Wenn Spiegelneuronen vor Begeisterung Feuer fangen

Gebannt hörte ich ihr zu: ihre Begeisterung für ihr neues Projekt war förmlich zu spüren und überzeugte mich restlos davon, dass sie es schaffen wird. Wie anders war die Geschäftsfrau noch ein paar Minuten zuvor gewesen, als sie von ihrer jetzigen Tätigkeit berichtete und wie niedergeschlagen fühlte ich mich dabei. Denn mein Körper reagiert spiegelbildlich auf den Gefühlszustand meines Gegenübers. Wie kann ich aber fremde Überzeugung in mir spüren?

Die Frau, die mir gegenüber saß, bat um Hilfe bei einer Berufsentscheidung: wo hinein sollte sie ihre Energie stecken? Da gab es den „Brot und Butter“ Beruf im Büro und ihre freiberufliche Tätigkeit. Doch die war in einem Umfeld, in dem sich viele mit ähnlichen Fähigkeiten tummelten. Dann erzählte sie von ihrer letzten Reise auf den afrikanischen Kontinent und plötzlich saß ein anderer Mensch vor mir. Konnte diese leuchtende Sonne die gleiche Person sein wie die „graue Maus“, die ich gerade zuvor erlebte? Plötzlich merkte ich auch eine Veränderung in mir: mein Körper spiegelte ihre Erregung und Begeisterung, mein Hirn sendete euphorisch Botenstoffe aus:

  • Begeisterung steckt anMeine Augen leuchteten
  • Meine Wangen glühten
  • Mein Herz klopfte
  • Vor Ergriffenheit stiegen Tränen in meine Augen
  • Ich hatte Flugzeuge in meinem Bauch
  • Meine Beine wollten losrennen
  • Meine Hände waren arbeitsbereit und feucht

Wann hat das letzte Mal ein anderer Mensch Sie vollkommen überzeugt und kein Zweifel blieb in Ihnen, dass da jemand für seine Idee brannte? Vielleicht können Sie sich diese Situation noch mal wie in Zeitlupe betrachten: welche körperlichen Signale fielen Ihnen bei sich selbst auf?

Die Frau entwickelte eine Idee, wie sie einen neuen, auf dem Markt einzigartigen Schwerpunkt ihrer freiberuflichen Tätigkeit anbieten kann. Er basiert auf Kontakten, Projekten und Produkten, die sie aus ihrem Urlaub mitbrachte.

Empathie (die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen) beruht auf so genannten Spiegelneuronen. Ihr Gehirn reagiert auf die Handlungen Ihres Gegenübers, als ob Sie selbst handeln würden. Einzige Voraussetzung: Sie haben schon mal ähnliche Erfahrungen gemacht wie Ihr Gesprächspartner, es gibt also eine verwandte emotionale Grundlage. Kurz gesagt: wenn Sie jemals Begeisterung spürten, einen Neuanfang wagen wollten, dann werden Sie von der Begeisterung des Anderen angesteckt. Wenn dieser Mensch für eine Sache brennt, dann fangen auch Sie Feuer. Andersherum: spüren Sie in sich keine Begeisterung, ist Ihr Gegenüber vermutlich auch nicht begeistert. Nach „Schema F“ trainierte Vertriebler werden von dieser Nachricht nicht begeistert sein.

„In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“
(Cicero, römischer Philosoph, Politiker, Schrifsteller und Redner)

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Ich dope mich mit Selbstbestimmung

Kürzlich war ich auf einem Releasekonzert der Musikerin Kaye-Ree, die sich selbst als „Natural high“ bezeichnet: fast immer gut drauf, kaum schlecht gelaunt. Ihr „Dope“ heißt Selbstbestimmung und ist ganz legal. Wie hoch muss die Dosis Selbstbestimmung sein, damit ein natürliches Glücksgefühl entsteht?

Kaye-Ree ist ein Natural highEs waren nicht die besten Voraussetzungen für einen Clubbesuch. Ich hatte seit Tagen Kopfweh und Magengrimmen, so dass meine Frau besorgt fragte: „Sollen wir da wirklich heute Abend hingehen?. „Ich möchte gerne wenigstens eine schöne Sache machen und mich nicht zu Hause verkriechen“, entgegnete ich ihr. Statt mich wie in einer Spirale nach unten ziehen zu lassen, in der nach und nach alle positiven und aufmunternden Aktivitäten aufgegeben werden, weil nur noch Erholung von der Erschöpfung angesagt ist, wollte ich von Anfang an etwas dagegen setzen. Und dann erzählt Kaye-Ree↗, dass sie als Musikerin privilegiert sei und viele sie sicher beneideten, denn sie tue nur das, was ihr Spaß macht.

