Von der toxischen Sucht, ein Ziel zu erreichen

In jedem Problem steckt eine Chance war ihr Motto. So hatte sie es geschafft, trotz aller widrigen Umstände als erste in der Familie zu studieren, eine Wohnung zu kaufen und so wollte sie auch die Pandemie zu ihrem persönlichen Durchhalte-Erfolg machen. Schließlich erreichte sie immer ihre Ziele. Doch wie passt da nun ihr aktueller Aufenthalt in der Burnout-Klinik hinein?

Karrieremenschen, Sparfüchse, Optimisten, Eigenständige und Lebenshungrige haben eines gemeinsam: Sie alle können weit über das Ziel hinausschießen, das sie ursprünglich erreichen wollten. Denn immer wieder passiert es, dass ein Ziel zum Selbstzweck wird. Dann geht es nicht mehr darum, eine besondere Herausforderung oder ein zugrundeliegendes Problem zu lösen, sondern nur noch, eine einmal gesetzte Marke zu erreichen und danach immer wieder neu zu übertreffen.

Statt nur genügend Geld für ein auskömmliches Leben zu verdienen, geht es dann um die ersten 50.000, 100.000 oder 500.000 Euro auf dem Konto. Und danach um die nächste Stufe, die nächste Zahl. Das ursprüngliche Ziel ist vergessen, so dass selbst unermesslich reiche Menschen immer weiter Geld ansammeln. Nicht nur mit der Gier funktioniert das, sondern auch mit dem Geiz: Pfennigfuchser sparen immer noch mehr (Geld, Strom, Wasser, …) bis hin zur lebensfeindlichen Askese.

Wer nun glaubt, dass nur Perfektionisten der krankmachenden Zielverherrlichung frönen, sollte sich nicht zu sicher wähnen. Alle Menschen können Sklaven ihrer selbst werden. Wechselhafte Menschen, die vieles anfangen ohne etwas zu Ende zu bringen, haben den Wunsch, nichts zu verpassen. Sie wollen jede Gelegenheit zu nutzen, etwas noch Attraktiveres finden. Das Gras scheint auf der anderen Seite des Zaunes noch grüner zu sein und so wird von Weide zu Weide galoppiert.

Sich selbst wie ein Teufel von Ziel zu Ziel treiben

Menschen, denen besonders an Harmonie gelegen ist, kümmern sich um die Bedürfnisse von anderen bis hin zur Selbstaufgabe. Oft ist das den Geholfenen selbst schon zu viel Unterstützung, doch davon lassen sich selbstermächtigte Samariter nicht abhalten. Menschen, die viel Zeit für sich brauchen, können bis hin zur Grantigkeit auf eigene Freiräume bestehen. Bis schließlich der Schutz der Privatsphäre zu einem Haus der Einsamkeit wird.

Auch Optimisten können über das Ziel hinausschießen. Sich auf die Chancen zu konzentrieren, kann zum Handeln motivieren. Doch weil sie die Realität ausblenden, fordern Zwangsoptimisten auch von Verzweifelten „Erkenne, wie gut Du es doch hast!“ Mit klassischen Ablenkungsmanövern werden Zusammenhänge zwischen Dingen hergestellt, die nichts miteinander zu tun haben. Das wird auch „What aboutism“ genannt. „What about“ meint: „Und was ist mit …?“ Beispiel: „Und was ist mit den Menschen im Jemen? Denen geht es doch viel schlechter als Dir.“ Dabei hat der Bürgerkrieg am Horn von Afrika nichts mit meiner persönlichen Notlage zu tun. Oder Kinder, die früher ihren Spinat nicht essen wollten, bekamen die hungernden Altersgenossen in Biafra vorgehalten. Das sind aus meiner Sicht sinnlose Totschlagsargumente.

All diesen übersteigerten Zielverfolgungen liegt ein guter Kern zugrunde, der einmal Auslöser und Motivator für Handlungen war. Dem Kern fehlt dann jedoch eine bremsende, ausgleichende Gegenmotivation. Es ist wie mit jedem Wirkstoff: in geringer Konzentration können sie eine gute Medizin sein. Im Übermaß verabreicht wirken sie wie ein tödliches Gift.

Ein Beispiel: Eine Person, die braun werden will, verbrennt ihre Haut, wenn sie nicht hin und wieder in den Schatten geht. Sie muss das Sonnenbad unterbrechen, damit sie gesund bleibt und nicht an Hautkrebs leiden wird. Wandelt sich das Vorhaben von „braun werden“ zu „brauner werden als alle anderen“ verselbständigt sich das Ziel. Es braucht als Ausgleich die Erlaubnis an sich selbst, auch mal die Sonne zu meiden.

