Lange Beziehungen machen clever

Mit einem fröhlichen „Hallo Schatz, ich habe eine Überraschung für Dich!“ kam er spät abends nach Hause, doch nicht alleine. Zwei Übernachtungsgäste standen in der Tür und sie musste mal wieder improvisieren: Essen machen, Betten herrichten, … Wo sie doch vorausschauende Planung so liebte! Warum nahm ihr Mann auch nach all den Jahren darauf keine Rücksicht?

Langjährige Beziehungen haben viel Entwicklungspotential. Die Partner lernen mit- und aneinander, was der andere oder man selbst braucht. So kann der eine nicht ohne klare Regeln, verbindliche Absprachen und große Zuverlässigkeit leben. Und fordert das beim Gegenüber auch ein. Der wiederum liebt es vielleicht ganz spontan zu sein, dem Zauber des Moments zu folgen und so um sich herum ganz ungewollt für Chaos zu sorgen.

Auch das Bedürfnis nach Nähe bzw. Distanz kann ungleich verteilt sein. Was dem einen zu wenig ist, ist dem anderen manchmal schon zu viel. Zwischen diesen Polen gilt es, Kompromisse auszuloten.

Gemeinsam über Lebenshürden springenAlso haben die Partner in langen Jahren gelernt miteinander zu diskutieren (manchmal auch zu streiten) um am Ende etwas Tragfähigeres zu finden als einen faulen Kompromiss. Denn der sorgt nur für Unzufriedenheit auf beiden Seiten.

Eine Lösung kann es sein, eine Kooperation (einen gemeinsamen neuen Weg) zu vereinbaren. Eine andere, die eigenen Bedürfnisse als Stärke zu nutzen, um damit den Schwierigkeiten entgegengesetzter Anforderungen des Ehealltags zu begegnen.

Bei Nähe und Distanz ist der gemeinsame Urlaub die Herausforderung schlechthin. Es gibt Paare, die diese innige Zweisamkeit nach drei, vier Tagen mit einer Einzelzeit unterbrechen. Tage, an denen jede/r für sich alleine unterwegs ist, die Akkus auflädt und voll neuer eigener Eindrücke am Abend ins Hotelzimmer zurückkehrt.

Im Fall der überraschenden Übernachtungsgäste sah die Lösung der Ehefrau ganz strukturiert aus. Sie plant nun immer mit spontanen Besuchen, das Gästezimmer ist fertig präpariert und die Telefon- und Kundennummer des Sushi-Bringdienstes hat sie auswendig parat. Da kann jetzt kommen wer will.

Kleinigkeiten machen oft die größten Schwierigkeiten

Oscar Wilde (1854 – 1900, irischer Schriftsteller)

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Eine eheähnliche Freundschaft

Der Rocksänger kommt frühzeitig von der wilden Weihnachtsfete zu seinem Manager ins Hotel und gesteht: „Weihnachten sollte man mit dem Menschen verbringen, den man am meisten liebt. Und Du bist die Liebe meines Lebens!“ Der Manager ist geschockt: was hat diese Offenbarung zu bedeuten?

Wir haben das ganze Leben miteinander verbrachtDas Leben hält lebenslange Liebesbeziehungen bereit, die keine Ehe im rechtlichen oder kirchlichen Sinne sind und gleichzeitig alle Merkmale einer „guten Ehe“ enthalten. Da haben sich zwei Menschen vielleicht in der Schule kennen gelernt oder wohnten im gleichen Viertel, und über die Jahre und Jahrzehnte sind sie immer Wegbegleiter des Anderen. Vom ersten Verliebt-Sein und gemeinsamen Ferien, über Ausbildung und Beruf bis hin zu Partnerwahl und Kinderkriegen: Ehen kommen und gehen, diese Freundschaften überdauern alles. Schließlich wünscht Mann oder Frau sich, dass ein bestimmter Freund oder die beste Freundin einen das ganze Leben lang begleitet. Schließlich war er oder sie scheinbar schon immer da und wie soll es ein Leben „ohne“ geben?

