Das Team durch das Tal der Tränen führen

Die Umstrukturierung betraf jeden Arbeitsplatz. Moderner und effizienter sollten die Prozesse werden und Alteingefahrenes abgeschafft. Doch weder Frustration, innere Kündigung noch Rebellion waren im Team zu spüren, statt dessen Vertrauen in die Bereichsleiterin. Wie hatte sie das hinbekommen?

Durch das Tal der Tränen führenBei einer Veränderung in der Arbeitswelt gibt es verschiedene Phasen, die ein Team erschüttern können. Oft fängt es mit Unzufriedenheit über den jetzigen Zustand und Gerüchten über bevorstehende Maßnahmen an. Dann die ersten Veränderungen, die oft mit einer aus der Homöopathie bekannten „Erst-Verschlimmerung“ ↗ einhergehen. Denn zusätzlich zum Alltag müssen noch neue Wege entwickelt und Arbeitsweisen eingeführt werden: Das System muss gleichzeitig nach den alten und den neuen Prinzipien funktionieren. Hier sprechen viele vom biblischen „Tal der Tränen“ ↗, durch das „man“ hindurch müsse.

Es gibt Führungskräfte, die ihren Mitarbeitern vermitteln, dass mit „man“ nur sie, die Angestellten, gemeint seien. Zwar wird oft das „gemeinsame Boot“ beschworen, in dem sie jetzt alle sitzen würden, doch wenn der Steuermann nach Richtung und Ziel gefragt wird, wird es nebulös. Er versteckt sich hinter blumigen Worten und vagen Versprechungen. Ganz anders hat es die Bereichsleiterin im Eingangsbeispiel gemacht.

Sie sagte sich: „Wenn es nun mal so ist, wie es ist und es sich nicht so leicht ändern lässt – dann brauchen meine Mitarbeiter jetzt Empathie und Transparenz.“ Empathie, Verständnis und Einfühlungsvermögen für die Situation, in der sie jetzt drin stecken. Vielleicht zerplatzen manche Karriereträume. Oder geliebte Arbeitsgebiete werden abgeschafft, die geschätzte Kollegin wird an einem anderen Tisch sitzen.

Und gleichzeitig Transparenz über das Warum, Wofür und Wie der Veränderungen. Ein offenes Gespräch über zerplatzte Karriereträume oder über Chancen und Risiken neuer Aufgaben, aber auch darüber, dass sich noch nicht alles vorhersagen lässt. Denn Mitarbeiter sind nicht so dumm, wie ihnen oft unterstellt wird. Natürlich merken sie, wo der Hase lang läuft und eine Führungskraft, die das ignoriert, gilt als feige und bekommt kein Vertrauen.

So hat also die Bereichsleiterin nach der einfachen Formel „Empathie + Transparenz = Vertrauen“ gehandelt. Dass sie dafür innere Größe braucht, machte sie übrigens überhaupt nicht zum Thema.

Lieber klare Kante als Hose voll

Franz Müntefering, 2008 (* 1940, SPD-Politiker)

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