Um in die Harmonie zu kommen, sollten sich Gierige als Ausgleich Großzügigkeit erlauben, Geizige ein wenig Großmut und Lockerheit, Samariter ein wenig Eigenständigkeit und Egoisten ein wenig Offenheit für andere Menschen. Optimisten dürfen auch mal verzweifelt sein. Denn wer wie ein Sklave sein einmal gefasstes Ziel nur um des Zieles willen verfolgt, endet in der Regel krank und einsam.

Erst wenn man weiß, was Angst ist, bekommt man Mut. Nur der ist wirklich mutig, der seine Angst zu bezähmen weiß.

Der Druide Miraculix in „Asterix und die Normannen“

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Vom Versagen im entscheidenden Augenblick

Er hatte scheinbar keinen besonders guten Tag erwischt, während der eine Mitbewerber die Rede seines Lebens hielt und der dritte Kandidat trotz offensichtlich aufgeregt flatternder Stimme mehr Unterstützung bei der Wahl bekam als erwartet. Warum nur hatte er den sicher geglaubten Sieg verpasst?

In den letzten Tagen wurde viel darüber spekuliert, warum Friedrich Merz erneut bei einer entscheidenden Rede nicht die Leistung erbrachte, die viele von ihm kannten und erwarteten. Und deshalb bei der Wahl für ein hohes Amt wieder unterlegen war. Was ihn jedoch nicht daran hinderte, direkt im Nachgang einen Ministerposten zu fordern. Manch eine/r fühlte sich dabei vielleicht an ein lamentierendes Kind erinnert, das sein Eis nicht bekommen hat.

Einige haben das als „Chuzpe“ bezeichnet. Chuzpe ist aus dem Jiddischen entlehnt und bezeichnet eine Dreistigkeit oder Frechheit. Ich bezeichne diese Forderung als „Hybris“: als Übermut oder Selbstüberschätzung. Die zeigte sich auch in der Rede, gerade weil sie ohne Erfolg war. Menschen wie Friedrich Merz werden gemeinhin als strotzend vor Selbstbewusstsein bis über die Schmerzgrenze hinaus beschrieben. Ein solcher Mensch zeigt und hat keine Schwächen. Punkt. Genau das wollen sie uns glauben machen, um zu verbergen, dass es natürlich auch bei ihnen innere Kritiker gibt. Dass auch sie Selbstzweifel haben und dass auch sie auf die Zuneigung von anderen Menschen angewiesen sind. So wie jeder andere Mensch auch.

Ein Mensch stolpert über ein gestelltes BeinDieses nach außen übersteigerte Selbstbewusstsein kaschiert eine innere Sehnsucht nach Anerkennung, wo immer die auch herkommen mag. Die Spekulationen darüber überlasse ich den Psychologen. Als Coach betrachte ich die Auswirkungen im Hier und Jetzt, auch aus eigener Erfahrung: denn so etwas ist mir schon selbst passiert. Und da zeigte sich, dass in entscheidenden Momenten „die Nerven flattern“ und der souveräne Umgang mit sich selbst nicht so recht gelingen mag.

Ich möchte das an einem Beispiel einer meiner Coaching-Ausbilderinnen erläutern. Sie hatte vor etlichen Jahren einen Auftritt vor großem Publikum. Sie hatte souverän alles Wissen parat und war perfekt vorbereitet. Damals wurde mit Overheadfolien gearbeitet und wer alt genug ist, sich an dieses Medium zu erinnern, kennt auch den Klassiker in solchen Situationen: die glatten Folien rutschten ihr allesamt aus der Hand. Also musste sie sich coram publico (vor allen Leuten) hinknien und alle Folien aufsammeln und sortieren. Eine sehr peinliche Szene, die ihre Kompetenz als Trainerin geradezu karikierte.

Doch sie nahm genau das als Anlass, ihre volle Souveränität zu zeigen. Sie hielt beim Sortieren inne, schaute zum Publikum und sagte: „Sie fragen sich bestimmt, wie diese Trainerin Ihnen was beibringen soll, wenn sie noch nicht einmal ihre Folien in der Hand halten kann?“ Damit hatte sie die Zuhörenden auf ihrer Seite. Denn sie zeigte eine sogenannte Souveränität zweiter Ordnung ↗, weil sie nicht nur fachlich versiert war, sondern ihren Lapsus thematisierte. Dazu braucht es nicht nur das Wissen um die eigene Fehlbarkeit, sondern auch deren Akzeptieren und Integration. Fehler brechen da keinen Zacken mehr aus der Krone.

Und genau daran scheint es Menschen wie Friedrich Merz zu mangeln. Die inneren Anteile, die um die eigene Fehlbarkeit wissen, werden konsequent eingesperrt und mundtot gemacht. Doch im Untergrund rebellieren sie. Mit der Folge, dass sie immer mal wieder ihrem Menschen ein Bein stellen, wenn der oder sie eigentlich souverän sein will. Geht es im entscheidenden Moment daneben, gibt das gekränkte Ego gerne anderen die Schuld oder lenkt ab, fordert, provoziert, um mehr Stärke vorzugeben, als vorhanden ist.