„Verlässt Du mich nicht, so verlass ich dich auch nicht. – Nun und nimmermehr.“ lautet der wiederkehrende Dialog zweier Kinder im Märchen „Fundevogel“ der Gebrüder Grimm ↗. Ein Findlingskind und die Tochter eines Försters hatten sich so lieb, „dass, wenn eins das andere nicht sah, es traurig ward“. Vereint überstehen sie drei Mordanschläge, weil sie einander vertrauen und begleiten.

Nicht nur im Märchen, auch im realen Leben gibt es diese Verbindungen: Da gibt es zum Beispiel die fürsorgliche Vertrautheit wie bei jenem Paar, das seit 33 Jahren eine Wohngemeinschaft bildet. Oder zwei Menschen stimmen langfristig Pläne für die Berufs- und Ortswahl miteinander ab, von denen manche Ehepartner nur träumen könnten.

Die Außenwelt steht manchmal ratlos vor der Kategorien-Kommode: in welche Schublade bitteschön soll man diese Beziehung einsortieren? Passt das alles noch zu einer Freundschaft? Denn die Liebe eines Lebens hat manchmal weder was mit Trauschein noch mit Sex zu tun, sondern einfach mit der gemeinsamen Freude am „Du + Ich = Wir“.

Es ist für unsere Situation völlig egal,
wen du liebst und vögelst!

#Sookee ↗ (* 1983, deutsche Rapperin)

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Vom Reden und Zuhören in Paarbeziehungen

Das Paar war schon lange zusammen, doch sie fühlten sich mehr als Haushaltskollegen denn als Liebende. Es gab so wenig Begegnung und Austausch miteinander. Sie sagten sich „Man müsste mal wieder so richtig miteinander reden!“ Doch – wie geht das eigentlich?

Reden und Zuhören im WechselspielMenschen in langen Beziehungen scheinen alles voneinander zu kennen. Der Anfang war eine stürmische Entdeckungsreise gewesen: körperlich, seelisch, geistig. Nach drei, vier Jahren läuft alles wie geschmiert und die Urlaube sind kleine Höhepunkte in der Alltagsroutine. Gerade dann passiert es: Beim Abendessen auf der Hotelterrasse, die Sonne geht gerade am Horizont unter, bricht das große Schweigen aus. Sie haben sich nichts mehr zu sagen. Ein peinlicher Moment, in dem Langeweile und Desinteresse offenbar werden.

Das ist sehr bedauerlich, denn beide Partner entwickeln sich beständig in ihrer Persönlichkeit weiter, fassen neue Gedanken, entdecken Wünsche und schmieden Ideen. Nur teilen sie das einander nicht mehr mit. Denn beim Miteinander-reden gibt es zwei gänzlich unterschiedliche Herausforderungen, die sich als Hemmschuh erweisen: von sich selbst zu erzählen bzw. dem anderen zuzuhören.

Der Psychoanalytiker und Professor für Seelische Gesundheit Michael Lukas Moeller nannte es „Zwiegespräch“ ↗, wenn sich zwei Menschen einander beispielsweise fünf Minuten öffnen und zuhören. Fünf Minuten lang von sich selbst, seinen Gedanken, Gefühlen und Wünschen zu erzählen, setzt manche Menschen so unter Druck, dass sie am liebsten vor dem Gespräch flüchten würden. Für andere Menschen ist das Zuhören schwierig. Fünf Minuten lang aushalten, was erzählt wird, ohne zu widersprechen, zu kommentieren oder Ratschläge zu geben.

