Das Flüchtlingsdrama der Weihnachtsgeschichte

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde …“ Diese Worte aus dem Lukas-Evangelium gehören für viele Menschen zum weihnachtlichen Kulturgut. Ich stolperte beim Lesen über diese Passage: „Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.“ Was bedeutete das? Und wie würde die Tagesschau über dieses Ereignis berichten? Vielleicht so:

Die vom römischen Kaiser Augustus Oktavian angeordnete Erstellung von Steuerlisten hat in Syrien eine Wanderbewegung der gesamten Bevölkerung ausgelöst, da sich jeder in seinem Geburtsort in die Listen eintragen lassen muss. Tausende Menschen sind in ihren Heimatstädten obdachlos geworden weil allenorten Unterkünfte fehlen. Eine humanitäre Katastrophe bahnt sich an, da jederzeit mit dem Wintereinbruch zu rechnen ist.

Direkt aus der besonders stark betroffenen Provinz Judäa nun live Lukas Stier.

Hinter der Kulissen der WeihnachtsgeschichteVon der viel gerühmten römischen Staatsorganisation und Planungsfähigkeit ist hier in Bethlehem wenig zu sehen. Die Behörden haben keinerlei Vorkehrungen getroffen, um die in ihre Heimatorte strömenden Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen. Von offizieller Seite wird dafür der römische Statthalter Quirinius verantwortlich gemacht. Doch hinter vorgehaltener Hand sagt man uns, dass der Zensus ein unerhörter Eingriff des Kaisers in die autonomen Rechte des jüdischen Königs Herodes darstellt. Die Zusammenarbeit auf allen Ebenen der Verwaltung ist daher fast vollständig eingestellt worden.

Die chaotische Lage machen sich Freiheitskämpfer wie Judas der Galiläer zu Eigen und rufen die Bevölkerung zum Widerstand gegen die römischen Besatzer auf.

Leidtragende sind die einfachen Menschen wie dieser Handwerker aus Galiläa. Er erzählte uns, dass er mit seiner hochschwangeren Verlobten seit Tagen zu Fuß aus Nazareth unterwegs war, um sich in seiner Geburtsstadt Bethlehem in die Steuerlisten eintragen zu lassen. Hier im römischen besetzten Judäa fanden sie keinen Platz in den überfüllten Herbergen und als die Wehen einsetzten, konnten sie immerhin in einem Stall unterkommen. Ihr erstes Kind ist ein gesunder Junge und alleine das ist in dieser Zeit ein echtes Wunder. Mit diesem Bild der Hoffnung zurück nach Frankfurt.

„2.337.327 Flüchtlinge sind von der Gewalt in Syrien betroffen.“
Statistik des UN-Flüchlingshilfswerks, Stand: 27. Dezember 2013.

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