Wer kennt sie nicht – die Leute, die sich immer vordrängen und doch nie vorn sind.

Johannes Gross (1932-1999, deutscher Journalist und Verleger)

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Die Luft ist raus – und nun?

Statt Vorfreude auf den Advent mit seinem Lichterzauber und Glühweinduft gab es nun wieder mal Einschränkungen im täglichen Leben. Sie hatte die Nase voll und sah kopfschüttelnd, wie andere jetzt erst recht aufdrehten und übereifrig aktiv wurden. Waren die denn nicht so pandemüde wie sie?

Auch auf die Gefahr hin, langweilig zu erscheinen: es geht mal wieder um das, was der Umgang mit dem #Coronavirus mit uns macht. Ich spüre eine große Müdigkeit. Nicht nur bei mir, sondern überall: der Familie, den Freunden, Menschen auf der Arbeit. Im Frühling halfen länger werdende Tage noch, auf geschlossene Freizeit- und Kulturorte mit Ausweichen in Parks und Gärten zu reagieren. Dann kamen die Lockerungen, der Sommer war da, Urlaub war teilweise wieder möglich geworden und wir alle atmeten tief durch. Tief im Innern ahnten vielleicht manche, dass der Herbst noch einmal ganz neue Herausforderungen bringen würde. Und so kam es ja dann auch.

Gleichzeitig nehme ich zwei unterschiedliche Reaktionen darauf wahr: da gibt es diejenigen, die jetzt so richtig aufdrehen. Die sich in die Arbeit stürzen, Überstunden machen und weit über ihre Erschöpfungsgrenzen hinaus aktiv sind. Nicht alle müssen das, weil ihr Beruf oder ihr Geschäft das jetzt erfordert. Diejenigen, die das freiwillig machen, scheinen zu hoffen, dass alles so viel schneller vorbeigeht. Dabei zeigt der Körper deutlich, dass es besser wäre, einen Gang zurückzuschalten statt hochzuschalten. Je nach Veranlagung melden sich Rücken, Kopf, Magen oder Haut mit Beschwerden. Der Schlaf wird löchrig wie ein Schweizer Käse. Doch nichts bringt diese Menschen dazu, auf ihren zu Körper zu hören. Denn wer ständig in Aktion ist, kann nicht zuhören.

Ein Hase ist am Rennen„Keine Zeit! Keine Zeit!“ ruft der Hase in „Alice im Wunderland“ und „Ich bin zu spät! Ich bin zu spät!“ Wohlfeile Ratschläge „Du solltest mal mehr auf Deinen Körper hören!“ prallen an den Leuten ab, die wie der weiße Hase im Kinderbuch durch das Leben hoppeln. Damit ich hören kann, muss ich hören wollen, meine Ohren öffnen und lauschen. Die Benediktiner-Regel „Ora et labora et lege, Deus adest sine mora“ lässt sich mit „Bete und arbeite und lies, Gott ist da ohne Verzug“ übersetzen. Es geht um einen Wechsel aus körperlicher, geistiger und spiritueller Tätigkeit, aus äußerlichem Aktivismus und innerer Kontemplation (Versenkung). Wird die Regel auf „Ora et labora“ verkürzt, scheint es, als ob ein gerechtes Leben nur durch harte Arbeit und beten (um Beistand) zu erreichen ist.

Beten ist ein Gespräch mit einer Gottheit und bis auf wenige Mystiker haben die meisten Menschen eine göttliche Stimme nie laut gehört. Zum Beten gehört also notwendigerweise das Hören: hören auf ungesagte Worte. Diesen Gedanken scheint die zweite Gruppe von Menschen ernst zu nehmen, die ich beobachte. Sie konzentrieren sich auf sich und ihre Liebsten, räumen der Ungewissheit über die zukünftige Pandemie-Entwicklung Raum ein und suchen in der Natur, der Meditation oder vielleicht auch im Gebet den Weg, auf dem sie gesund durch den Winter kommen. Schließlich sind November und Dezember die Zeit, in der die Natur zur Ruhe kommt. Also warum nicht auch wir Menschen?

Denn auch wenn vielen Leuten klar ist, dass es erst im Frühjahr wieder wirklich „besser“ wird, haben viele jedoch keinen Plan, wie sie bis dahin durchhalten wollen. „Anhalten“ statt „durchhalten“ wäre also meine Empfehlung, ein „durchrennen“ wird meiner festen Überzeugung nach einfach nur krankmachen.

