2015 – und ab dafür?

Der kleine Junge hatte Mitleid mit dem alten Jahr. Alle waren froh, es los zu sein und keiner wollte es mehr haben. Dabei hatte es sich jeden Tag Mühe gegeben, für jeden das Beste herauszuholen. Und nun wurde es davongejagt mit Krach, Blitz und Donner. Also nahm er es nach dem Feuerwerk mit ins Bett und legte es zu all den anderen Jahren, die dort schon lagen. Denn einer musste sich doch darum kümmern, oder?

Dem alten Jahr den schönen Erinnerungen entlockenDieser kleiner Junge bin ich gewesen und ich konnte nicht verstehen, wenn die Erwachsenen sagten: „Welch ein Glück ist das Jahr vorbei. Hoffentlich wir das nächste besser!“ Denn ich fand das Jahr immer großartig. Die langen Sommerferien zum Beispiel mit dem Jugendlager im Westerwald. Ach, wie war ich verliebt in Nicole! Oder das neue Fahrrad: endlich eines mit Gangschaltung! Die kulinarischen Höhepunkte im Herbst mit Zwetschgenknödel und einem Kuchen, der so aufwendig war, dass meine Mutter in nur einmal im Jahr buk.

Diese kleinen Glücksmomente hatte ich mir behalten, den Rest vergessen. Im Laufe der Zeit blieb der „Rest“ mehr im Gedächtnis haften, die Glücksmomente rutschten weg und so kam es eines Tages, dass auch ich sagte: „Hoffentlich wird das nächste Jahr besser!“

Glücklicherweise sagte meine Frau in dem Moment: „Ach, aber wir hatten doch auch den Urlaub an der Ostsee. Weißt Du noch? Das Meer war so glatt, das es nahtlos in den Himmel übergegangen wäre, wenn nicht eine dünne gelbe Schicht aus Rapsblütenstaub darüber gelegen hätte.“ Stimmt – und da war auch dieser kleine Laden, in dem wir die lang umschwärmte Keramiktasse für unsere Freundin kauften. Und so fing es an: wie an einer Perlenschnur reihten sich die kleinen Glücksmomente aneinander, wir sprangen vom Sommer zum Frühjahr, vorwärts in den Herbst und zurück zum Winter.

Am Ende stellten wir fest, wie reich das Jahr doch war an Dingen, an die wir uns gerne wieder erinnerten. Damit wir das mit dem Erinnern in Zukunft leichter haben, begannen wir in jenem Jahr, Eintrittskarten, Quittungen oder Handyfotos aufzuheben. Wir wurden so zu Sammlern von Augenblicken, die leicht in Vergessenheit geraten und es gleichzeitig wert sind, weiter in uns zu leben.

Verstehen kann man das Leben nur rückwärts.
Leben muss man es vorwärts.

Sören Kierkegaard (1813 – 1855, dänischer Philosoph)

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Lebe wohl Hubschrauber-Mutter!

Am Ende reichte es ihr tatsächlich. Das jahrelange Gängeln und Überwachen ihrer Mutter fand ein Ende. Und weil sie schon dabei war, machte sie auch mit der Überkontrolle ihres Ehemannes Schluss. Gut, dass sie noch ein paar Jahre bis zur Rente hatte, die konnte sie jetzt genießen. Doch schade, dass sie es erst mit 55 schaffte, sich zu befreien. Warum eigentlich?

Die Tochter und ihre Mutter waren in einem Teufelskreis gefangen. Angefangen hatte es mit der ganz natürlichen Sorge der Mutter um ihr Kind: ihr sollte es gut gehen, das Böse sollte von ihr ferngehalten werden, damit sie sicher durch das Leben kommt. Dieser Schutzinstinkt übersteigerte sich und verlor das rechte Augenmaß. Denn er wurde nicht mit einem Bekenntnis zur Freiheit gekoppelt. Statt der Tochter Wurzeln und Flügel zu geben, schlangen sich die Wurzeln wie Gitterstäbe um deren Lebensraum. So litten beide unter der Gluckenglocke. Die Mutter drohte bei jeder Freiheitsbestrebung der Tochter krank zu werden und bekam zunehmend weniger ihr eigenes Leben auf die Reihe, die Tochter lernte selbständiges Leben nur unzureichend.