Wenn ich nach dem Zuhören erst mit meinen eigenen Worten wiederhole, was ich gehört und verstanden habe, kann ich überprüfen, was wirklich bei mir angekommen ist und ob es das ist, was mein Gegenüber sagen wollte. Dieses „Aktive Zuhören“ verlangsamt das Gespräch, doch die Mühe lohnt sich: mein Gegenüber bekommt mit, dass ich wirklich aufmerksam für ihre/seine Innenwelt bin. (Eine kurze prägnante Demonstration aktiven Zuhörens gibt es diesem Youtube-Video ↗)

Ein Versuch ist es wert, damit aus Kollegen im Haushalt wieder ein echtes Paar im gemeinsamen Zuhause werden kann.

Wenn du dich schon alleine langweilst – was glaubst du, wie ich mich mit dir fühle?

Tischgespräch in der „Barcetta zum Storchen“

 

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Liebende Güte statt „Du liebe Güte!“

Sie war froh, nach so langer Zeit endlich wieder zu Hause zu sein. Allerdings arbeitete in der Küche eine fremde Frau. Und was sollte dieser blöde Verband um ihre Hand? Wütend riss sie ihn ab. „Du liebe Güte, Mutter! Lass ihn dran, wir waren doch gerade deswegen in der Ambulanz gewesen!“ Ambulanz? Wann soll das gewesen sein?

Demenz und Verwirrung gehen Hand in HandIm Kopf von Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind, hat die Zeit ihre ordnende Wirkung verloren. Was vor einer Minute, einer Woche oder einem halben Jahrhundert war, ist wie in einem undurchdringlichen Spinnennetz verwoben. Die Zeitgrenzen sind aufgehoben und einem Sog gleich fühlen sich die Menschen in ihre Vergangenheit zurück versetzt. Die Erinnerungen aus der Kindheit und Jugend sind das einzig Stabile und werden leicht durch Ereignisse aus der Jetzt-Zeit aktiviert.

Angehörige, Freunde und helfendes Personal können sich nie sicher sein, was das Gegenüber noch weiß oder erkennt. Die absolute Spontaneität der an Demenz Erkrankten verlangt ihrer Umgebung alles ab. Und die alten Menschen fühlen sich wie ein kleines Kind behandelt, weil ständig alles anders ist als gedacht, sie ständig kontrolliert werden, ständig korrigiert werden. So sind alle Beteiligten schnell am Ende ihrer Geduld und „Du liebe Güte …“ gehört zum Standardrepertoire der gegenseitigen Vorwürfe.

Es fällt schwer, liebende Güte zu leben, wenn die Mutter ihre eigene Tochter nicht mehr erkennt und Schutzmaßnahmen als Bevormundung angesehen werden. Doch gibt es keinen anderen Weg, als beharrlich und voll nachsichtiger, liebender Güte den Erkrankten zu begegnen. Vielleicht hilft es sich zu verdeutlichen, dass auch der demente Mensch unglücklich über seinen Zustand ist. Dass er verzweifelt versucht, mit Notizen gegen das löchrige Gedächtnis anzukämpfen. Oder die Peinlichkeiten überstehen muss, wenn er sich dabei ertappt hat, wieder etwas ganz Unvernünftiges getan zu haben.

Loslassen bedeutet, das Leben als Leben zu akzeptieren – als etwas nicht Greifbares, als etwas Freies, Spontanes und Grenzenloses.

Zen-Lehre

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Von der Krux, Eltern im Alter zu beraten

Nach der letzten Operation verließ der Vater nicht mehr das Haus und die Mutter opferte sich freiwillig in der Pflege ihres Mannes auf. Wofür ist man schließlich über 50 Jahre miteinander verheiratet! Der Sohn redete sich den Mund fusselig, dass jetzt ein Pflegedienst kommen müsse. Erst als die Apothekerin zur Unterstützung riet, wurden die Eltern aktiv. Der Sohn war verletzt – warum hatten seine Eltern nicht auf ihn gehört?