Ich habe immer gedacht, die Zeit wäre ein Dieb, die mir alles stiehlt, was ich liebe. Aber jetzt weiß ich, dass sie gibt, bevor sie nimmt und jeder Tag ist ein Geschenk. Jede Stunde. Jede Minute. Jede Sekunde.

Aus: Lewis Carroll „Alice im Wunderland“

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Nur ich auf meiner einsamen Insel

Das Ziel aller Arbeitsträume naht: der Urlaub! Doch in diesem Jahr ist es mehr Albtraum als Paradies. Immer noch eng mit der Familie zusammen, Edersee statt Engadin und danach noch weitere vier Wochen Ferien zu überbrücken. Sie wollte am liebsten auf eine einsame Insel, alleine. War sie deshalb eine Rabenmutter?

Vier Monate Ausnahmezustand im Familienleben hinterlassen ihre Spuren. Vier Monate, in denen zu Hause gearbeitet wurde, Schule stattfand und Besuche ausblieben. Wer Glück hat, konnte noch raus in den Garten oder immerhin auf einen Balkon. Vielleicht haben alle sogar eigene Zimmer! Doch selbst dann ist eines Mangelware: Zeit für sich selbst. So wie Klopapier und medizinische Masken Mangelware waren, sind Rückzugsmöglichkeiten rar gesät gewesen. Ein Rückzug von anderen Menschen, endlosen Aufgaben und auferlegten Pflichten. Ein Rückzug in mich selbst, mein Tempo, meine Zeit. Niemanden sehen und niemanden hören.

Stattdessen klingelt nach einer zu kurzen Nacht wieder der Wecker und manch ein:e kann dann vielleicht diese Liedzeilen von Udo Lindenberg nachvollziehen:
„Was ist das bloß für ein beschissenes Land
in dem schon morgens um sieben die Sonne aufgeht?
Er schmeißt den Wecker an die Wand
und flucht vor sich hin, während er langsam aufsteht.“

Der namenlose Protagonist des Songs ist vom Leben überfordert und um damit zurecht zu kommen, geht er ins „Killer Kino“, schaut sich Mad Max, Alien und andere Brutalo-Filme an. Dort wird abgerechnet und mitgeschossen. Auch friedliche Menschen entdecken in sich mal solche Gedanken. Jetzt sind die meisten Kinos zu und selbst wenn, wäre das meiner Meinung nach nicht der probate Weg, mit der aktuellen Überforderung umzugehen.

Nur ich auf meiner Insel

Wie verlockend ist stattdessen dieser Gedanke: „Ich, alleine auf einer Insel. Vielleicht noch eine Nachbarinsel nebenan, zu der ich hinfahren kann, um einen anderen Menschen zu sehen. Aber nur, wenn ich es will.“ Dieses Bild beschreibt eine tiefe Sehnsucht nach Ruhe. Und wenn diese Sehnsucht nicht gestillt wird, sind die Risiken und Nebenwirkungen: leichte Reizbarkeit, dünne Geduldsfäden, Kopf- und Gliederschmerzen. Der Wunsch nach Besinnung ist gerechtfertigt, damit ich bei Sinnen bleibe.

Nicht jedem ist es gegönnt, wie erfahrene Yogis auch im lautesten Alltag einer indischen Stadt in Meditation und Kontemplation zu versinken. Doch ganz sicher gibt es in jedem Alltag kleine Lücken für Auszeiten. Auch im Urlaub kann es guttun, mal einen halben oder ganzen Tag etwas getrennt voneinander zu machen. Das sind Chancen für die Muße, die erfrischen und entspannen.

Wenn man seine Ruhe nicht in sich findet, ist es zwecklos, sie andernorts zu suchen.

François VI. Herzog de La Rochefoucauld (1613 – 1680, franz. philosophischer Schriftsteller)

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Das schwarze Schaf der Familie

Die Familiengeburtstage liefen schon immer so ab: Kaffee, Kuchen, Kartoffelsalat, Würstchen, Bier und Schnaps bis zur völligen Trunkenheit der Gäste. Alle machten mit, bis auf einen Cousin, der eisern nüchtern blieb. Er war halt der Sonderling und manch einer fragte sich: „Der ist so anders, gehört der überhaupt zur Familie?“

Aus guten Gründen gibt es bei Herdentieren bei jeder/jedem Individuum die Tendenz, sich anzupassen. Auch Menschen sind Herdentiere. Wer zur Gruppe gehört, ist bei einem Angriff geschützter, kann auf Anerkennung oder Unterstützung hoffen und gewährt im Gegenzug Hilfe für andere Gruppenmitglieder. Dazu passt man sich einander an, allzu große Abweichungen im Verhalten oder Aussehen werden vermieden.