Irgendwann gelingt es, die Ketten zu sprengenIhr erster Ausbruchsversuch war die Ehe mit einem fürsorglichen, verständnisvollen Mann. Dessen Fürsorge war aber nur die Maske seines Herrschaftsanspruches, eifersüchtig wachte er über ihre Aktivitäten. Zog sie einen Rock an, wenn sie mit der besten Freundin ausging, vermutete er einen heimlichen Liebhaber. Das gemeinsame Haus war durch die Kreditfinanzierung Druckmittel genug, um sie bei der Stange zu halten. Schließlich war sie vollständig abhängig von ihrem Mann und ihrer Mutter. Denn die redete ihr ein: so einen netten Mann könne sich jede Frau doch nur wünschen.

Als die eigenen Kinder aus dem Haus waren, schöpfte sie erste Hoffnung. Doch noch immer war sie gefangen in den jahrzehntelang trainierten Mustern. Dann aber starb ihr Vater, der Zeit seines Lebens hilflos dem Treiben zugesehen hatte. Diese Erschütterung, den letzten Halt zu verlieren, brachte das ganze System zum Wanken. Bevor der Tod der einzige Ausweg aus dem Gefängnis war, das ihr Leben darstellte, wollte sie es wenigstens probiert haben, selbst zu leben. Auch wenn es hart war, zu gehen, so war es noch härter, zu bleiben. Sie packte also ihre Sachen und machte sich davon. Ihr Ziel war München, oder Melbourne oder noch besser: Monrovia. Dorthin, in das von ehemaligen Sklaven gegründete Land mit dem Namen „Freiheit“, würde ihr keiner folgen.

Lieber ein Ende mit Getöse als Getöse ohne Ende

Werbespruch aus den 1980er Jahren vom ‚Hifi-Haus‘ in Frankfurt

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Einfach mal in der Mittagspause eine halbe Stunde Urlaub nehmen

Die Kolleginnen packten eine Decke ein, schnappten sich ihre mitgebrachten Antipasti, holten den Käse aus dem Kühlschrank und gingen runter ans Mainufer. Dort am Fluss, mitten in Frankfurt, stiegen sie für eine halbe Stunde aus dem Alltag aus und waren sofort in Urlaubsstimmung. Dabei war es einfach nur ein Picknick in ihrer Mittagspause. Wie kann man sich noch Urlaubsgefühle im Alltag holen?

Eine halbe Stunde Urlaub vom AlltagDer Dalai Lama soll einmal auf die Frage: „Was kann ich tun, um glücklich zu sein?“ geantwortet haben: „Mache jeden Tag eine halbe Stunde nur etwas für Dich selbst.“ 30 Minuten, das klingt nicht viel. Diese Auszeit ist oft aber schwer in den Tagesablauf zu integrieren. Die Mittagspause ist da eine sehr geeignete Hilfe: Sozial akzeptiert und oftmals fest in der Arbeitsroutine verankert kann das eine Zeit für sich selbst sein. Natürlich ist es ein Privileg, ein Flussufer vor der Bürotür zu haben. Aber viel öfter, als sich manche vorstellen, gibt es in naher Laufentfernung einen Park mit einer Bank unter Bäumen, eine Grünanlage mit Sommerblumen, einen Bachlauf zum Füße-reinhalten, eine Dachterrasse mit dem Blick über alles hinweg, …

Psychologen haben in Versuchen nachgewiesen, dass Menschen eine höhere Konzentration haben, wenn sie eine halbe Stunde im Grünen spazieren gehen als die Teilnehmer in der Vergleichsgruppe, die in Straßen unterwegs war. Ihr Rückschluss: die geometrischen Strukturen der Städte erholen das Gehirn weniger als die organischen Formen der Natur.