Mit zunehmendem Alter scheint die Opferrolle eine größere Attraktivität zu gewinnen. Der Mensch hat jahrzehntelang viel geleistet und wird nun nicht mehr so behandelt, wie er sich das wünscht und erwartet. Er fühlt sich als Opfer gleich von zwei Tätern. Zum Einen von den Krankheiten und Gebrechen, die wie eine Heimsuchung über einen herfallen und zum Anderen von den Ärzten, die weder richtig behandeln können noch wirklich Verständnis haben für seine Situation.

Die Herzensverbindung zum Kind behindert das ZuhörenZwischen diese Fronten gerät der Sohn und ist gefangen in der Doppelrolle als Berater und Kind. Denn auch wenn Eltern altern bleibt das Kind Kind. Obwohl der Sohn schon lange arbeitet, seine eigene Familie gegründet hat und gut und gerne 90 Kilogramm auf die Waage bringt, sehen die Eltern in ihm immer auch den kleinen blonden sommersprossigen Kerl, der mit der buntgestreiften Badehose jeden Sommer in Nachbars Planschbecken badete. Wie ernst kann man etwas nehmen, was so ein Dreikäsehoch erzählt? Und dieser kleine Junge ist auch im Sohn immer noch lebendig: wie kann ich meinen Eltern auf Augenhöhe begegnen, wo in mir diese wohlige Erinnerung an die Sommer meiner Kindheit lebendig ist?

Das führt zu einem Drama-Dreieck Eltern-Ärzte-Kind mit klar verteilten Rollen: die Eltern sind Opfer, die Ärzte sind Täter und keiner versteht den anderen. Das Kind will helfend vermitteln und der Retter der Eltern sein. Doch die persönliche Verstrickung mit den Menschen, die ein Leben lang für einen da waren, verhindert, dass das Kinder Gehör findet. Antworten wie „Ach mein Kind, ich mach das doch gerne“ oder „Das bringt doch nix!“ ersticken jeden Lösungsansatz von Anfang an. Würde der Sohn Gehör finden, müssten die Eltern sich eingestehen, dass die Rollen sich vertauscht haben und sie heute diejenigen sind, die beschützt werden müssen.

Die Apothekerin ist nicht Teil des Drama-Dreiecks und der Familiengeschichte. Ohne tiefe Herzensbindung basiert ihr Kontakt viel stärker auf dem Verstand und dem Austausch von Sachinformationen. Statt die Aussagen des Sohns als die des eigenen Kindes zu hören, können die Eltern die Empfehlung der Apothekerin als das hören, was sie ist: als einen notwendigen Schritt, der jetzt ansteht.

Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen.

Sir Peter Alexander Baron von Ustinov (1921 – 2004, britischer Schauspieler, Schriftsteller und Regisseur)

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Was hat die Goldwaage in Beziehungen zu suchen?

Sein Blick irritierte sie immer noch, wie schon am Anfang ihrer Beziehung. In all’ den Jahren ließ er sie daran zweifeln, dass er sie ernst nahm, dass sie „auf Augenhöhe“ waren. Obwohl er ihr oft genug erklärt hatte, das sei sein „Ich verarbeite gerade das, was Du gesagt hast“-Blick, packte sie ihn auf die Goldwaage und beschloss: Das lasse ich mir nicht länger bieten! Doch hat eine Goldwaage in einer Beziehung überhaupt etwas zu suchen?

Die Goldwaage misst zu genauDie Goldwaage kommt in Beziehungen meistens in zwei Phasen zum Dauereinsatz. Ganz am Anfang, wenn das Beziehungsgeflecht noch so zart und zerbrechlich ist wie ein Spinnennetz. Augenflackern, Schwankungen in der Stimme, ein Zögern bei der Antwort – das kann wie ein Eisregen auf der Haut brennen. Alles ist noch so empfindlich, dass ein falsches Wort schon das Ende vom Anfang bedeuten kann.