Doch persönliche Vorlieben oder Eigenschaften lassen sich nicht beliebig glattschleifen und so entsteht mitunter Ausgrenzung. „Das ist das schwarze Schaf in unserer Familie“ kann genauso gut für die einzige studierte Person im bäuerlichen Familienkreis gelten wie für die einzige Handwerkskraft im akademischen Umfeld; den einzigen Vegetarier im Metzgersclan oder die Oldtimerfreundin in der Öko-Kommune.

Als schwarzes Schaf lässt es sich gut leben

Diese Individualisten, diese „nicht Passenden“ stehen vor einer schweren Entscheidung: beuge ich mich dem Gruppendiktat um den hohen Preis, dass ich mich innerlich „falsch“ fühle, meine Wünsche, Talente oder Sehnsüchte unterdrücke „um des lieben Friedens willen“? Oder trage ich den Konflikt nach außen, anstatt ihn in mir selbst auszutragen? Manchmal kann man sich einfach nicht passend machen. Und aus einem Trotz heraus kann eine mutige Entscheidung entstehen: „Wenn ihr mich sowieso anders wollt, dann bin ich eben anders – aber so, wie ich will und nicht so, wie Ihr es wollt!“ Denn die Leute reden sowieso, egal was ich mache. Als schwarzes Schaf nehme ich mir daher Freiheiten heraus, von denen die anderen nur träumen. So lässt es sich prima leben!

Dieser Weg, zu sich und zur eigenen Individualität zu stehen, kann auch einen Preis fordern: den des Ausschlusses aus der Gemeinschaft. Gleichzeitig eröffnet er die Chance, die Energie in die Förderung der eigenen Talente zu investieren anstatt in ihre Unterdrückung. Entwicklung ist nie durch Anpassung alleine möglich, es braucht immer auch eine Konfrontation, eine Auseinandersetzung mit dem Gegebenen.

Unerfüllte Bedürfnisse und Wünsche lassen sich zwar tief vergraben, doch im Untergrund leben sie weiter und revoltieren früher oder später. Letztendlich wird damit das von außen vergebene Stigma des „schwarzen Schafes“ erfüllt: die Ausbrüche aus den fremden Gefängnismauern gelten geradezu als Beweis für die Absonderlichkeit dieses Familienmitgliedes.

Doch scheint mir der individuelle Weg der einzig Gangbare zu sein, da er vielfältige Möglichkeiten eröffnet, während das Unterdrücken der persönlichen Entwicklung das Leben einengt. Einen Kampf muss ich nun mal ausfechten: entweder in mir drinnen gegen mich selbst oder ich bin im Reinen mit mir und kämpfe gegen das Umfeld. Bevor ich mir meinen Willen brechen oder mein Seelenheil gefährden lasse, suche ich persönlich lieber meinen Weg, mein eigenes Leben zu leben. Notfalls im Exil.

Woanders weiß man selber, wer man ist, hier wissen es die anderen. Das ist Heimat.

Aus dem Roman „Sommerfest“ von Frank Goosen

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Dank Völlerei zum Fastenziel

Am Aschermittwoch beginnt für sie wieder die dunkle Jahreszeit: für das schwammige Ziel „zu entgiften und schlanker zu werden“ stellte sie zwei Listen auf. Eine enthielt die Dinge, auf die sie verzichten musste, die andere Dinge, die sie tun musste. Bei ihrem Anblick wurde sie schwer wie Blei: könnte Ostern nicht bitte schon morgen sein?

40 Tage dauert die Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern. Die Zahl 40 hat in der Zahlenlehre die Bedeutung einer Grenze und eines Einschnitts. 40 Tage dauerte die Sintflut, war Moses auf dem Berg Sinai und Jesus in der Wüste. Auch die Psychologie geht davon aus, dass es rund 40 Tage dauert, um eine neue Gewohnheit in den Alltag zu integrieren. Eine neue Gewohnheit zu etablieren, ist einfacher, als eine alte abzulegen. Das kann mitunter einige Jahre dauern. Das Erfolgsrezept bei der Neu-Etablierung: Das gewünschte Verhalten mit einem deutlichen Auslösereiz koppeln und dann durch eine Belohnung verstärken.

Dabei sollte diese Belohnung so direkt wie möglich sein. Wenn ich ein konkretes Verlangen wecken kann, dann trägt mich das über jene Kräfte hinweg, die mich sonst im Alten gefangen halten. Anfangs geht es nur, wenn ich das Ganze bewusst mache. Im Laufe des Übens verselbständigt sich mein Verhalten und eine neue Gewohnheit entsteht. Zum Fastenziel gelangen mit Verlangen, Völlerei und Vergnügen? So könnte es gehen:

Ich gönne mir 40 Nächte lang tiefen entspannten Schlaf mit süßen Träumen, der mich frisch und erholt in den Morgen entlässt. Dafür trinke ich abends statt schlafstörendem Wein lieber basische und beruhigende Kräutertees. Unglaublich, welche Geschmacksvielfalt es in diesem Segment gibt!