Und es muss ja auch nicht immer die Mittagspause sein, die ein kleines Urlaubsgefühl auslöst. Auf dem Weg nach Hause gäbe es die Möglichkeit, einen kleinen Abstecher ins Grüne zu machen. Die Engländer und Iren haben dafür übrigens den Pub. Hier gibt es eine klare Unterbrechung zwischen der Zeit auf der Arbeit und der Zeit zu Hause: Dort lässt man die Arbeit los oder man verschnauft vom Einkauf und dann geht es weiter heim. Die Italiener benutzen dafür die Caffè-Bars. Andere kaufen auf dem Markt frische Lebensmittel für das Abendessen ein oder sitzen auf der Gartenbank und schauen der Katze beim Ausflug zu.

Von allen zur Auswahl stehenden Orten für ein Mittagspause scheint die Betriebskantine derjenige zu sein, der den geringsten Erholungsfaktor hat.

„Wer immer nur funktioniert, entzieht sich dem Abenteuer des Lebens.“
Armin Müller-Stahl (*1930), deutscher Schauspieler

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Man darf nicht immer alles glauben, was man denkt

Als ich dieses Zitat von Rosamunde Pilcher las, musste ich schmunzeln. Wem sonst soll ich denn glauben? Doch vor allem mir selbst! Aber all zu leicht reden wir uns Eigenschaften ein, die nicht stimmen, sondern die uns Fremde angeheftet haben. Dadurch sind wir fremd-gesteuert. Wie können wir wieder selbstbestimmter werden?

Die Gespenster fremder EinflüsterungenDiese von Fremden ausgelösten Selbsteinschätzungen sind tückisch, weil sie so glaubwürdig, echt und real wirken. Und sie werden immer wahrer und glaubwürdiger, wenn sie nicht korrigiert werden. Wie ein Mantra wiederholen wir sie in Selbstgesprächen, bis wir sie vollständig in uns aufgenommen haben. Entstanden sind sie jedoch aus dem, was die Nachbarn sagten, die Verwandten meinten, Väter bestimmten oder Mütter nahe legten.

Manchmal verraten sich diese eingeschlichenen Fremdbilder durch Phrasen wie „Was sollen denn die Nachbarn sagen, wenn ich …“ oder „Man muss doch …“ Kombiniert werden sie mit wenig schmeichelhaften Beurteilungen von uns selbst („Ich bin zu dick / zu faul / zu aufmüpfig / zu dumm …“) Am Ende geht es um eine Handlung, die wir auf jeden Fall vermeiden müssen oder unbedingt tun sollen, wenn es nach Meinung der anderen geht.

Was wir uns selbst einreden, sind Einflüsterungen von außen. Sie entwickeln sich im Laufe der Zeit zu Gehirngespenstern, die einen auch noch nachts verfolgen. Und so geben wir anderen Menschen Macht über uns selbst und unser Handeln. Menschen, die wir oft noch nicht einmal leiden können.

Was tun?

Wann immer bei einem Selbstgespräch die verräterische Kombination aufkommt (Was Fremde sagen, Wie wenig wert ich bin, Was ich zu tun habe), hilft es, sich an einen Freund zu wenden. Echte Freunde sind einem wohl gesonnen und haben eine fürsorglich-kritische Haltung uns gegenüber. Ein gute Mischung, um böse Gespenstergedanken nach und nach zu vertreiben. Denn:

„Ein großer Teil der Sorgen besteht aus unbegründeter Furcht.“
Jean-Paul Sartre (1905-1980), Französischer Schriftsteller

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Wie ein erfolgreicher Prozess aussieht, sich mit den Einflüsterungen von außen zu konfrontieren und sich von ihnen zu lösen, finden Sie in diesem Beispiel einer Lebensleistung.

