-dem-sofa","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=453","title":{"rendered":"Die Meisterin auf dem Sofa"},"content":{"rendered":"<p>Als ich vor \u00fcber zwanzig Jahren im Zivildienst war, lernte ich einen alten Herrn in seinen Achtzigern kennen, der \u2013 ohne dass er es wollte \u2013 eine Lebenshoffnung in mir zum Zerplatzen brachte. <strong>Ich wollte im Alter endlich ruhig und gelassen sein.<\/strong> Das, so sagte er, habe er auch immer gehofft. Aber er sei es bis heute nicht. Ich fragte mich: Wenn das Alter keine Ruhe und Weisheit bringt, was dann?<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float: right; width: 160px; height: 125px; margin-left: 25px; margin-bottom: 10px; margin-top: 4px;\" src=\"http:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/meisterinsofa160x125.gif\" alt=\"es iss nix so schlescht dass es net f\u00fcr was gud w\u00e4r\" \/>Es wird Zeit, dass ich Ihnen ein gro\u00dfes Vorbild von mir vorstelle. Emmi wohnt unter uns, wird bald 89, ist geistig immer noch topfit und in der Regel sehr vergn\u00fcgt. Sie ist liebreizend, freundlich, lacht viel, bejaht das Leben und <strong>manchmal scheint ein junges M\u00e4dchen auf dem alten Wohnzimmersofa zu sitzen<\/strong> und nicht eine Frau mit R\u00fcckenschmerzen, kaputten Knien und auf einen Gehstock angewiesen. So m\u00f6chte ich auch mit Achtzig sein!<\/p>\n<p>Eine solche Lebenseinstellung kann sich niemand im hohen Alter einfach zulegen, das ist jahrzehntelange \u00dcbung. Emmi wurde 1923 geboren und hat entbehrungsreiche Zeiten erlebt. Und \u00fcberlebt \u2013 auch deshalb, weil sie das Beste aus den gegebenen Situationen machte. Sie konnte die Welt um sie herum nicht ver\u00e4ndern, aber ihre Haltung dazu. Sie hat die Chancen gesucht und gefunden, die als Kern noch in jeder Krise stecken. <strong>\u201eEs iss nix so schlescht dass es net f\u00fcr was gud w\u00e4r\u201c mag abgedroschen klingen, doch nicht aus ihrem Mund.<\/strong> Sie gewinnt den Umst\u00e4nden m\u00f6glichst immer noch was Positives ab und in ihrem Alter sind die Umst\u00e4nde oft eine gro\u00dfe Herausforderung. Damit ist sie eine Meisterin im \u201eRe-framing\u201c, einer Methode aus dem Systemischen Coaching. Und das, obwohl ihr der Begriff sicher unbekannt ist.<\/p>\n<p><strong>Beim Re-framing ver\u00e4ndere ich den Bezugsrahmen, in dem eine Situation steckt:<\/strong> Was aus meiner Perspektive \u201eschlecht\u201c ist, macht f\u00fcr andere durchaus Sinn oder hat eine positive Bedeutung f\u00fcr mein Gegen\u00fcber. Ich kann nun versuchen, meinen Blickwinkel zu ver\u00e4ndern und werde damit wahrscheinlich Dinge entdecken, denen auch ich etwas Positives abgewinnen kann. Durch Re-framing schaffe ich mir Raum f\u00fcr Handlungsoptionen und Freiheit f\u00fcr Entscheidungen.<\/p>\n<p>Eine winzige \u00dcbung f\u00e4llt mir dazu ein: Ich habe auf unz\u00e4hligen Reisen fotografiert und in fremden Orten einen Diarahmen in der Hosentasche gehabt. Bevor ich ein Foto gemacht habe, habe ich mir einfach <strong>den Diarahmen vor die Augen gehalten, ihn hin und her bewegt, den Ausschnitt ver\u00e4ndert, Dinge in neue Beziehung zueinander gestellt oder voneinander getrennt<\/strong> und dabei neue, spannende Perspektiven entdeckt. Manchmal habe ich auch gemerkt, dass angeblich sch\u00f6ne, spannende Motive durch den Rahmen betrachtet stinklangweilig sind. Erst mit meiner pers\u00f6nlichen Note, meinem gew\u00e4hlten Ausschnitt ein paar Schritte weiter wurde der Eiffelturm zu meinem ganz pers\u00f6nlichen Lieblingsmotiv. Wer keinen Diarahmen hat, nehme einfach Daumen und Zeigefinger der beiden H\u00e4nde. \u00d6fters mal den Rahmen vorgehalten und neu ausgerichtet \u2013 und die Welt erscheint in neuen Zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<h1>Vorschau<\/h1>\n<p>Neulich sa\u00dfen wir mit einem befreundeten Ehepaar in einem Stra\u00dfencaf\u00e9 einer reichen gediegenen Kleinstadt. An uns flanierten die Menschen vorbei, da sagte unsere Freundin: \u201eSchaut mal, lauter gelangweiltes Geld!\u201c Als ich kurz darauf in einem Museum eine Karte mit dem Spruch \u201eGeiz und Gl\u00fcck werden sich niemals kennenlernen\u201c fand, erinnerte ich mich an das gelangweilte Geld. In welcher Verbindung stehen Geiz, Gl\u00fcck, Geld und Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und was hat das mit einem Gef\u00e4ngnis zu tun? Am 14. Oktober k\u00f6nnen Sie mehr \u00fcber diese \u201eF\u00fcnf G\u201c erfahren, hier auf meinem Blog.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich vor \u00fcber zwanzig Jahren im Zivildienst war, lernte ich einen alten Herrn in seinen Achtzigern kennen, der \u2013 ohne dass er es wollte \u2013 eine Lebenshoffnung in mir zum Zerplatzen brachte. Ich wollte im Alter endlich ruhig und gelassen sein. Das, so sagte er, habe er auch immer gehofft. Aber er sei es [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,5,7],"tags":[18,13],"class_list":["post-453","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-work","category-friends-n-family","category-justme","tag-inneresteam","tag-liebe"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/453","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=453"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/453\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":460,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/453\/revisions\/460"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=453"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=453"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=453"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}