Ich tauche in reinigendes Wasser und fühle mich wohl wie ein Fisch oder ein Ungeborenes im Mutterleib, weil ich mich mit dem Urelement schlechthin verbinde. Dabei spüre ich die Leichtigkeit meines Körpers, der sich angenehm bewegen lässt. Das Vergnügen des Schwimmens gestatte ich mir jede Woche.

Ich gehe kulinarisch auf Weltreise und entdecke Früchte aus allen Kontinenten. Die besten Winteräpfel aus der Region, die ersten Südfrüchte aus Italien, orientalische Köstlichkeiten, asiatische Leckereien und was hat eigentlich Lateinamerika zu bieten? Ich leiste mir jeden Nachmittag Obst-Exkursionen statt Schokoladenzucker.

Ich stelle mich abends auf den Balkon oder ans Fenster und schaue den Himmel an. Jeden Tag gibt es ein neues Meisterwerk aus Farben und Formen, jeden Tag ist ein bisschen später Sonnenuntergang, jeden Abend ein bisschen mehr oder weniger Mond. Die Freiheit einer Handyauszeit nehme ich mir in aller Ruhe.

Belohnungen führen zum Ziel

Hat man die erste Hürde geschafft, einen neuen Auslösereiz zu etablieren, wird die Gewohnheit zum Selbstläufer.

Ich kann allem widerstehen, nur der Versuchung nicht.

Oscar Wilde (1854 – 1900, irischer Schriftsteller)

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Ich leiste was, also bin ich was?

Der fünfjährige Bub rannte stolpernd durch den Kindergartenflur. Als er ohne Hinzufallen an der Tür ankam, applaudierte das ganze Haus. Zum ersten Mal war ihm das gelungen, denn er lebt mit einer Bewegungseinschränkung. Und wie sieht das der Junge, der schon locker 1.000 Meter joggen kann?

Der Lauf seines Lebens

Unabhängig von dem herrschenden Politiksystem scheint sich weltweit eine „Meritokratie“ durchgesetzt zu haben. Als Meritokratie wird eine Herrschaftsordnung bezeichnet, in der die Menschen mit dem größten Einfluss besondere Leistungen erbracht haben. Als Lohn für ihre Verdienste werden sie geliebt, bekommen Zugang zu Ressourcen (Geld, Bildung und Beziehungen) und können für alle anderen definieren, welche Leistungen notwendigerweise erbracht werden müssen, damit auch sie zu den Guten, Mächtigen, Auserwählten gehören – durchaus auch manchmal metaphysisch aufgeladen. Wegbereiter sind Reformatoren wie Zwingli oder Calvin.

Gott beruft nach ihrer Meinung den Menschen zu Aufgaben und wer sie gewissenhaft erfüllt, hat bei Erfolg Seelenheil erlangt. Im persönlichen Leistungsbilanzüberschuss zeigt sich also die Gottgefälligkeit. Wer immer jung, schön und fit erfolgreich auf der Karriereleiter nach oben geklettert ist, führt ein Leben, das Gott (oder den Göttern in Weiß, Grau, …) gefällt. Frei nach Herbert Grönemeyer singen diese Menschen fröhlich ein Lied vor sich hin: „Leisten macht so viel Spaß. Ich könnte ständig weitergeh‘n. Arbeiten ist wunderschön.“ Eine Pause ist da Müßiggang, der sündhaft erscheint.

Auch wer mit dem Glauben in diesem Sinne wenig am Hut hat, kann sich dieser Weltsicht nur schwer entziehen, weil sie tief in uns wirkt. Früher war es eine mechanistische Sichtweise, die sich an Maschinen, Zahnrädern und Antriebsriemen orientierte. Heute geht es um ein selbst geschaffenes und digital optimiertes Leben. Die industriellen Stückzahlen im Akkord haben wir so angepasst, dass sie in die modernde Informationsgesellschaft passen. All diesen Gedanken liegt eine abstrakte Nullgröße als genormte Vergleichsbasis zugrunde. Nur wer ausgehend von einem willkürlich festgelegten Punkt X eine definierte Leistung Y erbracht hat, kann sich erfolgreich nennen und bekommt dafür Anerkennung.

Etwas in Vergessenheit geraten scheint dagegen der revolutionäre Kern der Reformation. Jeder Mensch ist von Gott angenommen und geliebt, von Geburt an, ohne Leistung, ohne Ablass. Ich plädiere entschieden dafür, auf diesen Aspekt zu schauen. Ausgehend von meinen individuellen Voraussetzungen aus körperlicher Konstitution, äußeren Lebensumständen und innerer Verfasstheit ist es vielleicht die gleiche Leistung, ob ich einen Marathon unter drei Stunden laufe oder eine halbe Stunde Walken gehen kann; ob ich eine Promotion mit „summa cum laude“ oder eine Lehre abschließe; ob ich vertrauensvoll und offen über meine Gefühle sprechen kann oder ich vorsichtig mein Innenleben schütze. Und dann ist die Überwindung einer ganz persönlichen Grenze immer eine Leistung.