„Na, danke“ denke ich mir, „reib’ jetzt auch Salz in meine Wunden – mein Leben ist nun mal fremdbestimmt!“ Aber ihre gute Laune, ihr natürliches High-Sein war ansteckend. Ich müsste ja nicht gleich meinen Job an den Nagel hängen und wie sie ein eigenes Plattenlabel gründen. Schon eine halbe Stunde am Tag ganz persönlich für mich, ohne gesellschaftliche Zwänge, die könnte mich doch „dopen“. Was könnte ich da alles „tun“! Den Wolken zuschauen, wie sie über den Himmel ziehen zum Beispiel. Oder ein wenig Gärtnern. Katzen kuscheln. Bei einem Kaffee und mit einem Buch auf Reisen gehen. Und wie ich da so im Konzert stand und mir diese Gedanken durch den Kopf gingen, ließen auch langsam meine Magenschmerzen nach.

„I’m floating on my waves, giving my ideas and dreams some space“ (Refrain aus „Natural high” von Kaye-Ree)

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Neulich hörte ich folgenden Dialog im Supermarkt: „Was schenken wir denn deiner Mutter zu Muttertag?“ – „Naja, eine Schachtel Pralinen und ein Pfund Kaffee, wie immer.“ Mit einem Augenzwinkern könnte ich das meiner Mutter auch schenken, doch viel mehr möchte ich ihr und meinem Vater Respekt und Anerkennung für ihre Lebensleistung schenken. Denn beides haben sie sich redlich verdient. Lesen Sie am 24. Mai in meiner neuen Kolumne ein wenig aus ihrer beider Nachkriegsbiographien.

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Die Meisterin auf dem Sofa

Als ich vor über zwanzig Jahren im Zivildienst war, lernte ich einen alten Herrn in seinen Achtzigern kennen, der – ohne dass er es wollte – eine Lebenshoffnung in mir zum Zerplatzen brachte. Ich wollte im Alter endlich ruhig und gelassen sein. Das, so sagte er, habe er auch immer gehofft. Aber er sei es bis heute nicht. Ich fragte mich: Wenn das Alter keine Ruhe und Weisheit bringt, was dann?

es iss nix so schlescht dass es net für was gud wärEs wird Zeit, dass ich Ihnen ein großes Vorbild von mir vorstelle. Emmi wohnt unter uns, wird bald 89, ist geistig immer noch topfit und in der Regel sehr vergnügt. Sie ist liebreizend, freundlich, lacht viel, bejaht das Leben und manchmal scheint ein junges Mädchen auf dem alten Wohnzimmersofa zu sitzen und nicht eine Frau mit Rückenschmerzen, kaputten Knien und auf einen Gehstock angewiesen. So möchte ich auch mit Achtzig sein!

Eine solche Lebenseinstellung kann sich niemand im hohen Alter einfach zulegen, das ist jahrzehntelange Übung. Emmi wurde 1923 geboren und hat entbehrungsreiche Zeiten erlebt. Und überlebt – auch deshalb, weil sie das Beste aus den gegebenen Situationen machte. Sie konnte die Welt um sie herum nicht verändern, aber ihre Haltung dazu. Sie hat die Chancen gesucht und gefunden, die als Kern noch in jeder Krise stecken. „Es iss nix so schlescht dass es net für was gud wär“ mag abgedroschen klingen, doch nicht aus ihrem Mund. Sie gewinnt den Umständen möglichst immer noch was Positives ab und in ihrem Alter sind die Umstände oft eine große Herausforderung. Damit ist sie eine Meisterin im „Re-framing“, einer Methode aus dem Systemischen Coaching. Und das, obwohl ihr der Begriff sicher unbekannt ist.

Beim Re-framing verändere ich den Bezugsrahmen, in dem eine Situation steckt: Was aus meiner Perspektive „schlecht“ ist, macht für andere durchaus Sinn oder hat eine positive Bedeutung für mein Gegenüber. Ich kann nun versuchen, meinen Blickwinkel zu verändern und werde damit wahrscheinlich Dinge entdecken, denen auch ich etwas Positives abgewinnen kann. Durch Re-framing schaffe ich mir Raum für Handlungsoptionen und Freiheit für Entscheidungen.