Die Goldwaage kommt auch am Anfang vom Ende wieder zum Dauereinsatz. Jahrelange Enttäuschungen, Entbehrungen und Entliebung warten nur darauf, dass er oder sie das heißersehnte Wort, die verhasste Geste oder die zu oft miterlebte Handlung zum Besten gibt, um die im Hintergrund sorgsam sortierten Reihen von Kriegern loszuschicken, die zuverlässig noch aus jeder Mücke einen Elefanten gemacht haben. Statt wie beim Anbahnen der Beziehung vorsichtig mit den Fingerspitzen zu agieren können nun die Fußabdrücke nicht groß genug sein, mit denen man der Beziehung seinen Stempel aufdrücken will.

Wird alles auf die Goldwaage gelegt, geht der Blick für das große Ganze verloren. Keine Beziehung, ob im Privatleben, ob auf der Arbeit, kann ohne Großzügigkeit und Freiheit gedeihen. Die Goldwaage hat da nur einen Zweck: je weniger sie zum Einsatz kommt, um so besser ist es um die Beziehung bestellt.

Mein Hund ist als Hund eine Katastrophe, aber als Mensch ist er unersetzlich.

Johannes Rau (1931 – 2006, SPD-Politiker, Bundespräsident)

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Männer sind halt so. Oder?

Mit einem zynischen „Hasta la vista, Baby“ befördert der Held den Bösewicht ins Jenseits – sehr zum Vergnügen ihres Ehemannes, der mit dem Sohn gerne „solche primitiven“ Action-Streifen anschaut, wie sie es ihrer Mutter klagend erzählt. Diese antwortet dann immer: „Männer sind halt so!“ Dabei ist ihr Mann sonst ein fürsorglicher Vater und zärtlicher Gefährte. Wie passt das zusammen?

Es scheint zwei Klischees über Männer zu geben. Zum einen gibt es die, die sich vor lauter eingebildeter Manneskraft nur breitbeinig, eine ganze Bank belegend, in die U-Bahn setzen können. Auf der anderen Seite scheint es welche zu geben, die keinen „Arsch in der Hose“ haben und sich von Ehefrau, Mutter und Tante herumkommandieren lassen. Im Kino werden diese Typen vom gnadenlosen Rambo und vergeistigten Neurotikern in Woddy Allen-Manier verkörpert. Doch zwischen einem Despoten und einem Sklaven gibt es noch mehr Männerschicksale und wenn „Frauenversteher“ nicht als Schmähung verwendet wird, haben diese männliche und weibliche Anteile in sich gut vereinigt.

TangotanzendeAm besten lassen sich solche Männer beschreiben, wenn man einen südamerikanischen Tango-Tänzer zum Vorbild nimmt. Tango ist eine fein austarierte Choreographie zwischen Männern und Frauen, Begehren und Begehrt-werden, zwischen Fordern und Gewähren. Manche Figur ist für mitteleuropäisch emanzipierte Menschen eine Zumutung: beispielsweise wenn der Mann sein Knie zwischen die gespreizten Beine der Frau schiebt. Dabei gibt es genau den Punkt, an dem die Figur das Maximum an Nähe und Erotik ausdrückt, ohne aufdringlich oder vulgär zu wirken. Gute Tangotänzer wissen um dieses Gleichgewicht und werden auch als Macho bezeichnet – nicht zu verwechseln mit dem deutschen Macho.

Ein Macho in Südamerika ist ganz klar ein Mann mit Attributen wie Dynamik, Angriffslust und Härte. Gleichzeitig hat er abwartende, anschmiegsame und ekstatische Anteile in sich, die typisch weibliche Attribute sind. Fehlen diese, spricht man in Südamerika von Machismo. In Deutschland ist genau das die Beschreibung für einen Macho. Es gibt also eine Werteverschiebung zwischen einem südamerikanischen und einem deutschen Macho. Der deutsche hat sein weiches Ich in einem eisernen Gefängnis eingesperrt. Interessanterweise werden solche Männer oft befangen in der Gegenwart einer starken Frau. Wenn sie nicht schüchtern den Rückzug antreten, überspielen sie das gerne mit besonders männlich-klischeehaftem Gehabe.