Die gleiche Leistung zählt mal so und mal so

Die individuelle Leistung würdigenSo hat auch der Freund des Buben aus dem Eingangsbeispiel applaudiert, als der den Flur entlang rennstolperte: „Was für eine Leistung!“ rief er ihm zu und schlug ihm auf die Schulter.

Ich bin nicht gescheitert – ich habe 10.000 Wege entdeckt, die nicht funktioniert haben.

Thomas Alva Edison (1848 – 1931, US-amerikanischer Erfinder und Unternehmer, der die Glühbirne nach vielen Versuchen zur Marktreife brachte)

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Der Infusionsständer-Tango

„Ja, merken Sie denn nicht, dass mein Freund seit zwei Stunden Schmerzen hat?“ Die Krankenschwester war ob dieses Vorwurfs wie vor den Kopf gestoßen. Denn nicht nur der Ton machte die Musik, sondern auch diese herablassende Haltung brachte sie auf. Das könnte man doch auch ganz anders sagen, oder?

Tango mit dem InfusionsständerKrankheiten, besonders solche, die einen Krankenhausaufenthalt notwendig machen, bringen jeden Menschen an die eigenen Grenzen. Die grundlegenden Charaktereigenschaften treten ungeschminkter hervor, da mildernde Gegenkräfte durch die Krankheit geschwächt sind. Das eigene Leid tritt stark in den Vordergrund, manchmal verbunden mit einer Opferhaltung: „(Nur) Ich bin so arm dran!“ Und alle anderen sind da, um (ausschließlich) mir zu helfen.

In Deutschland haben wir ein Gesundheitssystem, um das uns die meisten Menschen auf der Welt beneiden. Statt einer Kreditkarte lege ich eine Krankenkassenkarte vor und schon geht die Behandlung los. Pflegekräfte, Ärzte, medizinisches Gerät – all das steht mir zur Verfügung, ohne dass ich vorher meine Bank um einen Kredit anpumpen muss.

In diesem komplexen System namens „Krankenhaus“ habe ich trotz aller Fremdbestimmung durchaus Einflussmöglichkeiten. Es gibt gute und schlechte Zeitpunkte, um individuelle Bedürfnisse zu äußern. Ich kann vertrauen oder misstrauisch sein. Ich kann Humor bewahren oder ein Grantler werden.

Ich selbst habe letztens die Erfahrung gemacht, dass ich mit einem ehrlichen Lächeln und einer freundlichen Bitte in Leerlaufmomenten viel für mich erreichen, dass ich ein gutes Verhältnis zu Pflegern und Ärztinnen aufbauen und die notwendigen Einschränkungen auch mit Humor nehmen kann. Wenn schon Magensonde durch die Nase, dann auch „Törööh!“ Benjamin Blümchen. Wenn schon Infusionen, dann auch Tango mit dem „Best Buddy“ Infusionsständer. Schließlich geht es um meine Genesung und die wird mit Leichtigkeit mehr unterstützt als mit Griesgrämerei.

Ich habe keine Probleme – ich bin das Problem.

Ekki Talkötter aus der Krimiserie „Wilsberg“

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Ein Weckglas voll schöner Momente

Während sich draußen die Feuerwerker für Silvester warm schossen, saßen die Freunde in der Küche zusammen und schwelgten in Erinnerungen an das letzte Jahr. Vor ihnen lag ein Stapel mit Quittungen, Eintrittskarten und Prospekten, die alle von einem schönen Erlebnis stammten. War das nicht ein wenig rührselig?

So ein Jahr mit seinen 365 Tagen ist ganz schön lang. Und die Monate Januar bis März liegen scheinbar in grauer Vorzeit: draußen war es sicherlich eher trüb, kein Grün in den Gärten und Parks und der Lichterzauber der Weihnachtszeit war schon lange abgeschmückt. Doch da war dieser Theaterbesuch, mehr eine öffentliche Probe, nach der sie noch mit den Schauspielern in der Weinbar zusammen saßen und über das Stück und das Leben philosophierten. Das war schon in Vergessenheit geraten. Wie jener Abend in Köln, als einer von ihnen den Anschlusszug verpasste und – statt sich aufzuregen – bis zum nächsten Zug in einem Jugendstil-Wartesaal einen leckeren Drink genoss. Und es gab diesen Besuch im Schwimmbad bei 35°C im Schatten, wo sich einer von ihnen nicht traute, vom Fünf-Meter-Brett zu springen. Plötzlich war das vergangene Jahr in all seiner Fülle der erlebten Momente wieder lebendig.