Eine winzige Übung fällt mir dazu ein: Ich habe auf unzähligen Reisen fotografiert und in fremden Orten einen Diarahmen in der Hosentasche gehabt. Bevor ich ein Foto gemacht habe, habe ich mir einfach den Diarahmen vor die Augen gehalten, ihn hin und her bewegt, den Ausschnitt verändert, Dinge in neue Beziehung zueinander gestellt oder voneinander getrennt und dabei neue, spannende Perspektiven entdeckt. Manchmal habe ich auch gemerkt, dass angeblich schöne, spannende Motive durch den Rahmen betrachtet stinklangweilig sind. Erst mit meiner persönlichen Note, meinem gewählten Ausschnitt ein paar Schritte weiter wurde der Eiffelturm zu meinem ganz persönlichen Lieblingsmotiv. Wer keinen Diarahmen hat, nehme einfach Daumen und Zeigefinger der beiden Hände. Öfters mal den Rahmen vorgehalten und neu ausgerichtet – und die Welt erscheint in neuen Zusammenhängen.

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Neulich saßen wir mit einem befreundeten Ehepaar in einem Straßencafé einer reichen gediegenen Kleinstadt. An uns flanierten die Menschen vorbei, da sagte unsere Freundin: „Schaut mal, lauter gelangweiltes Geld!“ Als ich kurz darauf in einem Museum eine Karte mit dem Spruch „Geiz und Glück werden sich niemals kennenlernen“ fand, erinnerte ich mich an das gelangweilte Geld. In welcher Verbindung stehen Geiz, Glück, Geld und Großzügigkeit und was hat das mit einem Gefängnis zu tun? Am 14. Oktober können Sie mehr über diese „Fünf G“ erfahren, hier auf meinem Blog.

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Mit dem Kopf durch die Wand

Morgens auf dem Weg zur Autobahn sind wieder einmal nur Deppen unterwegs, ich muss mich zwischen den ganzen Egoisten richtig reindrängeln. Im Büro scheint es nur unkoordinierte, unüberlegte und unlogische Entscheidungen dummer Menschen zu geben. Das Essen in der Kantine ist ungenießbar – so wie ich. Den ganzen Tag liege ich quer und will mit dem Kopf durch jede sich mir bietende Wand. Womit fing der ganze Ärger eigentlich an?

Mit dem Kopf durch jede sich mir bietende wandIch versuche, abends vor dem Schlafengehen eine Tagesrückschau zu halten. Angefangen von dem Augenblick, in dem ich die Rückschau beginne rolle ich den Tag von hinten her auf. Ich erkenne, welcher Ärger, welche Enttäuschungen sich über den Tag hinweg aufgelöst haben, sehe glückliche Momente, die ich schon vergessen hatte, aber manchmal stelle ich auch fest, dass ich den ganzen Tag nicht bei mir war. Und auch die Nacht davor war schon nicht so ruhig und entspannend wie erhofft. Die Nacht gelang nicht, weil ich am Abend zu spät, zu voll mit Eindrücken nur noch schnell ins Bett wollte. Meinen Ärger hatte ich mir redlich verdient, weil ich ruhelos eins nach dem anderen abarbeitete und mir keine Zeit für mich selbst nahm. Meine Seele hatte keine Zeit, hinterher zu kommen. So baute sich in mir eine immer größer werdende Welle der Unzufriedenheit mit mir selbst auf. Über Nacht ebbte die keineswegs ab.

Mir stand das Wasser früh morgens schon bis zum Hals, nur merkte ich es nicht. Leider ist der perfekte „Wasserstandsmelder“ vor einem Jahr gestorben. Wir hatten einen roten Kater, der mir an solchen Morgenden ständig zwischen den Füßen herumlief und mich ausbremste. Wie oft habe ich ihn angemotzt: „Geh mir aus dem Weg!“, „Nicht Du auch noch!“. Dabei war es genau dieses Ausbremsen, das ich gebraucht habe. Denn wenn ich mich auf den feinfühligen Kerl einließ und ihn zwei, drei Minuten kuschelte, ihm den geliebten Wasserhahn im Badezimmer aufdrehte oder ihn einfach zum Kratzbaum begleitete, wo er anfing sich zu putzen, da bekam der Morgen eine ganz andere Richtung und der Tag erhielt von mir eine Chance zu gelingen.

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Prioritätenlisten sind wie Cellulite: viele haben sie, kaum jemand bekommt sie los. Alles fängt mit leichter Orangenhaut in Form von To-Do-Listen an und wächst sich aus zu Prioritätenlisten mit „Haupt-, Unter- und Nebenprioritäten“, klassifziert in „1a“, „1b“, usw. To-Do und Prioritätenlisten sind für viele Menschen ein nicht versiegender Quell der Frustration. Einen möglichen Ausweg aus diesem Dilemma können Sie am 2. September hier auf meinem Blog finden.