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Psychosomatische Erkrankungen im Alltag

Die Schmerzen schienen unerträglich, doch die Sitzung sollte noch Stunden dauern. Als alles nichts mehr half, fuhr der Abteilungsleiter nach Hause. Als er dort ankam, waren die Schmerzen aber wie weggeblasen. Sein Körper und der Volksmund wussten, warum: „Es war schlicht nicht mehr zu ertragen“. Gibt es noch mehr Volksweisheiten, die einen Menschen daran erinnern, wie es ihm wirklich geht?

Der Körper hält einem den Spiegel vorEs ist verblüffend, wie viele alltägliche Redewendungen ungewollte Wahrheiten beschreiben. Zahllose Dentisten sehen Zähne, die durch nächtliches Knirschen zerrieben werden, denn da „muss sich jemand durchbeißen“. Die Hals-Nasen-Ohren Ärzte wissen um eine gute Einnahmequelle, weil ihre Patienten etwas „nicht mehr hören können“, „die Nase voll haben“ oder ihnen etwas „im Halse stecken bleibt“. Physiotherapeuten leben hauptsächlich von Menschen, die „krampfhaft an etwas festhalten“, „auf deren Rücken etwas ausgebadet wird“ oder die ständig „den Kopf einziehen“ müssen. „Das geht auf keine Kuhhaut mehr“ wissen Dermatologen beim Blick auf Hautauschläge.

Der Volksmund hat seit jeher eine lange Liste von Redewendungen parat, um all diese psychosomatischen Krankheiten zu beschreiben. Dabei war dieser Begriff seit seiner Einführung Ende des 18. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts nur in medizinischen Fachkreisen bekannt. Aber bis heute werden vielfach die Wechselwirkungen zwischen Körper und Psyche ignoriert. Wenn dann jemand die Signale des Körpers mit einer Redewendung beschreibt, gibt es ein kurzes Aufleuchten in den Augen des Kranken: „Ja stimmt, da hast Du recht!“

Der Körper hält einem den Spiegel vor

Wie schön ist es, wenn ab und zu diese Erkenntnis im Bewusstsein bleibt und die Schmerzen zum Anlass genommen werden, sich diese Fragen zu stellen: „Warum tritt gerade diese Krankheit auf?“, „Warum tritt die Krankheit gerade jetzt auf?“ und „In welchen Zusammenhängen befinde ich mich jetzt?“ Das ist ein erster Schritt, um sich zu befreien und seinen Körper zu schonen. Und wer nicht hören will, dem geht es vielleicht wie einer Lehrerin, deren Körper eine grandiose, weil einfache und effektive Krankheit einsetzt, um ihr die notwendige Ruhe zu verschaffen: Wird der Stress zu groß, verliert sie ihre Stimme. Und weil sie heiser ist, kann sie keinen Unterricht leiten.

„Es gibt auch Spiegel, in denen man erkennen kann, was einem fehlt.“
Friedrich Hebbel (1813 – 1863), deutscher Dramatiker und Lyriker

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Ich dope mich mit Selbstbestimmung

Kürzlich war ich auf einem Releasekonzert der Musikerin Kaye-Ree, die sich selbst als „Natural high“ bezeichnet: fast immer gut drauf, kaum schlecht gelaunt. Ihr „Dope“ heißt Selbstbestimmung und ist ganz legal. Wie hoch muss die Dosis Selbstbestimmung sein, damit ein natürliches Glücksgefühl entsteht?

Kaye-Ree ist ein Natural highEs waren nicht die besten Voraussetzungen für einen Clubbesuch. Ich hatte seit Tagen Kopfweh und Magengrimmen, so dass meine Frau besorgt fragte: „Sollen wir da wirklich heute Abend hingehen?. „Ich möchte gerne wenigstens eine schöne Sache machen und mich nicht zu Hause verkriechen“, entgegnete ich ihr. Statt mich wie in einer Spirale nach unten ziehen zu lassen, in der nach und nach alle positiven und aufmunternden Aktivitäten aufgegeben werden, weil nur noch Erholung von der Erschöpfung angesagt ist, wollte ich von Anfang an etwas dagegen setzen. Und dann erzählt Kaye-Ree↗, dass sie als Musikerin privilegiert sei und viele sie sicher beneideten, denn sie tue nur das, was ihr Spaß macht.

