No pressure – no diamonds! Echt jetzt?

Täglich wird an ihn appelliert, wie er der kommenden großen Krise begegnen solle. Mal wird er an seinen Sinn für Zusammenhalt erinnert, mal zum Durchhalten aufgefordert. Doch als er mit Diamanten verglichen wird, fragte er sich: „Echt jetzt“? Eine Widerrede gegen ein misslungenes Motivationsbild.

Krisenzeit ist Appellzeit. Plötzlich sitzen „alle in einem Boot“, wobei nicht klar ist, ob es ein gemeinschaftlich geteiltes Boot ist. Manche sitzen auf einer Yacht, andere in einem Schlauboot. Wir alle sollen „den Gürtel enger“ schnallen. Manche halten damit den Bauchspeck zusammen, andere schnüren sich die Luft zum Atmen ab. In Organisationen und Firmen wird auch gerne die „Familie“ bemüht, zu der doch alle gehörten. Gemeint ist dabei oft, dass man die eigene Familie im Stich lassen solle, um für die Familienfamilie noch ein paar Überstunden zu machen.

Ein Chef rennt voran und verlangt von Mitarbeitern zu Diamanten zu werdenViele dieser Formulierungen sorgen bei den Empfängern nicht für Motivation, sondern für Kopfschütteln. Besonders misslungen finde ich das Bild „No pressure – no diamonds“ (Kein Druck – keine Diamanten). Diese Formulierung wird gerne von Führungskräften verwendet, um die Mitarbeitenden zu Höchstleistungen anzuspornen. Aber wie entstehen eigentlich Diamanten?

Diamanten bestehen aus reinem Kohlenstoff, einem chemischen Element. Kohlenstoff ist, neben anderen Stoffen, ein Abfallprodukt, das bei der Verbrennung organischer Materialien entsteht. Diamanten können mit Hilfe der Diamantsynthese künstlich hergestellt werden. Dabei wird der Kohlenstoff in flüssigen Schwermetallen wie (gesundheitsschädlichem) Nickel oder Eisen bei hohem Druck und hohen Temperaturen gelöst. Es geht dabei richtig heiß zur Sache: 1.200-1.600°C werden benötigt (Wasser kocht bei 100°C). Und auch der Druck ist nicht von Pappe: 35.000 bis 50.000 bar beträgt er. Zum Vergleich: der mittlere Luftdruck beträgt rund 1 bar.

Wenn eine Führungskraft also mit dem Satz „No pressure – no diamonds!“ motivieren will, meint sie damit tatsächlich, dass die Mitarbeitenden verbrannt werden sollen (also bis zum Burn-out arbeiten), um sie dann bei passenden Gelegenheiten ordentlich zusammenzufalten (Druck auszuüben)? Hoffentlich nicht. Vielleicht haben sie vielmehr Marylin Monroe im Hinterkopf:

Diamonds are girl’s best friends

Aus dem Film “Gentlemen Prefer Blondes“ (Blondinen bevorzugt)

Share

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.