Ich widerspreche, wenn Evelyn Hamann in einem Loriot-Sketch sagt: „Gott, was sind Männer primitiv!“ Nein, sind sie nicht, manche benötigen mehr eben mehr „Rambo-Qualitäten“, andere hingegen mehr von Woody Allen. Ich frage mich, ob Tangokurse nicht dazu beitragen könnten, dass Männer echte Kerle werden: Männer, die Frauen um derentwillen und nicht um sich selbst Willen begehren. Davon haben beide etwas: die Männer und die Frauen.

„Männer, bei denen die Lust von Herzen kommt, sind mir suspekt. Ich denke doch, die sollte etwas tiefer sitzen.“
Shirley MacLaine, US-amerikanische Schauspielerin

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Wenn Spiegelneuronen vor Begeisterung Feuer fangen

Gebannt hörte ich ihr zu: ihre Begeisterung für ihr neues Projekt war förmlich zu spüren und überzeugte mich restlos davon, dass sie es schaffen wird. Wie anders war die Geschäftsfrau noch ein paar Minuten zuvor gewesen, als sie von ihrer jetzigen Tätigkeit berichtete und wie niedergeschlagen fühlte ich mich dabei. Denn mein Körper reagiert spiegelbildlich auf den Gefühlszustand meines Gegenübers. Wie kann ich aber fremde Überzeugung in mir spüren?

Die Frau, die mir gegenüber saß, bat um Hilfe bei einer Berufsentscheidung: wo hinein sollte sie ihre Energie stecken? Da gab es den „Brot und Butter“ Beruf im Büro und ihre freiberufliche Tätigkeit. Doch die war in einem Umfeld, in dem sich viele mit ähnlichen Fähigkeiten tummelten. Dann erzählte sie von ihrer letzten Reise auf den afrikanischen Kontinent und plötzlich saß ein anderer Mensch vor mir. Konnte diese leuchtende Sonne die gleiche Person sein wie die „graue Maus“, die ich gerade zuvor erlebte? Plötzlich merkte ich auch eine Veränderung in mir: mein Körper spiegelte ihre Erregung und Begeisterung, mein Hirn sendete euphorisch Botenstoffe aus:

  • Begeisterung steckt anMeine Augen leuchteten
  • Meine Wangen glühten
  • Mein Herz klopfte
  • Vor Ergriffenheit stiegen Tränen in meine Augen
  • Ich hatte Flugzeuge in meinem Bauch
  • Meine Beine wollten losrennen
  • Meine Hände waren arbeitsbereit und feucht

Wann hat das letzte Mal ein anderer Mensch Sie vollkommen überzeugt und kein Zweifel blieb in Ihnen, dass da jemand für seine Idee brannte? Vielleicht können Sie sich diese Situation noch mal wie in Zeitlupe betrachten: welche körperlichen Signale fielen Ihnen bei sich selbst auf?

Die Frau entwickelte eine Idee, wie sie einen neuen, auf dem Markt einzigartigen Schwerpunkt ihrer freiberuflichen Tätigkeit anbieten kann. Er basiert auf Kontakten, Projekten und Produkten, die sie aus ihrem Urlaub mitbrachte.

Empathie (die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen) beruht auf so genannten Spiegelneuronen. Ihr Gehirn reagiert auf die Handlungen Ihres Gegenübers, als ob Sie selbst handeln würden. Einzige Voraussetzung: Sie haben schon mal ähnliche Erfahrungen gemacht wie Ihr Gesprächspartner, es gibt also eine verwandte emotionale Grundlage. Kurz gesagt: wenn Sie jemals Begeisterung spürten, einen Neuanfang wagen wollten, dann werden Sie von der Begeisterung des Anderen angesteckt. Wenn dieser Mensch für eine Sache brennt, dann fangen auch Sie Feuer. Andersherum: spüren Sie in sich keine Begeisterung, ist Ihr Gegenüber vermutlich auch nicht begeistert. Nach „Schema F“ trainierte Vertriebler werden von dieser Nachricht nicht begeistert sein.

