{"id":629,"date":"2013-06-30T18:00:59","date_gmt":"2013-06-30T16:00:59","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=629"},"modified":"2014-09-21T19:35:46","modified_gmt":"2014-09-21T17:35:46","slug":"darf-ich-andere-in-ihr-ungluck-laufen-lassen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=629","title":{"rendered":"Darf ich Andere in ihr Ungl\u00fcck laufen lassen?"},"content":{"rendered":"<p>Die Abteilungsleiterin war wie immer in Eile, als der Kollege sie auf dem Flur erwischte und um einen Termin f\u00fcr die Vorbereitung der Strategiepr\u00e4sentation bat. Komplett ausgebucht sei sie kommenden Wochen, <strong>ihr Blick erinnerte ihn an ein gehetztes Reh.<\/strong> Als sie dann noch sagte: \u201eBitte nicht b\u00f6se sein, das ist nicht pers\u00f6nlich gemeint!\u201c kam er ins Gr\u00fcbeln. Wie um alles in der Welt kommt dieser Satz zustande? Er weckte in ihm Mitleid und den Wunsch, zu tr\u00f6sten und zu helfen. Doch wie? Und steht ihm das \u00fcberhaupt zu?<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float: right; width: 160px; height: 153px; margin-left: 25px; margin-bottom: 10px; margin-top: 4px;\" src=\"http:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/klippenrand160x153.gif\" alt=\"Manche tanzen gerne auf dem Rand einer Klippe\" \/>Von Au\u00dfen betrachtet erscheint es, als ob manche Menschen haarscharf an einer Klippe entlang balancieren, immer kurz vor dem Absturz hinein in einen k\u00f6rperlichen oder psychischen Zusammenbruch.\u00a0 M\u00f6chte ich eingreifen? Darf ich aktiv werden? Oder muss ich gar besch\u00fctzen?<\/p>\n<p>Die Frage, ob ich eingreifen <em>m\u00f6chte<\/em>, ist in der Regel von der Sympathie abh\u00e4ngig, die ich f\u00fcr die andere Person empfinde. <strong>Leute, die ich eh nicht leiden kann, lasse ich viel leichter in ihr Ungl\u00fcck laufen<\/strong> als Menschen, denen ich mich nahe oder verbunden f\u00fchle.<\/p>\n<p>Die Frage, ob ich eingreifen <em>darf<\/em>, h\u00e4ngt meiner Meinung nach davon ab, ob ich dazu den Auftrag oder die Erlaubnis habe. Ein Vorgesetzter hat eine Sorgepflicht, die sich oft aus einer Leitidee f\u00fcr Mitarbeiterf\u00fchrung ergibt. Sie ist der <strong>Auftrag<\/strong>, Klippeng\u00e4ngern eine R\u00fcckmeldung zu geben und f\u00fcr ihre Entlastung zu sorgen, so dass sie mehr Abstand zum Steilhang bekommen. Und das unabh\u00e4ngig von etwaiger Sympathie oder Antipathie.<\/p>\n<p>Die <strong>Erlaubnis<\/strong> einzugreifen bekommen Au\u00dfenstehende nur durch die Person selbst, die in der scheinbar kritischen Situation ist. Am ehesten haben die Erlaubnis noch Partner, Freunde und Familie, aber allerwenigsten jedoch Kollegen. Selbst Bekundungen die \u00fcber das \u00fcbliche \u201eSie haben im Moment wirklich viel zu tun\u201c hinausgehen, k\u00f6nnen als \u201e\u00fcbergriffig\u201c angesehen werden. Denn: ist meine Wahrnehmung gerechtfertigt? F\u00fchlt sich mein Gegen\u00fcber denn \u00fcberhaupt am Klippenrand? Und will mein Gegen\u00fcber dazu etwas h\u00f6ren? Und in der Selbstreflektion: Ist mein \u201eUngl\u00fccksempfinden\u201c identisch mit dem Ungl\u00fccksempfinden des Anderen? Mein Ungl\u00fcck ist schlie\u00dflich nicht ihr Ungl\u00fcck und ihr Ungl\u00fcck ist nicht mein Ungl\u00fcck.<\/p>\n<p>In der Konsequenz hei\u00dft das: ich muss Menschen sehenden Auges in \u201eihr Ungl\u00fcck\u201c laufen lassen, wenn ich nicht den Auftrag oder ihre Erlaubnis habe, einzugreifen.<\/p>\n<p><strong>\u201eTakt besteht darin, dass man wei\u00df, wie weit man zu weit gehen darf.\u201c<\/strong><br \/>\nJean Cocteau (1889 \u2013 1963), franz. Schriftsteller, Regisseur und Maler.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Abteilungsleiterin war wie immer in Eile, als der Kollege sie auf dem Flur erwischte und um einen Termin f\u00fcr die Vorbereitung der Strategiepr\u00e4sentation bat. Komplett ausgebucht sei sie kommenden Wochen, ihr Blick erinnerte ihn an ein gehetztes Reh. Als sie dann noch sagte: \u201eBitte nicht b\u00f6se sein, das ist nicht pers\u00f6nlich gemeint!\u201c kam er [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,5],"tags":[31,10,19],"class_list":["post-629","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-work","category-friends-n-family","tag-abgrenzschu","tag-empathie","tag-komquadrat"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/629","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=629"}],"version-history":[{"count":8,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/629\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":635,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/629\/revisions\/635"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=629"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=629"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=629"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}