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Herzalarm auf Lanzarote

Die Sonne steht an einem wolkenlosen Himmel, das Meer schimmert türkis und die erloschenen Vulkane erheben sich machtvoll am Horizont. Doch statt urlaubsgemäßer Hochstimmung herrscht bei mir Niedergeschlagenheit und ich würde mich am liebsten in eine Ecke verkriechen und heulen. „Schuld“ daran sind zwei Katzen und ein Hund, denen ich am Mittag begegnet bin.

Ich war gerade mit meiner Frau zwei Wochen auf Lanzarote und es ergab sich, dass wir Flugpaten für eine Katze waren, die in Deutschland ein neues Zuhause bekommt. Um letzte Details zu klären wollte ich in das Tierheim, in dem sie untergebracht war. Meine Frau warnte mich, das sei keine gute Idee. Und sie behielt Recht. Im Tierheim warteten über 220 Hunde und 150 Katzen auf einen liebevollen Menschen, der gerade sie auserwählt, das Leben mit ihnen zu teilen. Ich habe es nicht so mit Hunden, doch der Blick von einem traf mich in’s Mark, als er mich anschaute und voll hoffender Freude eine Pfote hob. Mannigfaches Hilfsbedürfnis und eigene HilflosigkeitIn den Katzenräumen hat ein roter Kater bescheiden und würdevoll Kontakt mit uns aufgenommen, während eine bildhübsche Graue sich offensiv zum Kuscheln an mich ranmachte. 220 Hunde, 150 Katzen – das sind abstrakte Zahlen, die durch diese drei Tiere ganz real wurden und alle Helferimpulse in mir aktivierten. Nun haben wir schon zwei Kater und „Null“ Hundeerfahrung, aber könnten wir nicht doch vielleicht … wenn wir schon mal hier sind … sie sehnen sich doch nach einem Zuhause … Ich spürte mannigfaches Hilfsbedürfnis und meine eigene Hilflosigkeit.

Meine Frau übernahm die rationale Rolle des „Bad guy“ und warf ein Argument nach dem anderen in die Waagschale. Doch das alles zählte nicht, ich wollte nichts hören. Es schien mir, als würde sie lähmende Vernunftsuppe über mein blutendes leidendes Herz schütten. Ich war der „Good guy“, ich wollte aktiv werden, helfen, retten.

Nach ein, zwei Tagen hatte ich mich beruhigt und eingesehen, dass ich nicht „die Welt retten“ kann. Zudem geht es den Tieren – trotz allem – im Tierheim besser als auf der Straße oder in einer Tötungsstation. Doch ich schaue im Internet regelmäßig, ob Zipi↗ oder Gatito Italia↗ vermittelt wurden. Und wer weiß? Vielleicht kann ich ihnen doch noch eine Heimat verschaffen …

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Morgens auf dem Weg zur Autobahn sind wieder einmal nur Deppen unterwegs, ich muss mich richtig hineindrängeln in die Schlange egoistischer Autofahrer. Im Büro scheint es nur unkoordinierte, unüberlegte und unverständliche Entscheidungen dummer Menschen zu geben. Das Essen in der Kantine ist ungenießbar – so wie ich. Den ganzen Tag liege ich quer und will mit dem Kopf durch jede sich mir bietende Wand. Womit fing der ganze Ärger eigentlich an? Erfahren Sie es ab dem 12. August, hier in meinem Blog.

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Souvenirs, Souvenirs! Bunte Träume in grauer Zeit

Durch meine Kindheit schallte an Schlagernachmittagen Bill Ramseys tiefe Stimme aus dem Radio und sein Ohrwurm „Souvenirs, Souvenirs!“ geht mir bis heute nicht aus dem Kopf. Jetzt beginnt die Urlaubssaison und ich bin gespannt, welche Souvenirs ich mitbringen werde, die „wie das Salz in der Lebenssuppe“ sind. Mein Leben ist reich an Souvenirs – welch ein Glück!

