Einschreiten, bevor es zu spät ist

Der Firmenumzug war nicht mehr als ein Gerücht und die Umsetzung in weiter Ferne. Doch der Sachbearbeiter hatte, aus angeblich gut informierten Quellen, stets neue Fakten parat. Die verknüpfte er wild nach dem Motto „Je oller, destojewski“ zu Zusammenhängen, die es gar nicht gab. Der Abteilungsleiter hielt sich mit Kommentaren zurück. Schließlich gab es bisher keinerlei Fakten und das würde die Gerüchteküche schnell austrocknen lassen. Ist doch so, oder?

Aus einer Mücke kann ein Elefant werdenDer Arbeitsplatz ist ein Ort, an dem Viele mehr ihrer wachen Zeit verbringen als zu Hause mit der Familie. Deshalb haben Änderungen dieser Umgebung für Menschen mit einem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis eine große persönliche Auswirkung. Wer wird mit wem zusammen sitzen? Wie ist das Licht, die Luft, der Lärm am neuen Platz? Werde ich gar einen eigenen Platz haben? Man hört doch schließlich immer wieder von diesen „Desksharing“-Büros ↗, wo sich jeder morgens seinen Rollcontainer schnappt und ihn zu einem beliebigen freien Platz hin rollt.

Bei Führungskräften finden sich oft Menschen, die faktenbasiert entscheiden und die ein hohes Maß an Unabhängigkeit aushalten. Für die sind „ungelegte Eier“ nicht der Rede wert. Leider neigt man dazu, die eigene Weltsicht auch beim Gegenüber anzunehmen: „So wie ich das sehe, ist es doch richtig und vernünftig. Das muss mein Gegenüber doch auch so sehen wie ich.“

Bei Menschen, die dauerhafte Strukturen in ihrem Leben brauchen, führt der Mangel an Informationen nicht dazu, dass sie weniger darüber reden, was ihnen bevor steht, sondern sie reden umso mehr, je weniger sie gewiss sind. Sie lechzen förmlich nach Faktenhappen. Die sie dann interpretieren und ausschmücken, damit sie größer werden und ihren Informationshunger stillen können. Und so werden Mücken zu Elefanten und am Ende lassen sich Gerüchte nicht mehr einfangen.

Auch wenn es wenig Informationen über so etwas Wichtiges wie einen Büroumzug gibt, lohnt es sich, das Thema regelmäßig anzusprechen. Das nimmt die Sorgen und Bedürfnisse der Menschen ernst, denen Veränderungen mehr Angst als Freude machen und stillt deren Bedürfnis nach Velässlichkeit.

Optimisten sind schlecht informierte Pessimisten

Aus dem Film „Der Himmel soll warten“

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