{"id":952,"date":"2015-08-16T16:00:33","date_gmt":"2015-08-16T14:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=952"},"modified":"2015-08-16T19:56:05","modified_gmt":"2015-08-16T17:56:05","slug":"wie-ich-versehentlich-mal-schwanger-war","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.kaihartmann.de\/?p=952","title":{"rendered":"Wie ich versehentlich &#8218;mal schwanger war"},"content":{"rendered":"<p>Die Ank\u00fcndigung der Elternzeit kam f\u00fcr die Kollegen des IT Helpdesks v\u00f6llig unerwartet. In vier Wochen beginne der Mutterschutz der schon lang ergrauten Abteilungsleiterin. So stand es in der E-Mail, die die Vergabe von Vertretungsrechten regeln sollte. Und sie fragten sich tagelang, ob es wohl eine Adoption sei, man h\u00e4tte ja \u201enichts\u201c gesehen. Das war auch unm\u00f6glich, denn das Kind war nichts anderes als ein Fl\u00fcchtigkeitsfehler. Wie rettet man Situationen, die im Grunde genommen sehr peinlich sind?<\/p>\n<p>Die T\u00fccken des B\u00fcroalltags lauern an jeder Ecke und vor allem in der Bearbeitung von E-Mails. Wer kann nicht ein Lied davon singen, dass zur Weiterleitung bestimmte E-Mails aus Versehen an den Absender zur\u00fcck geschickt wurden \u2013 inklusive deftiger Bemerkungen \u00fcber dessen Unf\u00e4higkeit (\u201eDer Depp kann noch nicht mal Zahlen richtig lesen \u2026\u201c). Da wollte man sich beim befreundeten Kollegen durch die L\u00e4sterei entlasten und sendet diese stattdessen an den Absender. Peinlicher geht es kaum, es sei denn, man leitet Mails weiter, ohne den Inhalt zu \u00fcberarbeiten. Abf\u00e4llige Bemerkungen weiter unten im Text bleiben erhalten oder wichtige \u00c4nderungen am Personalpronomen werden vergessen. So wurde die Chefin, die zur Generation 50+ geh\u00f6rt, unverhofft schwanger. Heutzutage ist das mit k\u00fcnstlicher Befruchtung oder Adoption durchaus im Bereich des M\u00f6glichen. In Wirklichkeit hatte sie die Detailinfos ihrer schwangeren Mitarbeiterin aber unver\u00e4ndert \u00fcbernommen, das Kind war ein elektronisches Versehen gewesen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float: right; width: 220px; height: 130px; margin-left: 25px; margin-bottom: 10px; margin-top: 4px;\" src=\"http:\/\/www.kaihartmann.de\/images\/coaching\/blog\/peinlsitaufloesen220x130.gif \" alt=\"Zugeben ist besser als leugnen\" \/>Was tun in solchen F\u00e4llen? Humor hat bei dieser ungewollten Schwangerschaft geholfen und die Situation gekl\u00e4rt. Doch wenn aus Versehen offensichtlich wird, wie wenig man von einem Kollegen h\u00e4lt, ist einem nicht nach Lachen zumute. Man kann hoffen, dass die peinliche Offenbarung in der Mailflut des Empf\u00e4ngers untergeht. Sp\u00e4testens bei der n\u00e4chsten Begegnung auf dem Flur wird einem aber die Schamesr\u00f6te im Gesicht stehen. Leugnen wird nichts bringen, also bleibt nur: zugeben und sich erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Der \u00c4rger, der in der L\u00e4sterei seinen Kanal gefunden hat, wird seinen guten Grund haben. Wie w\u00e4re es, genau den zu benennen? Ganz ohne Anklage? Zum Beispiel so: Sachlich die Situation beschreiben (\u201eAls ich Ihren Kommentar las\u00a0\u2026\u201c), dann das ausgel\u00f6ste Gef\u00fchl schildern (\u201e\u2026\u00a0platzte mir der Kragen, denn ich habe drei Stunden Arbeit in diese Auswertung gesteckt, obwohl andere dringende Termine anstanden\u00a0\u2026\u201c) und das, was Sie gebraucht h\u00e4tten (\u201e\u2026\u00a0Ich m\u00f6chte, dass meine Arbeit Ernst genommen wird\u00a0\u2026\u201c), schlie\u00dflich folgt noch ein klarer Wunsch (\u201e\u2026\u00a0und da h\u00e4tte ich mir gew\u00fcnscht, dass Sie die Zahlen auch in Ruhe anschauen, bevor Sie sie zur\u00fcckweisen.\u201c) Nun ist es am Anderen, sich zu erkl\u00e4ren. So besteht die Chance, aus einem peinlichen Versehen ein echtes Verstehen zu machen.<\/p>\n<blockquote><p>Siegreich sein wird jener, der wei\u00df, wann er zu k\u00e4mpfen hat und wann nicht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Sun Tsu (ca. 544 \u2013 496 v. Chr., chinesischer General, Milit\u00e4rstratege und Philosoph)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ank\u00fcndigung der Elternzeit kam f\u00fcr die Kollegen des IT Helpdesks v\u00f6llig unerwartet. In vier Wochen beginne der Mutterschutz der schon lang ergrauten Abteilungsleiterin. So stand es in der E-Mail, die die Vergabe von Vertretungsrechten regeln sollte. Und sie fragten sich tagelang, ob es wohl eine Adoption sei, man h\u00e4tte ja \u201enichts\u201c gesehen. 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