„Na, danke“ denke ich mir, „reib’ jetzt auch Salz in meine Wunden – mein Leben ist nun mal fremdbestimmt!“ Aber ihre gute Laune, ihr natürliches High-Sein war ansteckend. Ich müsste ja nicht gleich meinen Job an den Nagel hängen und wie sie ein eigenes Plattenlabel gründen. Schon eine halbe Stunde am Tag ganz persönlich für mich, ohne gesellschaftliche Zwänge, die könnte mich doch „dopen“. Was könnte ich da alles „tun“! Den Wolken zuschauen, wie sie über den Himmel ziehen zum Beispiel. Oder ein wenig Gärtnern. Katzen kuscheln. Bei einem Kaffee und mit einem Buch auf Reisen gehen. Und wie ich da so im Konzert stand und mir diese Gedanken durch den Kopf gingen, ließen auch langsam meine Magenschmerzen nach.

„I’m floating on my waves, giving my ideas and dreams some space“ (Refrain aus „Natural high” von Kaye-Ree)

Vorschau

Neulich hörte ich folgenden Dialog im Supermarkt: „Was schenken wir denn deiner Mutter zu Muttertag?“ – „Naja, eine Schachtel Pralinen und ein Pfund Kaffee, wie immer.“ Mit einem Augenzwinkern könnte ich das meiner Mutter auch schenken, doch viel mehr möchte ich ihr und meinem Vater Respekt und Anerkennung für ihre Lebensleistung schenken. Denn beides haben sie sich redlich verdient. Lesen Sie am 24. Mai in meiner neuen Kolumne ein wenig aus ihrer beider Nachkriegsbiographien.

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Wie man keine Freunde gewinnt

Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen und nun sieht man sie wieder in den Bars oder Straßencafés eifrig nach der Bewunderung und der Aufmerksamkeit des Gegenübers fischen: Menschen auf der Balz. Manchmal wirkt das wie ein Eroberungsfeldzug, bei dem eine(r) überrollt wird mit selbstzentriertem Gerede. Dabei geht es doch um Gefühle, um einen gemeinsamen Tanz, nicht um die Eroberung von Ländereien – oder habe ich da etwas missverstanden?

Zeigt kein ehrliches Interesse am GegenüberEs war ein sehr gemütlicher Abend in einer Bar, die mit Möbeln der 50er Jahre und ungewöhnlichen Cocktails eine behagliche Wohnzimmeratmosphäre schuf. Drei Paare waren anwesend, gedämpfte Gespräche, Loungemusik. Doch dann öffnete sich die Tür, ER trat auf die Bühne, um IHR zu imponieren. Kaum dass sie saßen, überfiel er sie und produzierte seine Vorzüge. Sie pflichtete ihm bei und versuchte seine Aufmerksamkeit auf ihre Einzigartigkeit zu lenken. Der Kampf um die Lufthoheit über dem Kennenlernen war voll entbrannt. Die Gespräche der anderen Paare und die Musik wurden in den Hintergrund gedrängt.

1936 hat Dale Carnegie in seinem Buch „Wie man Freunde gewinnt“ die Geschichte eines erfolgreichen Abends erzählt. Sein Gegenüber habe sich beim Abschied sehr für das außerordentliche gute Gespräch bedankt, dabei hatte Carnegie nichts von sich erzählt. Er hat lediglich aufrichtiges Interesse für den anderen gezeigt. Das Buch zählt mittlerweile zu den Klassikern der Kommunikationsliteratur. Auch wenn es ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein scheint, sind seine „goldenen Regeln“ wie „Geben Sie anderen ehrliche und aufrichtige Anerkennung“, „Interessieren Sie sich aufrichtig für andere“ oder „Erwecken Sie in anderen lebhafte Wünsche“ immer noch aktuell.