Souvenirs sind bunte Träume in grauer ZeitIch lasse meinen Blick durch die Wohnung schweifen und befinde mich plötzlich im Nieselregen auf einem Flohmarkt im belgischen Waterloo mit meiner Frau und einer gemeinsamen Freundin. Von dort stammt der Ricard-Krug, den wir für Trinkwasser benutzen. Greife ich nach meinem Tee, scheint die Sonne und ich höre Raben krächzen. Ich bin im Tower von London, wo ich bei unserem ersten Aufenthalt einen dünnen Porzellanbecher mit fein gezeichneten Wachmännern und Burgzinnen kaufte. Aus dem Flur schaut mich eine junge Berliner Frau an, die so gar nichts von einer Göre hat, denn sie ist 540 Jahre alt und ihr Bildnis haben wir in der Gemäldegalerie entdeckt. Meine Frau genoss heute morgen im Schlafzimmer südliche Wärme bei 30°C, bevor sie die Wohnungstür aufmachte, um zur Arbeit zu gehen. Ihre Leinenbluse stammt aus einer kleinen Boutique mit angeschlossenem Café (oder war es umgekehrt, die Boutique war dem Café angeschlossen?) in Meersburg am Bodensee. Selbst die Ordnung in der Küche ist ein Souvenir, diesmal aus Holland, weil wir in der dortigen Ferienwohnung so wenig Geschirr hatten, dass wir alles gleich wegspülen mussten.

Ich sammele gerne Erinnerungsstücke an schöne Erlebnisse: Gebrauchsgegenstände, Kleidung, auch die eine oder andere Vorliebe. Billy Ramsey sang: „ Souvenirs Souvenirs / einer großen Zeit / sind die bunten Träume / uns’rer Einsamkeit”. Sie wärmen mir das Herz, lassen mich dahinschweifen in die Umstände, als das Souvenir zu mir kam. Ein Lächeln zaubert sich auf mein Gesicht und ich frage meine Frau: „Weißt Du noch …“ und auch in ihren Augen sehe ich das Leuchten der Erinnerung. Für ein paar Momente tauchen wir ab, bevor wir mit einem Seufzen wieder im Hier und Jetzt ankommen und ein bisschen mehr Kraft, ein bisschen mehr inneren Sonnenschein haben. Denn der Himmel draußen ist gerade mehr grau als blau, es sind kühle 20°C, ein wenig unbeständig. Ich nenne das einen „irischen Sommer“ …

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„Oh ich habe auf das alles keine Lust mehr! Warum tue ich mir das nur an? Ich will das alles nicht mehr!“ Ich denke diesen Satz hin und wieder, manchmal platzt er auch richtig aus mir heraus. Schön und gut wenn ich weiß, was ich nicht will. Aber das ist nur die halbe Miete und damit ist die Gefahr groß, dass alles so bleibt, wie es ist. Welcher Weg vor mir liegt, erfahren Sie ab 15. Juli. Hier auf meinem Blog.

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Von der Lust, eine Aufgabe zu erledigen

Mit Erstaunen (und Amüsement) beobachtete ich in der letzten Zeit meinen Inneren Zauderer, der mich davon abhielt, notwendige Aufgaben anzupacken. Aufgaben, auf die ich mich ursprünglich sehr freute, doch von Tatendrang war nichts mehr zu spüren. Ein Lustprogramm für Aufgaben musste her.

Angefangen hatte alles, als ich mich ertappte, wie ich mit Ausreden meine Untätigkeit kaschierte. Ich „hätte noch nicht alle notwendigen Informationen zusammen“ oder  „erst müsse noch dieses oder jenes geschehen“ damit ich den nächsten Schritt machen könne. Es ging um schöne Aufgaben: die nächsten Schritte in meiner Selbständigkeit als Coach oder um das Sammeln von Startkapital für fünf junge Schneiderinnen in Bangladesch, die sich gemeinsam selbständig machen wollen. Selbst diese so positiv besetzten Dinge wurden zu einem schnöden „müssen“, ein weiterer Punkt auf der demotivierenden To-Do-Liste.

Ich will meine Aufgaben zelebrierenNun probiere ich einen neuen Ansatz: ich zelebriere diese Aufgaben! Ich habe mir schöne Papierkarten gekauft, auf die ich die Aufgaben einzeln mit Tinte geschrieben habe. Ich lege bewusst eine einzelne Karte auf den Tisch, räume alle ablenkenden Dinge beiseite, stelle Kaffee oder Wein dazu und widme mich voll und ganz nur der Tätigkeit, die auf der Karte steht. Ein geschützter Zeitraum statt Zwischendrin, Konzentration auf das Wesentliche statt Ablenkung und mit einem sinnlich-schönen Symbol statt eines lieblosen Listeneintrags. Ich mache mir mit dieser Karte mein Handeln bewusst und sorge dafür, dass „die“ Aufgabe „meine“ Aufgabe wird.