Ein Weihnachtsjoint kann sehr entspannenAuf dem Fensterbrett steht bei ihnen seit Jahren ein großes Vorratsglas, in dem erinnernswerte Momente gesammelt werden. Manchmal sind die Karten, Quittungen oder Prospekte noch mit einer handschriftlichen Notiz ergänzt, so dass der Zusammenhang klar wird. Das Schöne an dieser Sammlung ist der Geschichtsfaden, der sich entspinnen kann. Ausgehend von der Quittung aus dem kleinen marokkanisch-französischen Café in Berlin-Mitte breitete sich die Erinnerung aus zum Morgen in dem Schuhladen, dem Mittagessen in der alten Markthalle über den 18 Uhr-Sekt in der Cocktailbar an der Friedrichstraße bis zum Abendessen in einer alten Villa am Fuße des Kreuzbergs.

Die wertvollsten Momente wurden am Ende mit einer Schleife zusammengebunden und ins Archiv der schönen Erinnerungen gelegt. Das Weckglas war nun wieder leer für all das, was im neuen Jahr kommen würde.

Du Greis in der Erinnerung
Durchlebter Freude: o wie jung!

Adolf Glassbrenner (1810 – 1876, Humorist und Satiriker)

 

Das Zitat stammt aus dem Gedicht „Weltweisheit“

Lebst du ein Jahr in Gram und Leid:
Du lebtest keine Stunde Zeit.

Ein Tag gelebt in Lieb‘ und Kuß,
Es ist ein ganzes Jahr Genuß.

Ein Jahr verbracht in frommen Wahn,
Ist keine Stunde wohlgetan.

Ein Stündchen Scherz, ein Stündchen Wein,
Das ist: ein Jahr lang glücklich sein.

Ein Jahr im Staats- und Pfaffenjoch,
War keine Stunde Leben noch.

Ein Stündchen froh und frei die Brust:
Ein Jahr voller Leben und voll Lust!

Du Knecht der alten Menschennot,
Wie lang‘ schon Jüngling, bist du tot!

Du Greis in der Erinnerung
Durchlebter Freude: o wie jung!

Wer sich in Angst und Pein begräbt,
Der hat sein Leben nicht gelebt.

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Mit dem Älter-Werden kommt das Egal-Sein

Da lag sie am Pool und rekelte sich im Badeanzug auf der Sonnenliege. Die Pfunde verteilten sich auch am Bauch und vor ihrem Dekolleté standen die Männer schon lang nicht mehr stramm. Wie sie das genoss! War das Älterwerden nicht herrlich?

Spaß oder kein Spaß im Alter – das ist die FrageWenn ich mich so umhöre unter den Menschen, die Ende vierzig und älter sind, dann sagen die meisten: „Jung wollte ich nicht mehr sein!“ Die Jugend? So anstrengend, immer zur Clique dazu gehören zu wollen! Jeder Mode zu folgen! Erste Berufsjahre? Auf 50-Stunden Wochen, heute hier, morgen dort und trotzdem immer blendend aussehen müssen, kann ich echt verzichten! Wieder jung sein? Wenn, dann nur mit meiner heutigen Lebenserfahrung!

Unausgesprochen bleibt, dass zur Lebenserfahrung auch ein größeres Maß an Gleichgültigkeit gegenüber äußeren Ansprüchen gehört. Die Schwerkraft zieht alles zum Erdmittelpunkt. Diese Tatsache sollten wir endlich akzeptieren schreibt die Kolumnistin Margarete Stokowski. Und es scheint, dass sich jene Erkenntnis im Alter ab 40, 50 langsam durchsetzt.

Und wie befreiend das ist! Nicht nur auf den Körper bezogen. Da auch die geistigen Kräfte nicht mehr so taufrisch sind wie Anfang 20, muss und kann ich sie nun gezielter einsetzen. Wozu sie für Dinge verschwenden, die ich als unwichtig für mich erkannt habe? Auch Konventionen können ihre Korsettwirkung verlieren, nachdem ich mich jahrzehntelang von ihnen habe einengen lassen.

Im Goldenen Jahrzehnt, also den 50er Lebensjahren, habe ich es in der Hand, ob ich ein sauertöpferischer Griesgram werde, der dem Vergangenen nachtrauert und den anderen ihr Glück neidet. Oder ob ich mich zum lebenslustigen, mitunter vielleicht auch renitenten Alten weiterentwickele, der mit Udo Lindenberg einstimmt und singt:

Immer lustig und vergnügt, bis der Arsch im Sarge liegt.

(Aus: „Grande Finale“ vom Album „Udopia“)

 

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