Hätte der junge Mann in der Bar nur diese Regeln befolgt! Glauben Sie, dass er bei der Frau im Sessel gegenüber den lebhaften Wunsch geweckt hat, ihn wieder zu treffen? Dabei war doch gerade das sein Ziel, das er mit seinem Verhalten allerdings kräftig sabotierte.

Vorschau

Die junge Kollegin hat keine Chance: links ist das Fenster, vor ihr der Schreibtisch, hinter ihr die Wand und rechts – da sitzt ihr Chef. Fast schon auf ihrem Schoß. An Flucht ist nicht zu denken, auch nicht, als er noch rülpst. Das ist der Alltag bei dieser Mitarbeiterin: sie lässt diese massive Verletzung ihrer Grenzen zu. Kann eine Mischung aus Gehorsam und passivem Widerstand ihre Situation verbessern? Lesen Sie die Antworten am 7. April hier auf meinem Blog.

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Statt Creme: Das Geheimnis für Schönheit bis ins hohe Alter

„88 Prozent von 67 Testerinnen bestätigen“ „messbare Ergebnisse mit dem Faltenlineal“ und „empfehlen das Wunschvolumen“, das sogar „besser als eine Laser-Session“ ist. Ich habe gerade mal bis Seite 15 einer Frauenzeitschrift geblättert und bin schon vier Werbeanzeigen für Schönheitsprodukte begegnet. Wer blütenrein ist, ist schön – so die gängige Formel. Um die dreckige Arbeit des Verblühens kümmert sich des Teufels Foltermeisterin: die Zeit. Auch wenn mich die Kosmetikindustrie hassen wird, verrate ich Ihnen meine vier Geheimnisse für Schönheit bis ins hohe Alter. Garantiert Cremefrei.

Schoen faltigWenn ich durch die Straßen laufe und in die Gesichter der Menschen schaue, beeindrucken mich die von strahlender Schönheit am meisten. Mit „Schönheit“ meine ich nicht die Elemente des gängigen Gesichtsideals, nein, ich meine eine tiefer liegende Schönheit. Es gibt junge Menschen, die dank glatter straffer Haut scheinbar gut aussehen, die aber hässlich von Angesicht sind, weil sie, kaum dreißig, schon alt, grau und verbittert wirken. Und dann gibt es betagte Menschen, die runzlig und faltig, aber von solcher Schönheit sind, dass mir der Atem stockt.

Der Volksmund sagt, dass jeder ab dreißig für sein Gesicht selbst verantwortlich ist. Die Kosmetikindustrie unterstützt diese Verantwortung mit Haar- und Hautpflegemitteln sowie dekorativer Kosmetik und setzte damit im letzten Jahr alleine in Deutschland 7,2 Milliarden Euro um. Ich bin mir sicher, dass kein einziges dieser Produkte lang anhaltende Schönheit bis ins hohe Alter erschaffen kann. Denn sie laborieren an der Oberfläche, während meiner Meinung nach die Ursachen für wirkliche Schönheit im Innern liegen:

  • Lebensumstände: Bin ich von ihnen umsorgt?
    Dazu gehören Fragen wie: Wo lebe ich? Womit ernähre ich mich (körperlich, geistig, seelisch)? Wer sind meine Familie und Freunde? Was ist meine Arbeit?
  • Lebenshaltung: Sorge ich wirklich für mich?
    Fragen wie: Wie viel Ärger habe ich in mir, wie viel Freude? Ist mein Lebenstempo mir gemäß? Wie groß ist mein Vertrauen in mich? Spüre ich meine Bedürfnisse? gehören zu einer schönheitsfördernden Lebenshaltung.
  • Glück: Was begegnet mir?
    Darauf habe ich einen indirekten Einfluss, denn folgender Satz von Curt Goetz öffnet den Handlungsspielraum: „Man soll die Dinge so nehmen, wie sie kommen. Aber man sollte auch dafür sorgen, dass die Dinge so kommen, wie man sie nehmen möchte.“
  • Gene: Was habe ich mitbekommen?
    Komme ich aus einer Familie, die glücklich im Leben steht? Welcher Teil einer Familiengeschichte bin ich (z.B. Flucht und Vertreibung)? Übersprang eine Erbkrankheit meiner Großeltern eine Generation direkt zu mir? Neueste Forschungen zeigen, dass Gene sich im Laufe des Lebens aufgrund der Lebensumstände beeinflussen lassen.