Und es wirkt: die Freude kehrt zurück und nach getaner Arbeit nehme ich den Füller und mache einen Haken auf die Karte, schreibe das Datum dazu und hebe diese Karte an einem schönen Ort auf. Damit sie mich an lustvolle Tätigkeiten erinnern. Ganz für mich.

Siehe auch den Blogbeitrag: „Diagnose: Lob-Wahrnehmungs-Störung“.

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Gerade haben meine Eltern ihre Goldene Hochzeit gefeiert. Und sie küssen sich noch! Das muss Liebe sein – immer noch? Nach all den Jahren? Vielleicht helfen schon dreißig Sekunden am Tag, die Liebe lebendig zu halten. Lesen Sie mein Plädoyer „30 Sekunden für die Liebe“ ab dem 2. Juni. Hier in meinem Blog.

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Ein Frontbericht aus meinem Inneren

Anfang März werde ich mit meiner Firma für eine Woche nach Bangladesch fliegen, um vor Ort Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche zu besuchen, die wir mit Spenden fördern. Seitdem ich das weiß, ist mein Inneres Team in Aufruhr und die Frontlinie geht mitten durch mich hindurch. Es geht um nichts Geringeres, als die Integration unvereinbarer Gegensätze.

Ich gestehe freimütig: ich genieße die Errungenschaften eines reichen Landes. Ein sicheres, schönes Zuhause; gute Gesundheitsvorsorge; die Distanz, die man hier zwischen sich und anderen wahrt; Hygiene ist nichts, worüber ich mir hier Gedanken machen muss. Ich mache gerne Urlaub in Deutschland und in Europa, vor allem in dessen kühlen Regionen im Norden und Westen. Das ist meine Heimat, meine Komfortzone. Und nun werde ich da raus gerissen und fahre in ein Land, das nach eigenen Aussagen zu den Ärmsten der Welt gehört; Trinkwasser ist nur aus gekauften Flaschen zu empfehlen; die Bevölkerungsdichte ist bis zu 30 Mal höher als hier; das Klima schwül-heiß.

Scheinbar unvereinbar sind die Gegensätze in mirLegt man eine Achse zwischen meiner Heimat und dieser Reise befindet sich an deren einem Ende das Dauerhafte, Planbare, Sichere, Ordentliche (mein Zuhause). Am anderen Ende ist der Zauber des Neuen, das Unzuverlässige, Spontane und die Improvisation – also Bangladesch beheimatet [mehr dazu]. In mir gibt es Teammitglieder, die sich jeweils der einen oder anderen Seite zuordnen. Da sitzen die einen im Sessel während die anderen mit dem Koffer in der Hand losmarschieren. Mit Bedauern und Unverständnis schauen sie sich nach. Diese innere Zerrissenheit lähmte mich, in mir tönte es gleichzeitig „Home sweet home“ und „Reisende soll man nicht aufhalten“.

Doch seit einigen Tagen bin ich meinem inneren Frieden sehr nahe gekommen. Geholfen haben erstens äußere Feinde und zweitens innere Bedürfniserfüllung.

  1. Der äußere Feind sind die Ansprüche, die an mich gestellt werden: beispielsweise was meine Aufgaben vor Ort sind oder wer mir welche Vorgaben machen möchte. Das hat mein Inneres Team für die Zeiten vereint, in denen ich eine klare Position brauchte, um meine Gesamtinteressen zu vertreten.
  2. Die innere Bedürfniserfüllung passierte während der Reisevorbereitungen. Ich fütterte die heimatverbundene, auf Sicherheit bedachte Fraktion mit Impfgesprächen bei Ärzten, Besuchen in Outdoor-Läden oder Lesen von Reiseberichten. Damit signalisierte ich: „Ich nehme Eure Bedürfnisse ernst und tue alles, um gut vorbereitet abzufliegen.“ Und sie waren es zufrieden. Damit konnte ich gleichzeitig die reiselustige Fraktion „anfixen“. Jedes Gespräch, jeder Besuch war für sie schon wie eine kleine Reise an sich. In der Fantasie sah sie sich in dem Hotel in den Bergen das gerade gekaufte Moskitonetz aufhängen; lernte, Affen soll man nicht zu lange direkt anschauen, das nehmen sie als Angriff; schmeckte schon das scharfe bengalische Essen, für das das Durchfallmittel gedacht ist.

Nach Wochen der lähmenden Zerrissenheit bin ich nun geistig und emotional in Bewegung und die Vorfreude steigt. Wie immer, wenn ich in eine neue Umgebung geschmissen werde, habe ich mich sehr schnell an die Umstände angepasst und mich wohl gefühlt. Mit diesem sicheren Wissen um meine Anpassungsfähigkeit dehne ich meine Komfortzone für eine Woche sogar bis nach Bangladesch aus.

