{"id":910,"date":"2015-03-29T16:30:34","date_gmt":"2015-03-29T14:30:34","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=910"},"modified":"2015-03-29T16:36:20","modified_gmt":"2015-03-29T14:36:20","slug":"910","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=910","title":{"rendered":"Von der Krux, Eltern im Alter zu beraten"},"content":{"rendered":"<p>Nach der letzten Operation verlie\u00df der Vater nicht mehr das Haus und die Mutter opferte sich freiwillig in der Pflege ihres Mannes auf. Wof\u00fcr ist man schlie\u00dflich \u00fcber 50 Jahre miteinander verheiratet! Der Sohn redete sich den Mund fusselig, dass jetzt ein Pflegedienst kommen m\u00fcsse. Erst als die Apothekerin zur Unterst\u00fctzung riet, wurden die Eltern aktiv. Der Sohn war verletzt \u2013 warum hatten seine Eltern nicht auf ihn geh\u00f6rt?<\/p>\n<p>Mit zunehmendem Alter scheint die Opferrolle eine gr\u00f6\u00dfere Attraktivit\u00e4t zu gewinnen. Der Mensch hat jahrzehntelang viel geleistet und wird nun nicht mehr so behandelt, wie er sich das w\u00fcnscht und erwartet. Er f\u00fchlt sich als Opfer gleich von zwei T\u00e4tern. Zum Einen von den Krankheiten und Gebrechen, die wie eine Heimsuchung \u00fcber einen herfallen und zum Anderen von den \u00c4rzten, die weder richtig behandeln k\u00f6nnen noch wirklich Verst\u00e4ndnis haben f\u00fcr seine Situation.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float: right; width: 220px; height: 142px; margin-left: 25px; margin-bottom: 10px; margin-top: 4px;\" src=\"http:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/herzensverbverstandesv220x142.gif\" alt=\"Die Herzensverbindung zum Kind behindert das Zuh\u00f6ren\" \/>Zwischen diese Fronten ger\u00e4t der Sohn und ist gefangen in der Doppelrolle als Berater und Kind. Denn auch wenn Eltern altern bleibt das Kind Kind. Obwohl der Sohn schon lange arbeitet, seine eigene Familie gegr\u00fcndet hat und gut und gerne 90 Kilogramm auf die Waage bringt, sehen die Eltern in ihm immer auch den kleinen blonden sommersprossigen Kerl, der mit der buntgestreiften Badehose jeden Sommer in Nachbars Planschbecken badete. Wie ernst kann man etwas nehmen, was so ein Dreik\u00e4sehoch erz\u00e4hlt? Und dieser kleine Junge ist auch im Sohn immer noch lebendig: wie kann ich meinen Eltern auf Augenh\u00f6he begegnen, wo in mir diese wohlige Erinnerung an die Sommer meiner Kindheit lebendig ist?<\/p>\n<p>Das f\u00fchrt zu einem Drama-Dreieck Eltern-\u00c4rzte-Kind mit klar verteilten Rollen: die Eltern sind Opfer, die \u00c4rzte sind T\u00e4ter und keiner versteht den anderen. Das Kind will helfend vermitteln und der Retter der Eltern sein. Doch die pers\u00f6nliche Verstrickung mit den Menschen, die ein Leben lang f\u00fcr einen da waren, verhindert, dass das Kinder Geh\u00f6r findet. Antworten wie \u201eAch mein Kind, ich mach das doch gerne\u201c oder \u201eDas bringt doch nix!\u201c ersticken jeden L\u00f6sungsansatz von Anfang an. W\u00fcrde der Sohn Geh\u00f6r finden, m\u00fcssten die Eltern sich eingestehen, dass die Rollen sich vertauscht haben und sie heute diejenigen sind, die besch\u00fctzt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Apothekerin ist nicht Teil des Drama-Dreiecks und der Familiengeschichte. Ohne tiefe Herzensbindung basiert ihr Kontakt viel st\u00e4rker auf dem Verstand und dem Austausch von Sachinformationen. Statt die Aussagen des Sohns als die des eigenen Kindes zu h\u00f6ren, k\u00f6nnen die Eltern die Empfehlung der Apothekerin als das h\u00f6ren, was sie ist: als einen notwendigen Schritt, der jetzt ansteht.<\/p>\n<blockquote><p>Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zur\u00fccksehnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Sir Peter Alexander Baron von Ustinov (1921 \u2013 2004, britischer Schauspieler, Schriftsteller und Regisseur)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der letzten Operation verlie\u00df der Vater nicht mehr das Haus und die Mutter opferte sich freiwillig in der Pflege ihres Mannes auf. Wof\u00fcr ist man schlie\u00dflich \u00fcber 50 Jahre miteinander verheiratet! Der Sohn redete sich den Mund fusselig, dass jetzt ein Pflegedienst kommen m\u00fcsse. 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