{"id":547,"date":"2013-03-03T20:30:31","date_gmt":"2013-03-03T19:30:31","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=547"},"modified":"2013-03-03T20:55:47","modified_gmt":"2013-03-03T19:55:47","slug":"beim-lasterfasten-kann-ich-nicht-schummeln","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=547","title":{"rendered":"Beim L\u00e4sterfasten kann ich nicht schummeln"},"content":{"rendered":"<p>Die zweite gro\u00dfe Gute-Tat-Saison des Jahres l\u00e4uft. Seit Aschermittwoch wird wieder gefastet: kein Alkohol (zumindest keine harten Sachen), keine S\u00fc\u00dfigkeiten (wenigstens keine Schokolade ab 10 Uhr morgens), kein Fleisch (Wurst ist ok) \u2013 <strong>dem (Selbst-) Betrug sind T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet<\/strong>. Ich kenne das von mir selbst, doch jetzt faste ich \u201eL\u00e4stern\u201c. Wie sieht meine Halbzeitbilanz aus?<\/p>\n<p>Zwei Klassiker der Termine f\u00fcr gute Vors\u00e4tze gibt es im Jahr: den 1. Januar und Aschermittwoch. Der Anlass mag verschieden sein, doch es gibt oft genug \u00dcberschneidungen in den Vors\u00e4tzen. Und ebenso gemeinsame Betrugstechniken. Vor Jahren probierte ich, in der Fastenzeit keine S\u00fc\u00dfigkeiten zu essen. Die ersten zwei, drei Tage fiel es mir schwer, weil ich zu bestimmten Anl\u00e4ssen ganz automatisch zu Schokolade griff. <strong>Sie sind mir erst dadurch bewusst wurden, dass ich eben nicht zugreifen durfte<\/strong>: die Kaffeepausen, die Belohnung aus dem K\u00fchlschrank f\u00fcr einen anstrengenden Tag, \u2026 Dann kam ich in den \u201eFlow\u201c: drei, vier Wochen lang lief es gut. Doch in der zweiten H\u00e4lfte fiel es mir zunehmend schwerer, mich an meinen Vorsatz zu halten. Ich hatte doch schon so viel erreicht, ich k\u00f6nnte doch ein St\u00fcck Kuchen essen (K\u00e4sekuchen, denn da ist ja keine Schokolade drin). Und je n\u00e4her Ostern r\u00fcckte, die Schokoladenpr\u00e4sentationen allgegenw\u00e4rtig wurden, umso schwerer hielt ich durch. Kurz und gut: geschafft hatte ich es nie. <strong>Ich habe mich jedes Jahr um den Fastenerfolg gebracht.<\/strong> Die Konsequenz: ich h\u00e4ngte zuk\u00fcnftig mein Ziel weniger hoch. Im n\u00e4chsten Jahr nahm ich mir lediglich vor: keine Schokolade, aber Kekse sind erlaubt. Eine Kollegin erz\u00e4hlte: das Nutellabrot zum Fr\u00fchst\u00fcck sei vom Fastenvorsatz nat\u00fcrlich ausgenommen.<\/p>\n<p>Mir fiel aber auf, welche Gewohnheit hinter dem Schokoladenkonsum steckte. Manchmal wollte ich mich \u2013 zu Recht \u2013 belohnen, oft war es einfach nur Sucht. Da ich mir die Belohnung nicht versagen wollte, aber das Suchtpotential entlarven wollte, suchte ich nach einem neuen Fastenziel. <strong>Und fand es in einer Verhaltensweise, die sich haupts\u00e4chlich im Kopf abspielt: dem L\u00e4stern.<\/strong> Bei der Kaffeepause mit Kollegen (mit oder ohne Schokolade) geht es doch oft um das L\u00e4stern \u00fcber einen gemeinsamen \u201eFeind\u201c, eine ungeliebte Abteilung oder eine einzelne Person. Da gibt ein Wort das andere, wie in einer sich selbst verst\u00e4rkenden Spirale schraubt man sich von B\u00f6sartigkeit zu B\u00f6sartigkeit. Damit wollte ich Schluss machen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float: right; width: 160px; height: 128px; margin-left: 25px; margin-bottom: 10px; margin-top: 4px;\" src=\"http:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/laesterfasten160x128.gif\" alt=\"Laesterfasten ohne schummeln\" \/>Oh, wie schwer das ist! Denn nur ein Bruchteil dessen, was in meinem Kopf ist, kommt auch durch meinen Mund nach drau\u00dfen. Auch wenn ich schwieg, l\u00e4sterte ich im Stillen mit. <strong>Diese innere Kakophonie wollte und musste ich beruhigen.<\/strong> Zum Schweigen verdammt fiel mir irgendwann auf, dass ich hin und wieder die Position des potentiellen L\u00e4steropfers einnahm. Au\u00dferdem fragte ich mich: geht es mich \u00fcberhaupt etwas an, wor\u00fcber hier gerade gel\u00e4stert wird?<\/p>\n<p>So manchen Knallerspruch habe ich runtergeschluckt, aber <strong>im Laufe der Fastenzeit wurde ich innerlich ruhiger<\/strong>. Friedlicher, positiver, gelassener. Jetzt ist Halbzeit und ich stelle mir die Frage, wo L\u00e4stern eigentlich beginnt. L\u00e4stern macht mir gar nicht so viel Spa\u00df, wie ich dachte. Vergiftet L\u00e4stern gar mein Herz?<\/p>\n<p>Ich versuche das mit dem L\u00e4sterfasten mittlerweile seit drei Jahren und merke, <strong>dass es mir von Jahr zu Jahr leichter f\u00e4llt<\/strong>. Das ist \u00fcbrigens ein Erfolg, der sich beim Schokoladenfasten nie eingestellt hatte.<\/p>\n<h1>Vorschau<\/h1>\n<p>Die Tage werden l\u00e4nger, die Temperaturen steigen und nun sieht man sie wieder in den Bars oder Stra\u00dfencaf\u00e9s eifrig nach der Bewunderung und der Aufmerksamkeit des Gegen\u00fcbers fischen: Menschen auf der Balz. Manchmal wirkt das wie ein Eroberungsfeldzug, bei dem er sie, sie ihn, er ihn oder sie sie \u00fcberrollt mit selbstzentriertem Geschw\u00e4tzdonner. Dabei geht es doch um Gef\u00fchle, nicht um L\u00e4ndereien wie bei den Konquistadoren \u2013 oder habe ich da etwas missverstanden? Folgen Sie meiner Entdeckungstour am 24. M\u00e4rz, hier auf meinem Blog.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die zweite gro\u00dfe Gute-Tat-Saison des Jahres l\u00e4uft. Seit Aschermittwoch wird wieder gefastet: kein Alkohol (zumindest keine harten Sachen), keine S\u00fc\u00dfigkeiten (wenigstens keine Schokolade ab 10 Uhr morgens), kein Fleisch (Wurst ist ok) \u2013 dem (Selbst-) Betrug sind T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet. Ich kenne das von mir selbst, doch jetzt faste ich \u201eL\u00e4stern\u201c. 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