P.S.
Auf dem indischen Subkontinent gibt es eine ganz eigene Sichtweise auf Ängste vor Neuem oder Ungewohnten. In einem Youtube-Video↗ beschreibt Mr. Ramesh das „Lebenselixier Angst“.

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Es scheint eine schwere Krankheit zu geben, die weit verbreitet ist, aber keinen Widerhall in den Medien findet: die Lob-Wahrnehmungs-Störung (LWS-Syndrom). Die daran Erkrankten nehmen Lob in einem doppelten Sinne nicht wahr. Doch oh Schreck! Auch ich spüre schon erste Anzeichen von LWS in mir. Lesen Sie mehr dazu am 3. März, hier in meinem Blog.

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31 Nachkommastellen für den Seelenfrieden

ER arbeitet gerne auf den Pixel und Millimeter genau, liebt logische Strukturen und hat das Durchhaltevermögen, um aus einer 99,5%igen Lösung eine 100%ige zu machen. ER, der Perfektionist in mir. Manchmal übernimmt er aber auch leider die Macht.

Der Perfektionist fordert immer 100%Als ich letztens im Internet einen Urlaubsflug buchte, merkte ich im vorletzten Buchungsschritt, dass meine Telefonnummer nicht ganz genau den Formatvorgaben entsprach. Ich brach daraufhin den Buchungsvorgang kurz vor Ende ab, fing von vorne an, hatte korrekteste Daten – und eine Preiserhöhung von 20 Euro! Doch ER ist nicht alleine in mir [mehr dazu], da gibt es auch einen Ökonomen. Der ärgerte sich eine halbe Stunde lang über diesen selbstverschuldeten, unnötigen Preisaufschlag. Durch die penible Penetranz des Perfektionisten hatte ich bares Geld zum Fenster raus geworfen, weil mir jemand anderes den günstigen Tarif vor der Nase weggeschnappt hat. Und wenn ER Hektik macht, weil ich fünf Minuten zu spät zu einer Verabredung kommen könnte, klingt in mir des Ökonomen Ärger über diese Hektik noch lange nach.

Natürlich kann ich mir sagen, dass der Perfektionist im Kern gut ist, denn ER ist sorgfältig und eine wahrlich treue Seele. Ich könnte ihm etwas mehr Gelassenheit an die Seite stellen, damit ein inneres Gleichgewicht entsteht [siehe hier im Blog]. Doch auf die Gelassenheit mit ihrer Laisser-faire-Mentalität und Schludrigkeit ist ER nicht gut zu sprechen. Besser ist es, ich stelle IHM den Ökonomen an die Seite. Der hat viel Einfluss auf den Perfektionisten, weil er so gut kalkulieren kann und und immer auf der Suche nach der optimalen Lösung ist – damit kann sich der Perfektionist sofort identifizieren. Gemeinsam machen sie die Rechnung auf, was Perfektsein „kostet“:

  • Eine korrekt formatierte Telefonnummer führte zu 20 Euro Mehrpreis, macht bei einem Flugpreis von ursprünglich 523,90 Euro genau 3,8 Prozent Preiserhöhung in zehn Minuten. Lieber Perfektionist: eine perfekte Telefonnummer ist doch nie und nimmer diese Hyperinflation wert, oder?
  • Fünf Minuten liegen zwischen perfektem Pünktlichsein und einer stressfreien Verspätung, auf meine statistische Lebenserwartung umgerechnet geht es also um ein Millionstel meiner Lebenszeit. Und deswegen in Hektik geraten, lieber Perfektionist?

So mit den eigenen Waffen der Präzision*) geschlagen gibt sich der Perfektionist auch mit einer fast perfekten Lösung zufrieden – dank der Zusammenarbeit mit dem Inneren Ökonomen. So paradox es klingt: Gemeinsam sorgen zwei Arbeitstiere für mehr innere Gelassenheit.

*) Der besseren Lesbarkeit halber habe ich die Prozentzahlen gerundet, für die Perfektionisten hier die genauen Zahlen:
3,8175224279442641725520137430807 Prozent Preiserhöhung
0,0000122823566403332940297920842 Prozent Lebenszeit

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Anfang März fahre ich für eine Woche nach Bangladesch, um dort mit meiner Firma geförderte Hilfsprojekte zu besuchen. Seit Wochen ist mein Inneres Team deswegen in Aufruhr und die Frontlinie zwischen den gegnerischen Truppen verläuft mitten durch mich hindurch. Lesen Sie den Feldbericht am 18. Februar hier im Blog.