Ich habe mich dafür entschieden, im Innern anzufangen und das Äußere nicht so stark zu beachten.

Ich habe mich dafür entschieden, mit der Lebenshaltung und den Lebensumständen das Gegebene anzunehmen und zu entwickeln und für mein Glück zu sorgen.

Ich habe mich dafür entschieden, schön faltig zu werden.

Ich freue mich auf die Lachfalten, die mein Gesicht zeichnen werden und schaue, dass Sorgenfalten wenig Chancen haben, sich einzugraben.

Vorschau

Vor kurzem habe ich meine Coachingrechnung aufgegessen und ich muss Ihnen sagen: Selten habe ich so etwas Köstliches im Mund gehabt! Jeder Biss ein Genuss und ein anhaltendes Glücksgefühl, das sich vom Bauch her in mir ausbreitete. Statt Geld zu verlangen hatte ich mich bewirten lassen und dieser Essenslohn war mir mehr wert, als wenn ich mit dem Geld der bezahlten Coachingrechnung ins Restaurant gegangen wäre. Und ich fragte mich: wäre das nicht mal ein alternatives Geschäftsmodell? Der Frage gehe ich am 23. Dezember nach, hier auf meinem Blog.

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Gelangweiltes Geld

Vor wenigen Wochen saßen wir mit einem befreundeten Ehepaar in einem Straßencafé einer reichen gediegenen Kleinstadt. An uns flanierten die Menschen vorbei, da sagte unsere Freundin: „Schaut mal, lauter gelangweiltes Geld!“ Als ich kurz darauf in einem Museum eine Karte mit dem Spruch „Geiz und Glück werden sich niemals kennen lernen“ fand, erinnerte ich mich an den Ausspruch vom gelangweilten Geld. Ich fing an, über die Verbindung zwischen Geiz, Glück, Geld und Großzügigkeit nachzudenken und stieß dabei auf ein Gefängnis.

Bis zur Bemerkung unserer Freundin wusste ich gar nicht, dass sich Geld langweilen kann. Zwar habe ich ausreichend Geld für mein Leben, aber nicht genug, um es „für mich arbeiten“ zu lassen, so wie mir das Banken in ihren Schaufenstern anbieten. Das liegt vermutlich daran, dass ich Geld nicht festhalte sondern unter die Leute bringe. Ein schöner Abend mit Freunden, der Kaffee am See, dieses wunderbare Kleinod Handwerkskunst erfreuen meine Seele lange über den Akt des Kaufens hinaus. Vom Schenken ganz zu schweigen.

Ich lasse Geld los und gebe ihm die Freiheit auch zu anderen Menschen zu wandern (die schließlich auch von etwas leben müssen) und ernte dadurch Großzügigkeit. Wer Großzügigkeit säht wird Großzügigkeit ernten und genauso verhält es sich mit dem Geiz, zumindest in meiner Welt.

Geiz hält die Seele gefangenGeiz ist, so finde ich, ein Gefängnis, in dem die Seele gemeinsam mit dem Geld in einen Tresor eingesperrt wird. Geiz hält das Geld fest zum Selbstzweck, nicht für ein Ziel. Denn wer ein Ziel erreichen will, muss den jetzigen Standort verlassen. Glück, so sagen es die großen Religionen, kommt durch das Loslassen. Vielleicht hat „gelangweiltes Geld“ nur Angst vor Veränderungen und Freiheit?