„In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“
(Cicero, römischer Philosoph, Politiker, Schrifsteller und Redner)

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Der Glückskeks lügt!

Eine schöne Tradition in chinesischen Restaurants ist es, dem Gast mit einem Glückskeks eine Lebensweisheit als guten Wunsch mit auf den Weg zu geben. Wie war ich erstaunt, als ich in meinem Keks die „Weisheit“ fand: „Liebe macht blind“. So ein Unsinn, dachte ich. Im Gegenteil: Liebe öffnet die Augen! Und warum in aller Welt enthält ein Glückskeks einen so frustrierenden Spruch? War dessen Bäcker vielleicht unglücklich verliebt?

Natürlich kenne ich den Spruch, dass Liebe blind macht. Doch meiner Meinung nach werden hier zwei Dinge miteinander vermischt, nämlich: Liebe und Verliebtheit. Verliebtheit ist die Phase mit der rosaroten Brille, auf Wolke sieben schwebend, die begehrte Person in den Himmel lobend. Der Hormonhaushalt spielt komplett verrückt und so manches, was „vorher“ undenkbar war, ja schlichtweg abgelehnt wurde, ist „jetzt“ cool und die anderen sind so spießig, weil sie mich an meine „alten“ Überzeugungen erinnern. Ja, in der Verliebtheit könnten manche Menschen gut und gerne eine gelbe Armbinde mit drei Punkten tragen, die sie als „verblendet“ ausweisen.

Liebe schaut genau hinWenn die Beziehung tragfähig ist, bestehen gute Chancen, sie aus der Phase der Verliebtheit in die Phase der Liebe weiterzuführen. Liebe existiert nicht unter Ausblendung der offensichtlichen Makel und Macken des anderen, sondern sie werden aktiv einbezogen. Der genaue Blick der Liebe auf Stärken und Schwächen des Anderen, wie durch ein Vergrößerungsglas, kann auch manchmal schmerzhaft sein. Für mich, den Betrachter und für mein Gegenüber, das sich nicht mehr hinter einer Maske verstecken kann. Schließlich kann eine Liebeserklärung pendeln zwischen „Und trotzdem liebe ich Dich!“ und „Genau deshalb liebe ich Dich!“

Denn alles, was man mit Liebe betrachtet, ist schön.

Vorschau

Die zweite große Gute-Tat-Saison des Jahres hat gestartet. Seit Aschermittwoch wird wieder gefastet: kein Alkohol (zumindest keine harten Sachen), keine Süßigkeiten (wenigstens keine Schokolade ab 10 Uhr morgens), kein Fleisch (Wurst ist ok) – dem (Selbst-) Betrug sind Tür und Tor geöffnet. Ich kenne das von mir selbst, doch jetzt faste ich „Lästern“. Eine Halbzeitbilanz lesen Sie am 3. März, hier auf meinem Blog.

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Statt Creme: Das Geheimnis für Schönheit bis ins hohe Alter

„88 Prozent von 67 Testerinnen bestätigen“ „messbare Ergebnisse mit dem Faltenlineal“ und „empfehlen das Wunschvolumen“, das sogar „besser als eine Laser-Session“ ist. Ich habe gerade mal bis Seite 15 einer Frauenzeitschrift geblättert und bin schon vier Werbeanzeigen für Schönheitsprodukte begegnet. Wer blütenrein ist, ist schön – so die gängige Formel. Um die dreckige Arbeit des Verblühens kümmert sich des Teufels Foltermeisterin: die Zeit. Auch wenn mich die Kosmetikindustrie hassen wird, verrate ich Ihnen meine vier Geheimnisse für Schönheit bis ins hohe Alter. Garantiert Cremefrei.

