{"id":669,"date":"2013-09-01T12:44:59","date_gmt":"2013-09-01T10:44:59","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=669"},"modified":"2013-09-01T15:03:05","modified_gmt":"2013-09-01T13:03:05","slug":"der-projektleiter-hort-mir-aktiv-nicht-zu","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=669","title":{"rendered":"Der Projektleiter h\u00f6rt mir aktiv nicht zu"},"content":{"rendered":"<p>Der Mitarbeiter kam frustriert vom Projektleiter zur\u00fcck. Er hatte ihm sein Leid geklagt: die Aufgaben seien zu viel, die Arbeit nicht mehr zu schaffen und die Fehler h\u00e4uften sich. Der Projektleiter hatte ihm mit \u201eDann organisieren Sie sich besser, die Arbeit muss gemacht werden\u201c geantwortet. Der Mitarbeiter fragte sich: \u201eIst der denn taub?\u201c <strong>Ja, auf einem seiner vier Ohren ist der Projektleiter taub.<\/strong> Vier Ohren??<\/p>\n<p>Alles, was wir \u00e4u\u00dfern, enth\u00e4lt vier Anteile: Eine Sachbotschaft wie \u00fcberpr\u00fcfbare Daten und Fakten. Ich teile auch immer etwas von mir mit, von meinem Empfinden. Wie ich etwas sage, dr\u00fcckt als Drittes etwas \u00fcber die Beziehung aus, die ich zwischen mir und dem Empf\u00e4nger der Botschaft sehe (einen Chef spreche ich anders an als einen Freund). Und schlie\u00dflich verbinde ich auch einen Appell mit dem, was ich sage. <strong>So gesehen hat jeder Mensch vier Schn\u00e4bel, mit denen er spricht und vier Ohren, mit denen er h\u00f6rt<\/strong> \u2013 f\u00fcr jeden Anteil einen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float: right; width: 200px; height: 124px; margin-left: 25px; margin-bottom: 10px; margin-top: 4px;\" src=\"http:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/aktivesnichtzuhoeren200x124.gif\" alt=\"Der Projektleiter ist auf einem Ohr taub\" \/>Die Aufgabe eines Projektleiters ist es, das Projekt zu strukturieren, es voran zu treiben und notwendige Entscheidungen zu treffen. Aus dieser \u00fcbergeordneten Position heraus will oder kann er es sich nicht leisten, in die Tiefen des Projektes hineingezogen zu werden, wo die emotionalen oder fachspezifischen Fallen lauern. <strong>Entsprechend sind seine Ohren geschult.<\/strong><\/p>\n<p>Hilferufe, wie sie der Mitarbeiter abgesetzt hat, enthalten ganz viel Emotionen: \u201eIch bin \u00fcberlastet, ich kann nicht mehr, \u2026\u201c Und sie fordern den Chef auf, etwas zu tun. Egal was, Hauptsache, etwas \u00e4ndert sich. Damit kann der Projektleiter nicht viel anfangen. Im Gegenteil: so viele Gef\u00fchle k\u00f6nnen sehr be\u00e4ngstigend sein. <strong>Es menschelt, doch er will Fakten<\/strong>, n\u00f6tigenfalls auch einen konkreten \u00c4nderungsauftrag. Was f\u00fcr den Mitarbeiter wirkt, als h\u00e4tte <strong>der Chef erfolgreich einen Kurs im aktiven Nicht-Zuh\u00f6ren belegt<\/strong>, kann auch so erkl\u00e4rt werden: Dass der Mitarbeiter etwas sagt, was der Leiter nicht h\u00f6ren kann \u2013 weil die passenden Schn\u00e4bel nicht benutzt und die angesprochenen Ohren nicht geschult sind.<\/p>\n<p>Eine L\u00f6sung f\u00fcr den Mitarbeiter k\u00f6nnte sein, sich besser auf das Gespr\u00e4ch vorzubereiten, in dem er Fakten sammelt. Welche Aufgaben ben\u00f6tigen wie viel Zeit, welche Ressourcen stehen (nicht) zur Verf\u00fcgung, was ist das Konkrete, was sich daraus ergibt und angepackt werden muss? Mir scheint, dass es manchmal an dieser <strong>\u201etrockenen\u201c faktenbasierten Vorbereitung<\/strong> mangelt, wenn Hilfegesuche an h\u00f6herer Stelle gestellt werden. Wenn dann auch noch vom Mitarbeiter ein Satz kommt wie \u201eIch k\u00f6nnte probieren, ob ich die Arbeit noch besser strukturieren kann\u201c h\u00f6rt der Projektleiter nur: \u201eProblem gel\u00f6st\u201c.<\/p>\n<p><strong>\u201eWas nicht auf eine Schreibmaschinen-Seite passt, ist weder durchdacht noch entscheidungsreif.\u201c<\/strong><br \/>\nDwight D. Eisenhower (1890-1969), 34. Pr\u00e4sident der USA<\/p>\n<h1>Mehr zum Thema<\/h1>\n<ul>\n<li>Auf welchen Ebenen sich Kommunikation abspielt, wie sie eingesetzt werden k\u00f6nnen und wie eigene blinde Flecken bei Gespr\u00e4chen sichtbar werden \u2013 das erfahren Sie nicht nur theoretisch sondern auch ganz praktisch bei den <strong>After Work Impulsen am 24. Oktober zwischen 18 und 21 Uhr in Oberursel<\/strong>. Gemeinsam mit meiner Kollegin Claudia Bollig werden wir dort das Modell vorstellen und Sie k\u00f6nnen es ausprobieren.<\/li>\n<li><a title=\"Problemzone Priorit\u00e4tenliste\" href=\"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=420\">Problemzone Priorit\u00e4tenliste:<\/a> Priorit\u00e4tenlisten sind wie Cellulite: viele haben sie, kaum jemand bekommt sie weg. Alles f\u00e4ngt mit leichter Orangenhaut in Form von To-Do-Listen an und w\u00e4chst sich aus zu Priorit\u00e4tenlisten mit \u201eHaupt-, Unter- und Nebenpriorit\u00e4ten\u201c, klassifziert in \u201e1a\u201c, \u201e1b\u201c, usw. To-Do und Priorit\u00e4tenlisten sind f\u00fcr viele Menschen ein nicht versiegender Quell der Frustration.<\/li>\n<li><a title=\"SvT KomQuadrat\" href=\"http:\/\/www.schulz-von-thun.de\/index.php?article_id=71\" target=\"_blank\">Das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun&#x2197;<\/a>, auch als \u201eVier-Ohren-Modell\u201c oder \u201eNachrichtenquadrat\u201c bekannt.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Mitarbeiter kam frustriert vom Projektleiter zur\u00fcck. Er hatte ihm sein Leid geklagt: die Aufgaben seien zu viel, die Arbeit nicht mehr zu schaffen und die Fehler h\u00e4uften sich. Der Projektleiter hatte ihm mit \u201eDann organisieren Sie sich besser, die Arbeit muss gemacht werden\u201c geantwortet. 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