Ein Schritt zu mehr Mut, zu Freiheit und Veränderungen könnte sein, ein neues Bild im Herzen zu bewegen: Geiz ist die negative Übertreibung der Sparsamkeit und wer großzügig ist, ist noch lange nicht verschwenderisch. Oder um es mit dem Postkartenspruch zu sagen: „Geiz und Glück werden sich niemals kennen lernen“. Er stammt übrigens von Benjamin Franklin, einem der Gründerväter der Vereinigten Staaten.

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Souvenirs, Souvenirs! Bunte Träume in grauer Zeit

Durch meine Kindheit schallte an Schlagernachmittagen Bill Ramseys tiefe Stimme aus dem Radio und sein Ohrwurm „Souvenirs, Souvenirs!“ geht mir bis heute nicht aus dem Kopf. Jetzt beginnt die Urlaubssaison und ich bin gespannt, welche Souvenirs ich mitbringen werde, die „wie das Salz in der Lebenssuppe“ sind. Mein Leben ist reich an Souvenirs – welch ein Glück!

Souvenirs sind bunte Träume in grauer ZeitIch lasse meinen Blick durch die Wohnung schweifen und befinde mich plötzlich im Nieselregen auf einem Flohmarkt im belgischen Waterloo mit meiner Frau und einer gemeinsamen Freundin. Von dort stammt der Ricard-Krug, den wir für Trinkwasser benutzen. Greife ich nach meinem Tee, scheint die Sonne und ich höre Raben krächzen. Ich bin im Tower von London, wo ich bei unserem ersten Aufenthalt einen dünnen Porzellanbecher mit fein gezeichneten Wachmännern und Burgzinnen kaufte. Aus dem Flur schaut mich eine junge Berliner Frau an, die so gar nichts von einer Göre hat, denn sie ist 540 Jahre alt und ihr Bildnis haben wir in der Gemäldegalerie entdeckt. Meine Frau genoss heute morgen im Schlafzimmer südliche Wärme bei 30°C, bevor sie die Wohnungstür aufmachte, um zur Arbeit zu gehen. Ihre Leinenbluse stammt aus einer kleinen Boutique mit angeschlossenem Café (oder war es umgekehrt, die Boutique war dem Café angeschlossen?) in Meersburg am Bodensee. Selbst die Ordnung in der Küche ist ein Souvenir, diesmal aus Holland, weil wir in der dortigen Ferienwohnung so wenig Geschirr hatten, dass wir alles gleich wegspülen mussten.

Ich sammele gerne Erinnerungsstücke an schöne Erlebnisse: Gebrauchsgegenstände, Kleidung, auch die eine oder andere Vorliebe. Billy Ramsey sang: „ Souvenirs Souvenirs / einer großen Zeit / sind die bunten Träume / uns’rer Einsamkeit”. Sie wärmen mir das Herz, lassen mich dahinschweifen in die Umstände, als das Souvenir zu mir kam. Ein Lächeln zaubert sich auf mein Gesicht und ich frage meine Frau: „Weißt Du noch …“ und auch in ihren Augen sehe ich das Leuchten der Erinnerung. Für ein paar Momente tauchen wir ab, bevor wir mit einem Seufzen wieder im Hier und Jetzt ankommen und ein bisschen mehr Kraft, ein bisschen mehr inneren Sonnenschein haben. Denn der Himmel draußen ist gerade mehr grau als blau, es sind kühle 20°C, ein wenig unbeständig. Ich nenne das einen „irischen Sommer“ …

Vorschau

„Oh ich habe auf das alles keine Lust mehr! Warum tue ich mir das nur an? Ich will das alles nicht mehr!“ Ich denke diesen Satz hin und wieder, manchmal platzt er auch richtig aus mir heraus. Schön und gut wenn ich weiß, was ich nicht will. Aber das ist nur die halbe Miete und damit ist die Gefahr groß, dass alles so bleibt, wie es ist. Welcher Weg vor mir liegt, erfahren Sie ab 15. Juli. Hier auf meinem Blog.

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