Schoen faltigWenn ich durch die Straßen laufe und in die Gesichter der Menschen schaue, beeindrucken mich die von strahlender Schönheit am meisten. Mit „Schönheit“ meine ich nicht die Elemente des gängigen Gesichtsideals, nein, ich meine eine tiefer liegende Schönheit. Es gibt junge Menschen, die dank glatter straffer Haut scheinbar gut aussehen, die aber hässlich von Angesicht sind, weil sie, kaum dreißig, schon alt, grau und verbittert wirken. Und dann gibt es betagte Menschen, die runzlig und faltig, aber von solcher Schönheit sind, dass mir der Atem stockt.

Der Volksmund sagt, dass jeder ab dreißig für sein Gesicht selbst verantwortlich ist. Die Kosmetikindustrie unterstützt diese Verantwortung mit Haar- und Hautpflegemitteln sowie dekorativer Kosmetik und setzte damit im letzten Jahr alleine in Deutschland 7,2 Milliarden Euro um. Ich bin mir sicher, dass kein einziges dieser Produkte lang anhaltende Schönheit bis ins hohe Alter erschaffen kann. Denn sie laborieren an der Oberfläche, während meiner Meinung nach die Ursachen für wirkliche Schönheit im Innern liegen:

  • Lebensumstände: Bin ich von ihnen umsorgt?
    Dazu gehören Fragen wie: Wo lebe ich? Womit ernähre ich mich (körperlich, geistig, seelisch)? Wer sind meine Familie und Freunde? Was ist meine Arbeit?
  • Lebenshaltung: Sorge ich wirklich für mich?
    Fragen wie: Wie viel Ärger habe ich in mir, wie viel Freude? Ist mein Lebenstempo mir gemäß? Wie groß ist mein Vertrauen in mich? Spüre ich meine Bedürfnisse? gehören zu einer schönheitsfördernden Lebenshaltung.
  • Glück: Was begegnet mir?
    Darauf habe ich einen indirekten Einfluss, denn folgender Satz von Curt Goetz öffnet den Handlungsspielraum: „Man soll die Dinge so nehmen, wie sie kommen. Aber man sollte auch dafür sorgen, dass die Dinge so kommen, wie man sie nehmen möchte.“
  • Gene: Was habe ich mitbekommen?
    Komme ich aus einer Familie, die glücklich im Leben steht? Welcher Teil einer Familiengeschichte bin ich (z.B. Flucht und Vertreibung)? Übersprang eine Erbkrankheit meiner Großeltern eine Generation direkt zu mir? Neueste Forschungen zeigen, dass Gene sich im Laufe des Lebens aufgrund der Lebensumstände beeinflussen lassen.

Ich habe mich dafür entschieden, im Innern anzufangen und das Äußere nicht so stark zu beachten.

Ich habe mich dafür entschieden, mit der Lebenshaltung und den Lebensumständen das Gegebene anzunehmen und zu entwickeln und für mein Glück zu sorgen.

Ich habe mich dafür entschieden, schön faltig zu werden.

Ich freue mich auf die Lachfalten, die mein Gesicht zeichnen werden und schaue, dass Sorgenfalten wenig Chancen haben, sich einzugraben.

Vorschau

Vor kurzem habe ich meine Coachingrechnung aufgegessen und ich muss Ihnen sagen: Selten habe ich so etwas Köstliches im Mund gehabt! Jeder Biss ein Genuss und ein anhaltendes Glücksgefühl, das sich vom Bauch her in mir ausbreitete. Statt Geld zu verlangen hatte ich mich bewirten lassen und dieser Essenslohn war mir mehr wert, als wenn ich mit dem Geld der bezahlten Coachingrechnung ins Restaurant gegangen wäre. Und ich fragte mich: wäre das nicht mal ein alternatives Geschäftsmodell? Der Frage gehe ich am 23. Dezember nach, hier auf meinem Blog.

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