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Brandopfer auf dem Altar der guten Vorsätze

Rund um den Jahreswechsel konnte ich ihnen wieder nicht entkommen, den Ratschlägen, wie sogenannte gute Vorsätze auch in die Tat umgesetzt werden können. Doch ich vermisste einen Punkt, der meines Erachtens wesentlich für den Erfolg von Vorsätzen sind: Ich habe nichts von den wahren Opfern gelesen, die für die Realisierung der Vorsätze erbracht werden müssen.

Das Brandopfer auf einem silbernen Tablett darbringenDie Bibel und antike Schriften sind voll von Opfern, die auf Altären dargebracht werden, um die Götter gnädig zu stimmen. Im einfachsten Fall ein wenig Stroh, manchmal muss aber auch die beste Kuh oder ein Mensch geopfert werden. Was bin ich wirklich bereit, aufzugeben, damit mein Vorsatz gelingen kann? Die beliebtesten Vorsätze sind: mehr Sport machen, zum Nichtraucher werden, weniger Gewicht auf die Waage bringen. Der Reihe nach:

  • Natürlich hätte ich gerne eine Y-Figur mit Waschbrettbauch. Kein Problem – dafür muss ich lediglich vier bis sieben mal in der Woche Sport machen, mal Krafttraining, mal Ausdauersport, mal Beweglichkeit trainieren. Bin ich wirklich bereit, meine Flexibilität in der Freizeitgestaltung zu opfern, damit ich regelmäßig feste Sporttermine wahrnehmen kann? Ich müsste aufgeben, dass ich einfach nur müde auf dem Sofa sitze, mich mit Freunden direkt nach der Arbeit auf einen angeregten Weinplausch treffe oder vor dem Theaterbesuch noch in ein Restaurant gehe. Das wäre das „Brandopfer“, das ich dem Gott der Y-Figur darbringen müsste. Jede Woche, jeden Monat, jahrelang.
  • Klar ist Nichtrauchen gesünder als ’ne Kippe anzuzünden. Aber hej, das ist für mich Entspannung! Zehn Minuten Zeit nur für mich – fast schon eine Meditation! Bin ich bereit, auf diese Auszeiten zu verzichten? Verzichten auf Weggehen vom Arbeitsplatz, wenn mich die Kollegen nerven („Ich geh mal eine rauchen“); rausgehen nach einem leckeren Essen mit Freunden, um mal durchzuschnaufen („Ich geh mal eine rauchen“); weggehen vom Schreibtisch, wenn ich keinen sinnvollen Satz mehr zu Stande bringe außer „Ich geh mal eine rauchen“? Das Brandopfer für den Gott des Nichtrauchens wäre der Verzicht auf eine erprobte und funktionierende Entspannung.
  • Weniger Gewicht – der Klassiker schlechthin. Bei dem Brandopfer geht es aber nicht um Schokolade, Pommes Frites oder das Bierchen am Abend. Nein, ich müsste auf mein Lebensmantra verzichten, das da lautet: „Eigentlich sollte ich nicht, aber ich gönn’ es mir jetzt!“ Ich müsste darauf verzichten, den ganzen Tag bei jeder Gelegenheit, die mit Kalorien zu tun hat, das innere Programm abzuspulen aus:
    Kalorien berechnen,
    Körper bewerten –
    und dann die Konsequenzen mit schlechtem Gewissen ignorieren.
    Ich müsste mich stattdessen konsequent kasteien und meine kleine Fluchten unterbinden. Dem Gott der Gewichtsabnahme muss ich auf seinem Altar also einen Teil meiner seelischen Unversehrtheit opfern.

Nur wenn ich bereit bin, den wahren Preis für meinen Vorsatz zu zahlen, also auf dem Altar der Vorsätze zu opfern, dann kann ich meinen „guten Vorsatz“ auch umsetzen. Merke: das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“.

Vorschau

Als ich letztens eine Mutter hörte, die zu ihrem zweijährigen Kind sagte: „Wenn du wieder lieb bist, bekommt du deinen Teddy zurück!“ schwoll mir innerlich der Kamm. Denn in meiner Welt wohnen die Belohung und der Machtmissbrauch in der gleichen Straße, nur ein paar Hausnummern voneinander entfernt. Was das meiner Meinung nach auch mit modernen Bonus- und Incentive-Systemen zu tun hat, können Sie am 21. Januar lesen. Hier im Blog.

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